Der Donnerbrunnen in der Mitte des Platzes wird ab Montag abgetragen und später wieder aufgestellt.

© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Österreich
03/26/2022

Der erneuerte Markt: Freifläche statt Parkplatz in der Inneren Stadt

Noch ein paar Monate lang wird an der Umgestaltung des Neuen Markes gearbeitet. Erste Eindrücke gibt es aber schon.

von Josef Gebhard

Einen etwas skeptischen Eindruck macht Julietta Zach, deren Juwelier-Geschäft am Neuen Markt derzeit noch am Rande einer riesigen Baugrube liegt. „Erst bleiben die Kunden wegen Corona aus, dann noch die Bauarbeiten. Ich hoffe, das Geschäft überlebt, bis alles fertig ist.“

Geschichte

Gemeinsam mit dem Hohen Markt gehörte der 1234 erstmals urkundlich erwähnte Neue Markt (auch als „Mehlmarkt“ bezeichnet) zu den wichtigsten Plätzen der mittelalterlichen Stadt. Ersterer war auf den Donauhandel ausgerichtet, der „nuiwe market“ hingegen auf den Landhandel

Sehenswürdigkeiten

Der manieristische Providentiabrunnen („Donnerbrunnen“) wurde von 1737 bis 1739 von Georg Raphael Donner errichtet. Bereits 1632 fertiggestellt wurde die Kapuzinerkirche samt Kapuzinergruft, in der zahlreiche Habsburger beigesetzt wurden, zuletzt der 2011 verstorbene Kaisersohn Otto Habsburg

5,6 Millionen Euro

machen die Kosten für die Oberflächengestaltung des Neuen Markts aus, die im Herbst abgeschlossen sein wird. Finanziert wird das Projekt vom Garagenbetreiber Breiteneder, der unter dem Platz eine Tiefgarage errichtet. Die bisherigen Stellplätze an der Oberfläche fallen dafür weg. Der Großteil des Platzes wird zur Fußgängerzone

Tatsächlich gehen die bereits 2019 begonnenen Bauarbeiten auf dem historischen Innenstadt-Platz in die Zielgerade. Während am südlichen Ende unter anderem noch an der Einfahrt für die Tiefgarage gebaut wird, in der ab Herbst 364 Autos Platz finden sollen, zeichnet sich am oberen Ende schon ab, wie die neu entstehende Fußgängerzone aussehen wird.

Der Gastgarten der Konditorei Oberlaa ist voll mit Menschen, die einen der ersten schönen Frühlingstage genießen wollen. Sie schauen nicht mehr wie früher auf einen innerstädtischen Parkplatz, sondern auf eine helle freie Fläche, durch die die historische Bausubstanz erst richtig zur Geltung kommt.

Aktuell sind schon zwei Drittel der Oberflächengestaltung abgeschlossen. Bis zur geplanten Fertigstellung Ende August stünden aber noch etliche Bauschritte an, wie Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) bei einem Lokalaugenschein dem KURIER schildert: Ein Wasserspiel wird errichtet, der historische Donnerbrunnen wird fertig wiederaufgebaut und mehrere Gräserbeete mit naturnaher Bepflanzung angelegt.

Kampf um Grün

Wobei die Begrünung eine der größten Herausforderungen war. Die Garage schränkt die Möglichkeiten für Baumpflanzungen stark ein. Schließlich befinde sie sich nur 70 Zentimeter unter der Oberfläche, wie Martin Grössler von der MA 28 (Straßenverwaltung) erklärt. Und auch die Mönche der Kapuzinergruft können vor ihrer stark frequentierten Touristenattraktion nicht allzu viel Grün brauchen. „Wir haben aber jeden Quadratmillimeter ausgenutzt, um den Platz möglichst grün zu gestalten“, betont Sima.

Dazu gehört auch die bereits erfolgte Einpflanzung von sechs XL-Bäumen. Die Bezeichnung kommt nicht von ungefähr: Um von Beginn an möglichst viel Schatten zu haben, wurden bereits 25 Jahre alte, zehn Meter hohe Platanen in die Innenstadt übersiedelt. Was im Herbst noch als Experiment bezeichnet wurde, scheint zu funktionieren. Noch gedeihen die Bäume in ihren erhöhten Granit-Einfassungen.

Ganz autofrei wird der Platz allerdings nicht: Ein kurzer Fahrstreifen für den Bus 2A und den Individualverkehr von der Tegetthoffstraße bis zur Plankengasse bleibt bestehen. Hier gilt Tempo 20.

20 Jahre Streit

Mehr als 20 Jahre wurde um die Neugestaltung des Platzes, auf dem im Mittelalter mit Getreide gehandelt wurde, gestritten. Inzwischen sei die Zahl der Gegner des Projekts aber überschaubar, wie Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) betont. „Es sind vor allem die alteingesessenen Anrainer, denen bewusst ist, wie wichtig die Umgestaltung ist“, sagt er. Um die Belastungen so gering wie möglich zu halten, habe man die Bauarbeiten abschnittsweise vorgenommen.

Er betont, wie gut das Einvernehmen zwischen Bezirk und Stadt bei diesem Projekt war. Wohl ein kleiner Seitenhieb auf Simas Amtsvorgängerin Birgit Hebein (Grüne), deren sprunghaftes Agieren häufig für Turbulenzen sorgte.

Es gibt aber wohl auch einen anderen Grund für so viel Harmonie zwischen Sima und Figl. Oft streiten Stadt und Bezirke bei solchen Projekten ums Geld. Hier ist das nicht nötig, zahlt doch der Garagenbetreiber die Oberflächengestaltung.

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