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Chronik Österreich
04/09/2020

Corona: Eingeschränkte Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch

Die Behandlung Betroffener sei laut Ärzten gefährdet. In Tirol gibt es nur einen Arzt, der Abbrüche durchführt.

von Theresa Bittermann

Die Suche nach einer Klinik, in der Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden, war auch in Zeiten vor dem Coronavirus eher schwierig. Nach Angaben praktizierender Ärzte und der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) gibt es in einigen Bundesländern nur je eine einzige Ordination, die den Frauen die Möglichkeit zur Abtreibung bietet. "Aus dem Burgenland haben wir zum Beispiel gar keinen Arzt gelistet", sagt Angela Tunkel von der ÖGF. 

Nur ein Arzt in Tirol 

In Tirol gibt es, wie auch in anderen Bundesländern, nur eine Praxis, in der ein Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden kann. Die Ordination von Hans Joachim Wolf. "Unser Betrieb läuft zur Zeit normal weiter und ich bin gesund", sagt Wolf. Würde er sich mit dem Coronavirus infizieren, müsste die Praxis aber für zwei Wochen schließen. Dann gäbe es in Tirol keine Möglichkeit zum Schwangerschaftsabbruch.

"Das aktuelle Problem ist ein altes. Es gibt in Österreich einen stark beschränkten Zugang in diesem Bereich und außerdem ist ein Abbruch mit sehr hohen Kosten verbunden", kritisiert Tunkel von der ÖGF.

Abbrüche im Wilheminenspital wurden ausgesetzt

Im Wilheminenspital in Wien ist der Schwangerschaftabbruch günstiger als in privaten Kliniken. Dort wurden aber aufgrund der gestiegenen Belastung durch das Coronavirus kurzzeitig - etwa für eine Woche - keine Abbrüche durchgeführt. "Vergangene Woche wurden wieder geringe Kapazitäten für Schwangerschaftsabbrüche geschaffen" sagte eine Sprecherin des Wiener Krankenanstaltenverbund zum KURIER. Frauen würden jedoch generell bevorzugt zu privaten Anbietern gehen, hieß es. Geringe Kapazitäten für Abbrüche seien daher nicht ungewöhnlich. 

Vorsorgeuntersuchungen verschoben

Aber auch reguläre Untersuchungen für Frauen und Schwangere laufen derzeit nicht überall wie gewohnt, das bereitet Christian Fiala, Wiener Arzt und Leiter des GynMed-Ambulatoriums, Sorge. Denn Frauen hätten in dieser Krise Schwierigkeiten Ärztinnen und Ärzte zu finden.

"Es heißt momentan Notfälle haben Vorrang. Dazu gehört aber eine Vorsorgeuntersuchung, sonst besteht zum Beispiel die Gefahr, dass man ein Kind mit Fehlbildungen hat", warnt der Arzt. Auch der Tiroler Arzt Wolf bestätigt: "Routine- und Vorsorgeuntersuchungen werden derzeit verschoben". 

Probleme drohen

Auch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit mache einen Abbruch für Betroffene schwieriger als üblich. "Einige Patientinnen haben bereits Kinder. Die sind jetzt zu Hause. Was soll man denen als Mutter erzählen, wenn man zum Beispiel aus dem Burgenland nach Wien fahren muss, um einen Abbruch zu machen", schildert der Arzt. 

Für Betroffene handle es sich dabei um echte Notfälle, "wir brauchen nicht nur Hilfe für die Wirtschaft, wir brauchen Unterstützung für diese Frauen", fordert Fiala die Regierung. Momentan seien einige noch in einer Schockstarre, "aber in ein paar Wochen werden Probleme auf uns zukommen", warnt Tunkel

Großer finanzieller Druck

Dass die Kosten für einen Abbruch in Österreich so hoch sind und von den betroffenen Frauen selbst getragen werden müssen, sei ein Skandal, sind sich Fiala und Tunkel einig. "So eine Situation entsteht ja unvorhergesehen und dann muss man das Geld sofort auf den Tisch legen, das bringt viele in eine echte Notsituation", warnt Fiala. Der finanzielle Druck, der sich durch die momentane Krise erhöht habe, verschärfe diese von Haus aus skandalöse Situation für Frauen. 

Tunkel sieht ebenfalls dringenden Handlungsbedarf: "Unser Klientel sind Frauen mit geringem oder keinem Einkommen, auch ohne Corona-Krise ist das für die Betroffenen schon eine riesige Herausforderung", sagt sie. 

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