In den vergangenen Monaten war vor allem der Mangel an Impfstoff Thema

© Bildagentur Muehlanger

Chronik Österreich
05/11/2021

Corona-Impfung: Beim Tempo setzt der Wettlauf der Länder ein

Die Strategien schwanken zwischen Priorisierung und völliger Freigabe für alle Altersgruppen.

von Elisabeth Holzer, Josef Gebhard, Petra Stacher, Paul Haider, Teresa Sturm, Anja Kröll, Christian Willim

Die Niederösterreicherin ist 23 Jahre jung, hat keine Erkrankungen und ist weder im Gesundheits- noch Lehrbereich tätig. Sie ist auch keine Kontaktperson eines Risikopatienten und dennoch: Am 3. Juni erhält sie ihre erste Corona-Schutzimpfung.

Ganz legal, ganz offiziell, denn Niederösterreich hat als erstes Bundesland die Impftermine für alle über 16 Jahre freigegeben, das Interesse war enorm: Bis Montag, 15 Uhr, waren 66.500 Termine gebucht. 71 Prozent der impfbaren Niederösterreicher haben die erste Teilimpfung oder zumindest einen fixen Termin. Das Bundesland drückt damit gewaltig aufs Tempo.

Vorarlberg zieht auf eigene Art nach: Wer sich bis Anfang Mai registriert hat, werde bis Mitte Juni geimpft, versprach ÖVP-Landeshauptmann Markus Wallner, das habe auch mit Fairness zu tun.

Oberösterreich drängt ebenfalls in diese Richtung: Bis Ende Mai sollen die Termine noch altersmäßig verteilt werden, danach soll es keine Alterspriorisierung mehr geben. Wer bis dahin schon registriert war, werde „prioritär die Möglichkeit haben, einen Impftermin zu buchen“, hieß es am Montag.

Bewohner der übrigen Bundesländer müssen dagegen weiter hoffen, dass ein Versprechen der Bundesregierung hält -  jenes auf zumindest die Erstimpfung bis Ende Juni für jeden, der sie will.

Doch Wien dürfte wohl „erst im Juni“ die Termine für alle freigeben können. „Wir fahren weiterhin auf Sicht und vergeben Termine nur dann, wenn wir uns ganz sicher sind, dass genügend Impfstoff vorhanden ist“, sagte ein Sprecher von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ). Und nicht einmal mit dem System könne man sicher versprechen, ob bis Ende Juni alle in Frage kommenden Wiener eine Impfung bekommen haben.

Die Steiermark, Tirol, Kärnten und das Burgenland bleiben ebenfalls im vom Bund vorgegeben System der Alters- und Risikoreihung. „Ist das fair, wenn eine gesunde 23-Jährige vor einem 40-Jährigen mit Vorerkrankung dran kommt?“, fragt Michael Koren, steirischer Impfkoordinator. „Das ist eine Grundsatzfrage.“ Bei gleichbleibendem Stand an Impfwilligen könnte die Steiermark die Termine für alle eventuell Mitte Juni freigeben, dann sollten die über 50-Jährigen geimpft sein. Tirol rechnet damit, „circa Ende Juni“ allen Interessierten ein Angebot machen zu könne. In Salzburg hofft man, ebenfalls bald „in die Masse“ gehen zu können, denn „es macht jetzt auch absolut Sinn, Jüngere und die Bevölkerung altersmäßig breiter zu impfen“, betonte Impfkoordinator Robert Sollak bereits vergangene Woche.

Eine Schieflage

Der unterschiedliche Zugang könnte die bestehende Schieflage im Impftempo der Bundesländer noch verstärken: Laut Informationsplattform des Bundes lag die Impfrate (erster Stich)am Montag zwischen 27,1 Prozent (Wien) und 34,7 Prozent (Burgenland), bei der Vollimmunisierung lag sie zwischen 8,4 Prozent (Steiermark) und 15,4 Prozent (Tirol).

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.