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Chronik Österreich
12/13/2019

Elf Milliarden Euro für den Bahn-Ausbau

Bundesländer haben Verkehrsdienstevertrag unterzeichnet, Angebotssteigerung um 25 Prozent.

von Martin Gebhart

Diesmal ließen  es sich die Landeshauptleute nicht nehmen, den Ausbau des Bahnverkehrs in der Ostregion selbst zu verkünden. Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Michael Ludwig  und Hans Peter Doskozil   (beide SPÖ) traten dazu gemeinsam an die Öffentlichkeit, um zu unterstreichen, wie eng die drei Bundesländer Niederösterreich, Wien und Burgenland  im Öffi-Bereich zusammenarbeiten. Trotz noch nicht ganz ausgeräumter  Differenzen bei der Forderung nach einer weiteren S-Bahn-Stammstrecke inklusive der Untertunnelung von Wien.

Präsentiert wurde ein 11 Milliarden Euro schwerer Verkehrsdienstevertrag,  der für die ÖBB und die Raaber Bahn, für die Badner Bahn der Wiener Lokalbahnen sowie die nö.  Bahngesellschaft NÖVOG  gilt. Wobei natürlich auch der Bund kräftig mitzahlt. Damit soll bis zum Jahr 2035 der Personen-Schienenverkehr  um rund 25 Prozent gesteigert werden.
Johanna Mikl-Leitner ist da die länderübergreifende Zusammenarbeit  sehr wichtig: „Wir denken und handeln in Lebensräumen. Der öffentliche Verkehr macht genauso wenig an Landesgrenzen halt wie der Mobilitätsbedarf der Menschen. Daher ziehen wir an einem Strang, wenn es darum geht, das Rückgrat eines klima- und umweltfreundlichen Verkehrs zu stärken, nämlich des Schienenverkehrs.“ 

Doskozil und Ludwig betonten wiederum die sehr wichtige Rolle der ÖBB bei diesen Verkehrsdiensten. Sie plädieren dafür, dass die Direktvergabe von Ausbau-Aufträgen an die ÖBB durch die künftige Bundesregierung möglich gemacht wird.  Damit würde die Versorgung strukturschwacher Regionen ohne Gewinnzwang garantiert. Hans Peter Doskozil: „Ein Privater kann eine Verbindung bis beispielsweise Jennersdorf nur dann gewinnbringend betreiben, wenn Tickets immens teuer sind oder das Unternehmen mit Steuergeld gestützt wird. Ich bin für beides nicht zu haben.“  Wobei Michael Ludwig ergänzte: „Wir wissen gar nicht, welchen Schatz wir mit den ÖBB haben.“

Nadelöhr Wien

Die größten Auswirkungen wird es auf der Südachse geben, wobei die Fertigstellung des Koralmtunnels und des Semmering-Basistunnels die entscheidenden Faktoren sind. „Dadurch kommt es zur wohl größten Angebotsänderung, vergleichbar mit der Fertigstellung der Neubaustrecke zwischen Wien und St. Pölten im Jahr 2012“, heißt es dazu in einem Papier des Verkehrsverbunds Ost-Region (VOR). Betroffen ist nicht nur die Südbahnstrecke selbst, da gleichzeitig auch die weiteren Bahnlinien im Süden von Wien attraktiviert werden. Etwa die Pottendorfer Linie, aber auch die Mattersburger Bahn.

Bei all den Verbesserungen in den kommenden Jahr en blieb Johanna  Mikl-Leitner bei ihrer Ansage, dass die Bundeshauptstadt Wien nicht zum Nadelöhr des Bahnverkehrs werden dürfe. Deswegen ist sie weiterhin überzeugt, dass es in weiterer  Zukunft einer neuen S-Bahn-Stammstrecke durch Wien bedarf. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig  ist da noch nicht ganz so überzeugt, wehrt sich allerdings auch nicht gegen solche Pläne.
Koordiniert und beauftragt hat das Bahnpaket  der VOR, der für die drei Bundesländer den Öffi-Verkehr koordiniert und entwickelt.  Dessen Geschäftsführer Wolfgang Schroll und Thomas Bohrn sehen darin „ein Plus für Umwelt und Klima, genauso wie für Lebensqualität und den Wirtschaftsstandort“.  Wobei zahlreiche Verbesserungen bereits ab morgen, Sonntag, mit dem Fahrplanwechsel in Kraft treten werden. Etwa die Nacht- S-Bahn in Wien. Genauso werden die Abendverkehrszeiten auf den Hauptstrecken und den Regionalbahnlinien ausgeweitet.  Gleichzeitig wurden zusätzliche Züge bestellt, um weitere Kapazitäten in der Hauptverkehrszeit zu schaffen.