Das Kraftwerk ist fertig, die Ufergestaltung noch nicht

© Elisabeth Holzer

Steiermark
10/09/2019

Das neue Murkraftwerk ist fertig

33 Monate nach umstrittenem Baustart geht die Staustufe Graz-Puntigam ans Netz.

von Elisabeth Holzer

Gemessen an den Protesten bei Baubeginn 2017 hätte das neue Kraftwerk das Potenzial gehabt, zu einem Mini-Hainburg zu werden. Doch nach ein paar Wochen mit Demonstrationen, Protestcamps und Baustellenbesetzungen verebbte der Widerstand an der Mur und so geht das neue Kraftwerk heute, Mittwoch, offiziell ans Netz.

33 Monate sind seit dem Baustart für die Staustufe in Puntigam, einem Bezirk im Süden der Stadt, vergangen. Die Energie Steiermark, kurz ESTAG, kalkuliert mit 82 Millionen Kilowattstunden Strom, die sie jährlich erzeugt; das reicht für 20.000 Haushalte. Laut Mitteilung der ESTAG ist die Staustufe „das größte steirische Investment im Bereich Klimaschutz“.

Die Projektgegner von einst bekämpften das 80 Millionen Euro teure Wasserkraftwerk allerdings gerade wegen der -Bilanz: Entlang beider Murufer musste wegen des Neubaus gerodet werden. 17.000 Bäume sollen es laut Projektgegnern gewesen sein, die gefällt wurden. Die ESTAG sprach in einer der ersten Meldungen von 800 Bäumen, später ging der Konzern nicht mehr auf exakte Zahlen ein.

Viele Öko-Auflagen

Nur so viel: Jeder Baum werde im Verhältnis 1 zu 1,5 neu gepflanzt, will heißen, dass auf zwei gefällte Bäume drei neue folgen. Südlich vom Graz wurden zudem 4.000 Bäume gesetzt, die im Überschwemmungsgebiet liegen, sie sollen dadurch zum Auwald werden.

Tatsächlich waren die Auflagen aus der Umweltverträglichkeitsprüfung streng: 99 Maßnahmen schrieb die Behörde der ESTAG vor. So mussten Höhlen für Fischotter errichtet werden, die Beleuchtung der Baustelle musste insektenfreundlich sein.

Die Mur selbst fließt durch das Aufstauen wesentlicher langsamer. Das war geplant und schließt nahtlos ein Projekt an, das die Stadt Graz durchführt. Am zentralen Speicherkanal nördlich des Kraftwerks, nahe der Innenstadt, wird derzeit gebaut: Er ist ein erklärtes Projekt der ÖVP-FPÖ-Rathauskoalition, soll die Wasserqualität verbessern und kostet ebenfalls 80 Millionen Euro. In einem Aufwaschen gestaltete die Stadt dann auch den Augarten um, einem beliebten Park.

Doch auch daran rieben sich Kritiker, wie 2018 der damalige Nationalratsabgeordnete Peter Pilz: Er wertete den Kanal als Gefälligkeit der Stadt, da ohne ihn das neue Kraftwerk nicht errichtet worden wäre. Von all der Aufregung wird heute, Mittwoch, bei der offiziellen Inbetriebnahme nichts mehr zu bemerken sein: Vom Landeshauptmann über den Grazer Bürgermeister bis zu den Vorstandschefs von Verbund und ESTAG reicht die Liste der Ehrengäste.