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Chronik Österreich
12/06/2020

Der letzte Punsch: Ab Montag tritt Verbot in Kraft

Ab Montag darf kein offener Alkohol zum Mitnehmen mehr verkauft werden. Das ist das vorläufige Ende der Punschstände, die es trotz Lockdown gab. An ihren letzten Tagen waren sie gut besucht.

von Konstantin Auer, Gerhard Deutsch

Die Polizei teilt die Menge, etwa alle zehn Minuten. Die lange Menschenschlange vor dem Punschstand beim Meinl am Graben macht Platz für die Streifenwagen.

Es sind klingende Namen wie „Meinls Stille Nacht“ (mit Blaufränkisch) oder „Meinls weiße Weihnacht“ (mit Grünem Veltliner), die Hunderte Menschen trotz Ausgangsbeschränkung in die Innenstadt locken. Einfacher Glühwein um 3,50 Euro tut es für manche auch.

Die Schlange vor dem Punschverkauf des Feinkosthandels ist mehr als 50 Meter lang.

Auch bei Würstelständen (die im Advent ebenfalls auf Glühwein setzen) dauert es 15 Minuten, bis man drankommt. Die Polizisten halten kurz und schauen, steigen aber nicht aus und fahren weiter. Zwei Kleinbusse und ein Auto sind es, die die „Punschstreife“ an diesem Abend übernommen hatten.

Eine solche hatte der Wiener Landespolizeidirektor Gerhard Pürstl am vergangenen Montag angekündigt. An Orten, an denen es vermehrt zu Schlangen kommt, soll es einen „verstärkten Kontrolldruck und höhere Streifenintervalle“ geben“.

Das wurde auch umgesetzt. 1.184 Anzeigen und 583 Organmandate wegen Verstößen gegen die Corona-Maßnahmen hat es im zweiten Lockdown in Wien bisher gegeben. Wie viele davon vor Punschständen ausgestellt wurden, wird nicht erfasst.

Unklare Regeln

Die Regeln sind für die Polizei nicht ganz einfach zu kontrollieren: Take-away ist erlaubt, die Speisen und Getränke müssen aber in 50 Meter Entfernung vom Verkaufsort konsumiert werden. Zum „Zweck der Erholung“ darf man hinausgehen – ob Punsch trinken am Graben mit ein oder mehreren „Bezugspersonen“ auch der Erholung dient, ist nicht exakt definiert.

Dieses Problem gibt es aber schon bald nicht mehr: Ab Montag dürfen Lokale, die Speisen und Getränke zum Abholen bereitstellen, nämlich keinen offenen Alkohol mehr ausschenken.

Ob das tatsächlich notwendig war, darüber ist man sich am Graben uneins: „Das ist ein weiteres unnötiges Verbot“, sagt etwa Christian, der sich am Würstelstand einen Glühwein geholt hat. Und seine Ehefrau Nadine sagt: „Das gehört zu Weihnachten einfach dazu.“

In der Schlange vorm Meinl erzählt eine junge Frau, dass sie fast jeden Tag herkomme. So könne sie zumindest draußen Freunde treffen. Eine Anrainerin ärgert sich: Der Graben verkomme zum Christkindlmarkt. Man wisse gar nicht mehr, wie man all den Leuten ausweichen soll, klagt eine andere.

Angst vor Anzeigen

„Die Menschen sind im Freien, die meisten halten Abstand und tragen Maske“, sagt Shavon Jusupov vom Stand „Zum Goldenen Würstel“, der sich über das gute Geschäft freut. Er reicht einen dampfenden Becher aus dem Fenster. Aber selbst er kann das Verbot nachvollziehen – zumindest teilweise.

Für ihn sei es schwierig zu kontrollieren, ob die Kunden tatsächlich 50 Meter weitergehen. Durch die verstärkten Polizeikontrollen fürchtet er aber nun, angezeigt zu werden. Vor allem mit Betrunkenen hätte es zuletzt viele Auseinandersetzungen gegeben, erzählt er. Als die Glocken der Peterskirche um 19 Uhr läuten, schließt Jusupov pünktlich seinen Stand – länger darf er nicht offen haben. Vereinzelt leeren am Graben noch die letzten ihre Becher.

Langsam löst sich die Szenerie auf. „Proleten“ ruft ein Passant den letzten Punschtrinkern nach. Er trägt ein Papiersackerl von Wein und Co.

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