© Adelwöhrer Hof

Chronik Österreich
06/20/2021

Das erste Pflegehotel Österreichs: Urlaub bei Romeo und Luna

Für Personen mit Pflegebedarf gibt es kaum Urlaubsmöglichkeiten. Die steirische Familie Steiner will das ändern und hat sich einiges dafür einfallen lassen.

von Dominik Schreiber

Wer den Adelwöhrer Hof betritt, bekommt es als erstes mit Romeo zu tun. Er kreischt markerschütternd und schlägt gerne ein Rad. Romeo ist – wegen des benachbarten Fuchses – zweimal verwitwet. Der Pfau hat sich deshalb anders orientiert und versucht nun der Truthahn-Dame zu imponieren. Und er ist der Wachhund des idyllischen Bauernhofes, dessen ältestes Gebäude im achtzehnten Jahrhundert errichtet wurde.

Doch das ist nicht das einzig Ungewöhnliche an diesem Ort. „Es gibt eine Million Menschen in Österreich, die Angehörige pflegen. Und es gibt für sie kein Urlaubsangebot“, erklärt Anna Steiner. Das wollte die Familie Steiner ändern und schuf zehn Zimmer, bei denen die Pflege gleich mitgebucht werden kann. Ihre Schwiegermutter, die diplomierte Pflegerin Petra Steiner führte an diesem Ort rund zwanzig Jahre lang ein Pflegeheim.

Flexible Betten im Adelwöhrer Hof

Weil dieses unrentabel wurde, kam man auf die Idee, hier entsprechende Unterkünfte anzubieten. Die Zimmer haben breite Türen für Rollstühle, die Betten können flexibel im Raum verstellt werden – je nachdem, ob der Gast leichter von der linken oder rechten Seite ins Bett steigt. Es gibt vor allem Doppelzimmer mit zwei getrennten Räumen, in denen je ein Einzelbett steht.

Die Familie hat sich viel einfallen lassen, um den Aufenthalt im steirischen Pölstal auf rund 920 Metern Seehöhe so angenehm wie möglich zu machen. Dabei hat sich jeder spezialisiert, Anna ist Bäckerin und sorgt für das frische Brot zum Frühstück. Florian ist Lebensmitteltechniker und kocht. Vater Hans ist gelernter Forstwirt und kümmert sich auch um die Pferde-Therapie.

Ein Spaziergeh-Hund

Philipp und Alexandra schauen darauf, dass der Bauernhof in Schwung gehalten wird. Denn dort warten viele Tiere auf Streicheleinheiten – vom Pony bis zum neuseeländischen Schwein. Ein besonderes Highlight ist die Samojeden-Hündin Luna, die an Spaziergeh-Sucht“ leidet.

Man muss nur „spazieren gehen“ zu ihr sagen und kann kilometerlange Touren unternehmen, egal ob mit Leine oder ohne. Dabei gibt es in der Umgebung viel zu sehen, eigentlich muss man Luna nur folgen, sie kennt alle Wege. Diese führen durch herrliche Blumenwiesen teilweise entlang eines kleinen Flusses oder zu einem kleinen Badeteich. In den Wiesen kann man Bussarde auf der Jagd beobachten, Schmetterlinge oder Rehe, die vorbei hüpfen.

Das servierte Essen ist frisch und selbst gemacht und alles ist echt Bio. Die Zutaten kommen fast durchwegs von umliegenden Höfen, die Forellen aus Fischteichen der Umgebung. Die Kräuter werden auf den umliegenden Wiesen gepflückt, die Marmelade stammt von eigenen Beeren aus dem Garten.

Das alles deutet darauf hin, dass dieses Quartier in spätestens zwei, drei Jahren auf lange Zeit ausgebucht sein wird. Doch wegen Corona hat das Ende Mai neu eröffnete Pflegehotel vorerst noch einige Zimmer frei.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare