Kriminalität
01/14/2019

Bluttat in NÖ: Tatverdächtiger entging im Herbst Asyl-Aberkennung

Der mutmaßliche Mörder ist in Haft und geständig, doch die Hintergründe sorgen für Diskussionen.

von Dominik Schreiber, Patrick Wammerl

Der Hauptverdächtige im Mordfall Manuela - sie wurde am Wochenende tot unter einem Laubhaufen in Wiener Neustadt gefunden - ist gefasst. Die Hintergründe dürften aber in den kommenden Tagen für heftige politische Wellen sorgen.

Kein Verbrechen, nur Vergehen

Wie der KURIER aus gut informierten Polizeikreisen erfuhr, war dem Mordverdächtigen im Jahr 2014 im Rahmen des Familiennachzugs Asyl in Österreich gewährt worden, er wohnte danach in Wien. Allerdings soll er die 16-jährige Manuela verletzt und bedrängt haben - und deswegen im Oktober des Vorjahrs Ermittlungen eingeleitet worden sein. Es soll ein Asyl-Aberkennungsverfahren eingeleitet worden sein. Doch die beiden Delikte (sexuelle Belästigung und Körperverletzung) sind Vergehen und keine Verbrechen. Eine Abschiebung ist nur im Falle eines Verbrechens möglich, so die aktuelle Rechtslage in Österreich. Das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) konnte den 19-Jährigen deswegen nicht abschieben, heißt es. Hinzu kommt, dass eine Abschiebung ins Bürgerkriegsland Syrien aufgrund der dortigen Sicherheitslage aktuell ohnehin nicht möglich ist. 

Die Strafanzeige wurde im August eingebracht und am 21. Dezember wurde von der Staatsanwaltschaft Anklage erhoben, Verhandlungstermin gab es aber noch keinen. Das BFA hat offenbar aufgrund der Anzeige und nicht wegen des Strafverfahrens eine Asylaberkennung eingeleitet.

Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) hat sich nach dem Verbrechen an einer 16-Jährigen vom Wochenende "fassungslos" gezeigt. Zum Asylaberkennungsverfahren des mutmaßlichen Täters sagt er: "Wenn ein Asylwerber in Österreich straffällig wird, muss er abgeschoben werden", betonte der Bürgermeister. Er erneuere diese Forderung einmal mehr. "Dass bei einer Asylaberkennung im Vorjahr diese Tat womöglich verhindert hätte werden können, macht mich traurig und wütend zugleich."

Die Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität (EGS) hatte den 19-jährigen Syrer kurz vor Mitternacht verhaftet, als er an der Wohnadresse von Familienangehörigen in Wien-Favoriten auftauchte. Zuvor hatte es eine intensive Fahndung auch mit einem Hubschrauber zwischen Niederösterreich und Wien gegeben.

Verdächtiger ist geständig

"Wir sind froh, dass er gefasst ist", erklärte der Leiter des nö. Landeskriminalamtes, Omar Haijawi-Pirchner gegenüber dem KURIER. Der 19 Jahre alte Verdächtige hat am Montagvormittag bei einer Einvernahme jedenfalls zugegeben, das Mädchen umgebracht zu haben. "Zu den Details hat er sich aber bedeckt gehalten", sagte Markus Bauer von der Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt auf APA-Anfrage. Der Beschuldigte wurde in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert. Bauer zufolge wurde der Verdächtige am Montagvormittag zwei Mal einvernommen. Untersuchungshaft wurde beantragt.

Yazan A. steht im Verdacht seine 16-jährige Ex-Freundin Manuela K. in der Nacht auf Sonntag in einem Park in Wiener Neustadt erwürgt zu haben. Die Obduktion ergab Tod durch Ersticken.