Hundert Jahre Museumsverein: Die Entdecker kostbarer Zeitdokumente

Hundert Jahre Museumsverein: Die Entdecker kostbarer Zeitdokumente
Jedes erstandene Kunstwerk hat eine Geschichte zu erzählen: Von der koketten Dame bis zur ältesten Stadtansicht in Farbe.

Kokett und selbstbewusst präsentiert sich die Dame am Porträt von Maler Theodor Ethofer mit dem Namen Olga: Sie trägt einen riesigen Federhut und spielt geradezu mit ihren Bewunderern – auch mit der modernen Museumswelt. „Ein perfektes Abbild des Bürgertums um 1900“, beschreibt Kurator Peter Husty und gerät ins Schwärmen. „Diese duftige Farbigkeit erreicht kein moderner Druck. Man muss das Werk im Original sehen.“

Ein volles Jahrhundert lang geht der Salzburger Museumsverein mit Gründungsdatum Oktober 1922 schon auf die Suche und spürte allerhand Kostbarkeiten auf. Kunstschätze, die Salzburg prägen, an die Salzach zu holen, verschlang bereits stolze Summen. Man spricht lieber über den kunsthistorischen Wert und eine von Gemeinschaft geprägte Struktur im Verein, der zu einem der ältesten in ganz Europa gehört.

Hundert Jahre Museumsverein: Die Entdecker kostbarer Zeitdokumente

Ältester Blick auf Salzburg

Wenn Kurator Peter Husty aus der Kunstwelt Hinweise bekommt, gilt es oft, rasch zu entscheiden: Wie jene Auktion in Paris, als der „Blick auf Salzburg“ aus dem Jahr 1599 unter den Hammer kam. Darauf ist noch der ursprünglich romanische Dom ohne Türme zu sehen, weil ein Jahr davor ein Brand wütete.

Der Dom ohne Türme auf ältester Farbansicht

Ein Zeitdokument, das belegt, dass Erzbischof Wolf Dietrich die Substanz sehr wohl hätte retten können. Dass es sich um ein Werk des holländischen Künstlers Philipp van de Bossche handelte, war beim Zuschlag noch gar nicht klar. Husty gelang mit detailreicher Fotografie der Nachweis: Auch ein winzig abgebildetes Storchennest half dabei. „Es ist die früheste gemalte Darstellung der Stadt, die wir hier haben“, so Husty.

Hundert Jahre Museumsverein: Die Entdecker kostbarer Zeitdokumente

Große Glasvitrine im Gloriensaal

Ein Prunkhelm aus der Bronzezeit etwa, der bei Grabungen im Gasteinertal ans Licht kam und als Zwillingsfund zum Bronzehelm vom Pass Lueg gilt. Mehrere Gemälde des Salzburger Landschaftsmalers Hubert Sattler, der mit dem Sattler-Panorama, das die Stadt um 1825 zeigt, Berühmtheit erlangte.

Für ein Raunen unter Besuchern wird auch jener Barockschrank aus Privatbesitz sorgen, der von Salzburg ins Kloster Herrenchiemsee gelangte und erst 2020 wieder an die Salzach zurückkehrte. „Er stand im Dachgeschoß eines Reihenhauses“, erzählt Museumsdirektor Martin Hochleitner über lange verborgene Schätze.

Lange Liste an Kostbarkeiten

Oder die Sammlung von 400 Tassen aus dem 19. Jahrhundert, 16 davon sind in der großen Vitrine im Gloriensaal ausgestellt. Auch Prälat Johannes Neuhardt bestückte die Sammlung noch mit einer Gabe, dankt man im Verein.

Die Ankäufe durch den Museumsverein sind von enormer Vielfalt: Eine Laterne aus den 1930-Jahren dürfte eines der ersten Stücke sein. „Wir sind von Mitglieder-Zuwächsen gesegnet“, freut sich Präsidentin Brigitta Pallauf über mehr als 14.000 Unterstützer. Auf der jüngsten „Einkaufsliste“ stehen wieder Schätze: Ein Sattler-Gemälde, eine gotische Sammlung sowie Grafiken.

Kommentare