© Schweinöster Walter

Chronik Österreich
08/29/2020

Die Gewinner und Verlierer: Wohin die Österreicher (nicht) reisten

Der heurige Sommer brachte im Tourismus viele Verlierer. Einzelne Gewinner gab es trotzdem. Sie deuten auf ein geändertes Urlaubsverhalten hin.

von Matthias Nagl

Die eindringlichen Appelle haben funktioniert. Bereits vor der Gesamtbilanz lässt sich sagen: Die Österreicher blieben zum Sommerurlaub so sehr im eigenen Land wie selten zuvor. Die schlimmsten Befürchtungen eines Totalausfalls im Sommertourismus traten bei Weitem nicht ein.

Grund zum Jubeln gibt es trotzdem nicht: Insgesamt dürfte es ein spürbares Minus bei den Gästezahlen geben. Allein im Juli checkten in Summe 1,432 Millionen Gäste weniger als im Vorjahr in Österreichs Hotels, Pensionen und Campingplätzen ein.

Die Lage ist von Region zu Region aber sehr unterschiedlich. Der KURIER hat sich Gewinner und Verlierer des heurigen Sommers genauer angesehen.

Kurz lässt sich die Lage so zusammenfassen: An den Seen und in den Bergen läuft es gut, in den Städten schlecht. Die Details liefern dann aber doch interessante Erkenntnisse.

So schnitt etwa Krimml mit seinen Wasserfällen im Salzburger Pinzgau außergewöhnlich gut ab. Im Juli gab es bei den Nächtigungen ein Plus von unglaublichen 38 Prozent, sogar für die gesamte Sommersaison mit dem praktisch gänzlich ausgefallenen Mai steht unter dem Strich ein Plus von 13 Prozent.

In Salzburgs westlichstem Ort machte sich offenbar bezahlt, dass die Heilwirkung der Wasserfälle schon 2015 von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg wissenschaftlich anerkannt wurde.

„Wir haben im März und April unsere Marketingmaßnahmen adaptiert und verstärkt auf die Heilwirkung der Wasserfälle gebaut“, erzählt Petra Lemberger, Tourismuschefin in Krimml.

Offenbar mit Erfolg. „Das Gesundheitsthema hat wirklich voll zugeschlagen“, sagt sie. „Viele Österreicher, die die Wasserfälle zwar kannten, aber nicht so am Schirm gehabt haben, haben uns jetzt zum ersten Mal besucht.“

Nächtigungsminus

Österreichweit brachte der Juli ein Nächtigungsminus von 17,4 Prozent.

Ankunftsminus

In ganz Österreich gingen die Ankünfte im Juli um 26,6 Prozent zurück.

Drei Gewinner

Die Steiermark, das Burgenland und Kärnten verzeichneten ein kleines Plus bei den Nächtigungen. 31.000 Nächtigungen gab es in der Steiermark. Das entspricht einem  Plus von zwei Prozent. Das Burgenland hatte mit Plus 4 Prozent den größten relativen Zuwachs, in Kärnten lag das Plus bei 0,1 Prozent.

Großer Verlierer

1,2 Millionen Nächtigungen fehlen in Wien. Das ist mit 73,3 Prozent das größte Minus unter allen Bundesländern. Wie erwartet trifft das Minus auch abseits von Wien vor allem die Städte. In Salzburg haben sich die Nächtigungen im Vergleich zum Vorjahr quasi halbiert, in Innsbruck war das Ergebnis mit  Minus 47,7 Prozent ähnlich.

Viele erstmalige Besucher hatte auch die Region Saalfelden-Leogang. Hier gab es im Juli ein Plus von 3,5 Prozent bei den Nächtigungen, Leogang alleine kam sogar auf ein Plus von 14 Prozent. Viele outdoor-affine Familien hätten die Region heuer erstmalig besucht, sagt Marco Pointner, Chef des Tourismusverbandes.

Trend zum Radfahren

Bereits seit den 1990er-Jahren setzt die Region auf das Thema Mountainbike. Das macht sich in dem von Corona ausgelösten Fahrrad-Boom bezahlt.

Ebenso wie der Fokus auf deutsche und österreichische Gäste, den Saalfelden-Leogang schon vor der Pandemie hatte. „Wir sind lieber ein großer Fisch in einem kleinen Teich, als ein kleiner Fisch in einem großen Teich“, meint Pointner.

Dass die Themen Wasser und Berge heuer besonders ziehen, zeigt sich auch bei den detaillierten Bundesländerzahlen. Im Juli hatten lediglich die Steiermark, Kärnten und das Burgenland mit dem Neusiedler See ein Plus bei den Nächtigungen.

In Kärnten lagen der Wörther- und der Klopeiner See bei den Regionen mit dem stärksten Plus.

In allen drei Ländern ist das auf ein starkes Plus bei den Inländern zurückzuführen. Das ganze Drama des Städtetourismus zeigt sich wiederum bei den Zahlen für Wien mit einem Minus von 73,3 Prozent bei den Nächtigungen.

Damit fiel die Bundeshauptstadt im Vergleich zum vergangenen Jahr vom drittbeliebtesten Sommerbundesland Österreichs auf den letzten Platz zurück.

Resistente Billighotels

Doch auch in den Städten gibt es interessante Details. In der Stadt Salzburg gab es zwar auch ein kräftiges Minus auf rund die Hälfte der Nächtigungen vom vergangenen Jahr. Den Einbruch hat aber zu einem Großteil die gehobene Hotellerie zu schultern.

Während das Minus im Vier- und Fünf-Stern-Bereich deutlich über 50 Prozent lag, betrug es bei den Ein- und Zwei-Stern-Betrieben nur 4,2 Prozent.

„In der Festspielzeit haben wir überwiegend Stammgäste. Im Juli hatten wir heuer mehr Familien als sonst und viele junge Pärchen“, erzählt Martina Haschej vom Ein-Stern-Haus Schwarzes Rössl in der Salzburger Altstadt.

Einen kleinen Lichtblick gab es für die Hoteliers aber in allen Bundesländern: Die Aufenthaltsdauer nahm über alle Kategorien hinweg zu. Das heißt, der seit Jahren zu beobachtende Trend zu Kurzurlauben kehrte sich erstmals wieder um.

Für die Hotels ist das positiv, weil ein längerer Aufenthalt weniger Arbeit, weniger Personal und damit weniger Kosten bedeutet. Ob dieser Trend die Corona-Krise überlebt, bleibt allerdings abzuwarten.

Natur statt Skifahren

Schon jetzt ist klar, dass es auch in der Wintersaison Verschiebungen geben wird. „Natürlich wissen auch wir nicht, was die nächsten Wochen und Monate bringen.

Jetzt heißt es: denken und lenken“, sagt die Krimmler Tourismuschefin Lemberger. „Aber ich könnte mir vorstellen, dass im nächsten Winterurlaub bei vielen nicht unbedingt das Skifahren im Mittelpunkt steht, sondern das Genießen der Natur.“

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