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Chronik Österreich
03/16/2020

Coronavirus lässt Fake News sprießen

Dass das Verbreiten solcher falschen Nachrichten nicht nur gefährlich ist, sondern auch strafbar sein kann, weiß kaum jemand.

von Michaela Reibenwein

Das Coronavirus ist ein fruchtbarer Nährboden für Verschwörungstheorien und Fake News. Seit Kurzem allerdings beschäftigt die Verbreitung derartiger Falschnachrichten auch die Exekutive. Die Polizei in Salzburg etwa hat am Freitag zwei Tennengauer im Alter von 33 und 35 Jahren angezeigt.

Sie hatten das Bild einer Person im Schutzanzug verbreitet – mit dem Hinweis: In der Heimatgemeinde sei eine Person am Coronavirus erkrankt. Doch diese Behauptung war falsch.

„Verbreiten Sie keine Gerüchte. Das erschwert die Arbeit der Behörden und der beteiligten Einsatzorganisationen und hat strafrechtliche Folgen!“, warnt die Exekutive. Die Anzeige erfolgte übrigens wegen Landzwangs.

Die aktuellen Entwicklungen rund um das Coronavirus finden Sie hier:

Strafbare Handlung

Doch was ist das überhaupt? „Unter Landzwang versteht man eine Drohung mit einem Angriff auf Leben, Gesundheit, körperliche Unversehrtheit, Freiheit oder Vermögen, wodurch die Bevölkerung oder ein größerer Personenkreis in Furcht und Unruhe versetzt wird“, sagt der Wiener Rechtsanwalt Philipp Wolm. Das können auch bedrohende Ankündigungen auf Internetseiten oder via soziale Medien sein.

„Letztlich kommt es darauf an, dass die Drohung ernst gemeint und grundsätzlich geeignet wäre, begründete Besorgnis herbeizuführen“, erklärt Wolm. Mindestens 800 Personen müssen sich dadurch bedroht fühlen.

Ob eine solche Besorgnis dann tatsächlich ausgelöst wird, ist gar nicht maßgebend. Wesentlich ist, dass sich nicht nur jene Person strafbar macht, die die Drohung ausspricht, sondern auch jeder, die sie verbreitet. Strafrahmen: drei Jahre Haft.

Gefährliche Drohung

Aber auch wenn die Nachricht deutlich weniger als 800 Menschen in Unruhe versetzt, kann es ein strafrechtliches Nachspiel haben. „Derartige Bedrohungen stehen auch unter Strafe, wenn nur einzelne Personen oder kleinere Personengruppen bedroht werden“, erklärt Wolm. „In diesen Fällen spricht man dann von gefährlicher Drohung.“

Dennoch kommt man an derartigen Nachrichten derzeit kaum vorbei. Egal ob auf Facebook, Twitter oder als Kettenbrief, der via Whatsapp verbreitet wird. Der KURIER hat einige Fake News gesammelt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Anhaltungen und Fahrzeugkontrollen durch die Polizei dürften künftig ignoriert werden, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Das gelte bis 3. April – und ist falsch.

Ihr Name taucht bei jeder Katastrophe auf: Die blinde Hellseherin Baba Wanga. Sie soll schon den Terroranschlag auf das World Trade Center oder die Tsunami-Katastrophe vorhergesagt haben. Und nun eben auch das Coronavirus.

Allerdings lag die Seherin vom Balkan auch schon ziemlich oft falsch. Etwa beim Dritten Weltkrieg. Den prognostizierte sie für das Jahr 2010.

"Auslöser": Von Handy-Strahlung bis zu Bill Gates

In Verschwörungstheorien wird rasch ein Schuldiger für das Coronavirus gefunden – wahlweise Handy-Strahlung, Milliardär Bill Gates, die chinesische Regierung oder das amerikanische Militär.

Die Verschwörungstheoretiker verbreiten aber auch angebliche (und nutzlose) Heilmethoden. So wird zum Beispiel erklärt, dass das Virus vier Tage lang im Hals steckt. Wenn man allerdings genug warmes Wasser gurgelt und Salz und Essig nutzt, wird es eliminiert.

Andere behaupten, ein heißes Bad helfe. Wahlweise auch ultraviolettes Licht oder Knoblauch. Und „Experten“ haben auch gleich eine Methode parat, wie man sich selbst auf Corona testet: Einfach zehn Sekunden lang die Luft anhalten.

Vor einer ähnlichen Falschmeldung warnt auch die Medizinische Universität Wien. Denn es verbreitete sich die Nachricht von angeblichen Forschungsergebnissen der Uni Wien, dass die Einnahme des Schmerzmittels Ibuprofen das Coronavirus verstärken würde. „Das stimmt nicht“, beteuern die Verantwortlichen.

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