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Chronik Österreich
05/02/2021

Das Netzwerk der Auftragsmörder

Der Balkan ist für Österreichs Ermittler im Kampf gegen die Mafia ein Hotspot. Der Direktor des Bundeskriminalamts gibt tiefe Einblicke.

von Anja Kröll

Es war die erste Auslandsreise des neuen Direktors des Bundeskriminalamts (BK), Andreas Holzer. Und sie führte direkt an einen Hotspot: Gemeinsam mit Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) war Holzer Teil der Delegation einer dreitägigen Reise auf den Westbalkan. 

Der BK-Chef traf dabei vor allem Kollegen der serbischen Polizei zum Erfahrungsaustausch. „Im Fokus der Gespräche standen die Themen Organisierte Kriminalität und Clankriege, deren Auswirkungen auch in Österreich zu spüren sind“, erklärt Holzer. 

80 Auftragsmorde

Ein kurzer Rückblick: Die Clans waren in der Alpenrepublik vor allem durch die Taten der Pink-Panther-Bande ins Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit geraten. Die Kriminellen, die in erster Linie aus Serbien und Montenegro stammten, waren auf brutale Blitzüberfälle auf Juweliere spezialisiert. Seit 2015 ist es ruhig um die Banden geworden.

Reges kriminelles Treiben herrscht hingegen nach wie vor bei Clan-Fehden „Wir haben seit 2014 rund 80 Auftragsmorde in Österreich, Spanien, Deutschland, der Schweiz. Ausgehend von Clan-Kriegen am Balkan“, erklärt Holzer. Als Hochburg der Clans gilt die Hafenstadt Kotor in Montenegro. Die Auswirkungen seine allerdings über den ganzen Balkan spürbar. Und nicht nur dort: Im Dezember 2018 hatte ein brutaler Mafia-Mord mitten in der Wiener Innenstadt für weltweite Schlagzeilen gesorgt.

Morden ohne System

Die Taten der Kriminellen zeichnet aber noch etwas Anderes aus: „Die Morde erfolgen nicht nach einem System. Es gibt keine gezielten Anschläge nach einer bestimmen Hierarchie. Ermordet vom verfeindeten Clan wird, wer zufällig anwesend ist“, gibt der BK-Chef einen tiefen Einblick in die Strukturen hinter den Auftragsmorden.

Das Hauptbetätigungsfeld und somit Auslöser der Rivalität der Mafia am Balkan sei dabei vor allem der Drogenhandel, besonders jener mit Kokain. Die Spur führt hierbei nicht selten vom Balkan bis nach Lateinamerika. Mit oftmals sprachlichen Problemen für die Polizisten in Südamerika. „Die Clans unterhalten sich natürlich in ihrer Muttersprache, was die Überwachung erschwert“, erklärt Holzer. Ebenfalls erschwerend komme hinzu, dass es zu Verbrüderungen zwischen Clans am Balkan und der kalabrischen Mafia, der Ndrangheta kommen würde. 

Marihuana-Häuser in Österreich

Und noch ein Trend fällt Kennern der Clanszene auf: Von Österreich aus werden Stecklinge für Marihuana nach Nordmazedonien gebracht, dort werden die Pflanzen großgezogen, nach rund zwölf Wochen abgeerntet und dann weiter nach Serbien verbracht. Und auch die Hintermänner für große Marihuana-Plantagen, die gerade in Wien und Niederösterreich in eigens dafür angemieteten Häusern angelegt wurden, sitzen in Bosnien und Serbien. „Wir haben ganze Keller ausgehoben, die zu Indoor-Plantagen ausgebaut worden sind. Zur Tarnung haben die Täter vor den betreffenden Häusern Kinderspielzeug platziert, um den Schein der Normalität zu wahren“, erzählt der BK-Direktor. 

Doch wie lässt sich diesen kriminellen Phänomenen entgegenwirken? „Es geht um die operative Zusammenarbeit mit den Kollegen am Balkan und Projekte“, erklärt Holzer. 
Sachbearbeiter, Staatsanwälte, Entscheidungsträger an einen Tisch zu bringen. „Nur wenn wir in Österreich den Fokus auf die Täter vor Ort und die Kollegen auf die Hintermänner am Balkan legen, ist der Kampf gegen die Organisierte Kriminalität erfolgreich“, erklärt der BK-Chef. 

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