Bei warmen Temperaturen fliegen die Bienen aus, um nach Pollen und Nektar zu suchen. Auch Wasser ist für die Brut wichtig.
 

© Petra stacher

Chronik Österreich
04/01/2020

Die Bienen summen wieder über Österreichs Wiesen

Das Bienenvolk kümmert sich um die Brut, der Imker um die zusätzliche Versorgung

von Petra Stacher

Der Imker hebt den Deckel, das Summen wird immer lauter. Zum Vorschein kommen tausende Bienen, die fleißig im Bienenstock auf und ab krabbeln und sich um die Brut kümmern. Das wird es ab dem Wochenende wohl wieder spielen, wenn die Temperaturen steigen: Die Bienen fliegen  und damit bekommen auch die Imker einiges zu tun.

350.000 Bienenvölker gibt es österreichweit, 30.000 Imker betreuen die nützlichen Tierchen. 1.000 von ihnen betreiben ihre Imkerei als Erwerbsbetrieb, der Rest sind sogenannte Freizeitimker.

Die Blüten von Marille, Spitzahorn, Weide und Palmkatzerln geben laut Stefan Mandl, Obmann des Dachverbands Biene Österreich, dem Imker das Startzeichen für die neue Saison. „Es ist Zeit für die Frühjahrsrevision“, sagt Mandl.

15.000 Bienen

Das heißt, einen Blick in den Bienenstock werfen und schauen, wie es den Tieren geht. „Zurzeit befinden sich in einem gesunden Stock etwa 15.000 Bienen. Im Sommer sind es 30.000 bis 40.000“, sagt Mandl.

Die Bienenkönigin hat deshalb alle Füßchen voll zu tun, Eier in die Wabenzellen zu legen. Damit diese auch zu einsatzfähigen Bienen heranwachsen, wird die Brut von den Arbeiterinnen warm gehalten.

Achten muss der Imker deshalb besonders darauf, ob die Bienen genug Honig haben, denn dieser dient ihnen als Nahrung. „Der Honig ist also für die Bienen wie Heizmaterial und der Winter ist noch nicht vorbei“, erklärt Mandl.

Zufüttern

Ein Paradebeispiel dafür ist diese Woche: Hatte es am Wochenende bis zu zwanzig Grad, gab es am Montag teilweise wieder Schneefall bis in die Niederungen, das heißt für die Bienen zu Hause bleiben und den Stock wärmen.

350.000 Bienenstöcke gibt es in ganz Österreich.

Aufbau
Einen gesamten Bienenstock bezeichnet man als Beute. Diese besteht aus einem Bodenbrett, darauf kommen die Zargen  und darauf wiederum ein Deckel. Die Zarge ist eine Art Aufbau. Es handelt sich dabei um eine viereckige Kiste, in der die Rähmchen hängen. In diesen lagern die Bienen den Honig.

Varroamilbe
Die circa 1,7 Millimeter kleine Milbe gilt als Mitverursacher des Bienensterbens. Die Milbe  greift Bienen auf verschiedene Arten an  und rottet über den Winter ganze Völker aus

Stellt der Imker fest, dass fast keine Honigwaben im Stock vorhanden sind, muss er deshalb Honig zufüttern – also Honigwaben vom Vorjahr in den Stock dazuhängen – damit die Bienen während solcher Kältephasen nicht verhungern.

Weniger Ausfälle

Zahlen, wie viele Bienenstöcke dem heurigen Winter zum Opfer gefallen sind, gibt es bis dato nicht. Dafür sei es laut Robert Brodschneider, der die Statistik für Biene Österreich anfertigt, noch zu früh. Johann Gaisberger, Präsident des Österreichischen Imkereizentrums, schätzt die Lage jedoch positiv ein: „Die Ausfälle scheinen nicht so stark zu sein wie die vergangenen Jahre“, sagt Gaisberger.

„Ein gesundes Volk überlebt viele Wetterkapriolen. Natürlich gibt es Parasiten, wie die Varroamilbe. Mit dieser kämpfen wir aber schon seit 40 Jahren“, sagt Mandl. Zudem sei es für die Gesamtpopulation kein Problem, wenn schwächere Bienenvölker sterben, das gehöre zur Natur.

Unterstützung

Die Bienen bei der Nahrungssuche zu unterstützen ist laut Gaisberger dennoch wünschenswert: „Leistet jeder seinen Beitrag, blüht das ganze Land und die Biene freut's.“ Weniger düngen, Brachflächen nicht mähen oder bienenfreundliche Sträucher setzen, helfe.

Es ist ein Geben und Nehmen: Man pflanzt etwas, schafft Lebensraum für Bienen, die wiederum die Pflanzen bestäuben, weshalb diese mehr Früchte tragen.  Egal ob Landwirtschaft, Garten oder Balkon: Aloisia Schobesberger, Vorstandsmitglied des Österreichischen Bienenzentrums, hat für jede Variante  Tipps, um die eigene Fläche bienenfreundlicher zu gestalten.

Für Balkonkisterl eignet sich etwa der Edelgamander. Dieser blüht mehrjährig von Juli bis September. „Das ist ein richtiger Bienenmagnet“, sagt Schobesberger. Eine Alternative sind auch alle  Küchenkräuter. Besonders der Schnittlauch liefert den Bienen Nahrung, insofern man diesen blühen lässt.

Das echte Johanniskraut, Mohn und Mädesüß seien laut Schobesberger hingegen für den Garten ideal. Von diesen können die Bienen vor allem Pollen holen, die wiederum für den Nachwuchs benötigt werden. Neben den klassischen Obstbäumen und Beerensträucher macht man den Bienen auch mit der Felsenbirne Freude – ein Wildobst mit kleinen Früchten.

Aber auch bei der Gartenumzäunung gibt es bienenfreundliche Pflanzen: Statt Thujen, könne man auf die Kornelkirsche oder Heckenrosen zurückgreifen. Diese lassen sich laut Schobesberger auch in Form schneiden.

In ein paar Wochen blüht die Kirsche voll auf. Bis dahin muss der Imker den Bienen eine zusätzliche Zarge (siehe Infobox 1) aufsetzen, damit das Volk Platz hat, um zu wachsen und den Honig einzulagern. Danach dürfe sich laut Mandl der Imker erstmal an seinen Bienen erfreuen und bis zum ersten Honigschleudern Ende Mai beobachten und abwarten.

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