© Markus Strohmayer

Chronik Österreich
10/11/2020

Brigittenau: Brutaler Juwelierraub neun Jahre später aufgeklärt

Besitzer des Geschäfts lieferte sich damals Kampf mit Täter – dieser ließ dabei DNA-Spuren zurück, die ihm nun zum Verhängnis wurden

von Markus Strohmayer

Als im Dezember 2011 kurz vor Ladenschluss zwei offensichtlich als Frauen verkleidete Männer das Schmuckgeschäft von F. Çal betraten, dachte er nicht an einen Überfall. Das änderte sich schlagartig, als einer der beiden ihn Sekunden später mit Reizgas attackierte. Der zweite Täter packte gleichzeitig Schmuck in eine Tasche. Doch Çal wehrte sich und riss einem der Männer die Perücke vom Kopf.

Die Verkleideten gerieten in Rage, mit einem Hammer bewaffnet gingen sie auf ihn los, um zur Auslage zu gelangen. Der junge Schmuckverkäufer packte einen Sessel und hielt die Kriminellen auf Distanz. „Ich handelte im Schock, konnte nur an meine Familie denken“, erinnert sich der heute 34-Jährige. Seine Frau war zum Zeitpunkt des Überfalls in einem Hinterzimmer. Als sie Schreie hörte, sperrte sie sich ein.

Das Räuberduo ließ in der Zwischenzeit nicht von ihrem Ehemann ab. Mit dem Hammer versetzten sie im mehrere Hiebe und schlugen in dem Geschäft alles kurz und klein. F. hatte Glück, als er eine Schere zu greifen bekam und die Täter damit in die Flucht schlagen konnte.

Obwohl die Polizei rasch vor Ort war, gelang es den Männern, samt Beute zu entkommen. F. hoffte, dass die Täter anhand des Überwachungsvideos ausgeforscht werden könnten. „Als die keinen Erfolg brachte und immer mehr Zeit verging, gab ich die Hoffnung auf Gerechtigkeit irgendwann auf“, erzählt er.

DNA an der Perücke

Spät, aber doch sollte die Gerechtigkeit kommen: Diesen Jänner spuckte die DNA-Datenbank einen Treffer aus, denn an der im Kampf verlorenen Perücke hafteten biologische Spuren. Jahre später konnte so ein Verdächtiger ausgeforscht werden, der schließlich auch seinen damaligen Komplizen nannte.

Als Çal diesen August den Anruf vom Bundeskriminalamt bekam, gingen seine Frau und er zuerst von einem Scherz aus. Jetzt sei die Freude dafür umso größer.

„Die Monate nach dem Raubüberfall waren nicht einfach. Wir haben Kunden mit Sonnenbrillen oder Hauben aus Vorsicht beim Eintreten immer gebeten, diese abzunehmen“, beschreibt Frau Çal die Zeit danach.

Das Paar fiebert nun dem Prozess entgegen – schließlich wurde nicht nur viel Schmuck geraubt, sondern auch beträchtlicher Sachschaden verursacht. Der 30-jährige Verdächtige, dem die DNA-Spuren nachgewiesen werden konnten, wurde in Deutschland festgenommen und ist mittlerweile in Wien in Haft. Sein mutmaßlicher Komplize im Alter von 31 Jahren wurde bereits 2014 wegen versuchten Raubes zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er verbüßt seine Reststrafe derzeit in Rumänien.

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