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Chronik Österreich
01/25/2019

Staatenbund-Präsidentin: Das Wunderland der Monika Unger

Die Staatenbund-Präsidentin kämpfte mit dem System - und erfand einfach ihr eigenes.

von Michaela Reibenwein

Monika Unger strahlt an diesem Abend. Das Hinterzimmer der Pizzeria in WienRudolfsheim, in das der Staatenbund damals im November 2016 geladen hat, ist voll. Einige Zuhörer müssen sich mit Stehplätzen begnügen. Viele sind zum ersten Mal gekommen. Unger, die Präsidentin des Staatenbundes, begrüßt sie persönlich, geht freundlich lächelnd auf sie zu. „Schön, dass ihr gekommen seid’s“, sagt die Steirerin im breiten Dialekt und drückt die Hand.

Die Besucher setzen große Hoffnungen in die kleine Frau. Die meisten haben schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht, berichten davon, wie abschätzig sie behandelt wurden. Von gefühlten Ungerechtigkeiten des Bürgermeisters oder der Machtlosigkeit, als der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand und auch noch den Laptop mitnahm.

Unger kennt dieses Gefühl. Sie stammt aus einfachen Verhältnissen, fühlte sich oft ungerecht behandelt.  Die 42-Jährige flüchtete in die Energetik, versuchte dann kurz ihr Glück in der Gemeindepolitik – doch bei der FPÖ blieb sie nicht lange. Ihre Tochter meldete sie von der Schule ab und unterrichtete sie zu Hause in Bad Blumau. Ihr Mann ist gesundheitlich angeschlagen und in Frühpension, das Geld nicht allzu üppig.

Alles durchschaut

Schuld? Das sind die anderen. Das System. Die Banken, der Vatikan, Washington, die jüdische Familie Rothschild oder die Freimaurer.  
Feinde sind schnell benannt. Jene, die die Menschheit angeblich versklaven. In ihren Erklärungen geht sie zurück bis ins Mittelalter,  weist auf angebliche Finanzkonstrukte hin. Würfelt noch ein paar juristische Fachausdrücke dazu – und präsentiert das mit einem spöttischen Lächeln, das sagen soll: „Aber nicht mehr mit uns. Wir haben alles durchschaut.“

Unger baute ihr eigenes System auf. Eines, das mit Versprechungen lockt. Der Staat, der hat  nichts mehr zu sagen, ist ohnehin nicht existent. „Geht’s zum jetzigen Bürgermeister und teilt’s ihm mit, dass er jetzt das zu tun hat, was ihr ihm sagt’s“, verkündet die Präsidentin und trifft damit einen Nerv. Die Zuhörer jaulen. Endlich hört man auf sie.Endlich haben sie das Sagen.

Sich vom jetzigen Leben loskaufen – das klingt verlockend. Mit einer „Lebendmeldung“ und ein paar anderen neuen Papieren des Staatenbundes. Dafür keine Schulden mehr, kein Druck durch Behörden.  Und das Beste: Echter Reichtum. 10 Milliarden Dollar stehen jedem „lebenden Menschen“ zu. „Jetzt wisst’s einmal, wie reich ihr seid’s!“ Applaus brandet auf. „Bravo Monika!“ Monika Unger lächelt zufrieden. Sie strahlt Überzeugung aus und eine gewisse Herzenswärme.

Daneben steht ihr Vize – Jakob S. Er ist der Mann fürs Grobe. Der groß gewachsene, ehemalige Polizist, kämpfte seit Jahren gegen das System, trat 2008 mit einer kleinen Liste bei der Nationalratswahl an und machte Stimmung für den EU-Austritt.

Scharfer Ton

Der Mann mit dem akkurat geschnittenen Oberlippenbart  vermittelt, dass man sich besser nicht mit ihm anlegen sollte. Als er erfährt, dass sich ein Journalist im Raum befindet, der einen Beitrag über das Treffen machen will, wird er scharf: „Sie haben keine Genehmigung!“ Den Medien traut hier keiner. „Der Beitrag darf nur mit unserem Einverständnis erscheinen“, macht S. klar.   

Das Gericht, das akzeptieren weder Unger noch ihr Vize. Sie wollten ihr eigenes abhalten – und Politiker und Richter verurteilen. Sie wollten das Bundesheer zum Putsch bewegen und die Regierung stürzen.  Auch ihre Pflichtverteidiger – in ihren Augen ein Teil des Systems – akzeptierten sie nicht.

„Völkermord!“ nennt Unger das Urteil  (14 Jahre Haft, nicht rechtskräftig) am Freitag. „Ich lege absoluten Widerspruch ein.“