Chronik | Österreich
03.10.2015

Denkmalschutz versperrt Weg zu neuem Zuhause

Wie ein geschütztes Haus für Kira Grünberg umgebaut werden darf, entscheidet sich am Montag.

Frithjof Grünberg versteht die Welt nicht mehr. Direkt neben seinem Wohnhaus in Kematen besitzt er einen alten Bauernhof. Der steht leer. Und könnte seiner Tochter Kira jenen Platz bieten, den die seit einem Trainingsunfall ab dem Hals abwärts gelähmte 22-Jährige benötigt. Doch ob der 300 Jahre alte "Jedlerhof" an die Bedürfnisse der am 30. Juli fatal gestürzte Stabhochspringerin angepasst werden kann, steht in den Sternen.

Denn das Gebäude ist denkmalgeschützt. Am Montag steht ein Gespräch zwischen der Familie und Landeskonservator Walter Hauser an. Der erklärt im Vorfeld: "Ich kann das Drama sehen. Unsere Hände sind weit ausgestreckt. Aber nicht um den Preis des Denkmals." Hauser gibt sich kompromissbereit, doch er macht auch klar: "Das Denkmal war vorher da. Als solches hat es die Familie gekauft."

Das bestreitet Frithjof Grünberg auch nicht. Er habe das Gebäude nach dem Kauf 2010 erhalten wollen, sei mit den Denkmalschützern aber auf keinen grünen Zweig gekommen. Und jetzt zählt für den Unternehmer, dem die Auseinandersetzung sichtlich zusetzt, nur eines: "Ich brauche für eine Schwerstbehinderte Wohn- und Pflegeraum und will kein Geld für Denkmalschutz rausschmeißen."

Das Schicksal von Kira Grünberg, die voraussichtlich noch bis zum Frühjahr in Reha bleibt, hat für Betroffenheit gesorgt. Von Landeshauptmann Günther Platter bis zu Bundespräsident Heinz Fischer reicht das Feld der Unterstützer. Die Denkmalschützer stehen unter Druck. Das persönliche Schicksal verschärft das auch sonst nicht unübliche Spannungsfeld zwischen Besitzern, die ein heruntergekommenes Gebäude am liebsten abreißen würden und den Konservatoren, die ein schützenswertes Gebäude in Gefahr sehen.

Drohender Verfall

Kira Grünbergs Manager Thomas Herzog hat dafür sogar Verständnis. "Ein Einzelschicksal kann nicht über dem Denkmalschutz stehen. Aber man muss in diesem Fall auch die Alternative sehen." Nämlich den Verfall des Gebäudes.

"Überall kommt Wasser herein", erklärt Grünberg am Dachboden. Den möchte der 57-Jährige anheben lassen, da die Dachschrägen rund 100 Quadratmeter Raum fressen, den der besorgte Vater barrierefrei gestalten will. Doch das Gebälk ist geschützt. Ohne die Raumerhöhung blieben 90 Quadratmeter unter dem Dach und weitere 90 Quadratmeter für Therapieräumlichkeiten im angrenzenden Stall. Das eigentliche Wohngebäude ist derart verwinkelt, dass ein behindertengerechter Umbau unmöglich erscheint.