Chronik | Österreich
25.07.2017

Betrugsverdacht: Dorfmeisters Ex nun hinter Gittern

Andreas P. soll von mutmaßlichem Betrugsopfer nochmals Geld verlangt haben. Darauf hin klickten vergangene Woche die Handschellen.

15 bekannte Unternehmer, Firmenvorstände sowie Ex-Profisportler soll Andreas P. um bis zu vier Millionen Euro erleichtert haben. Dennoch sah das Landesgericht St. Pölten zunächst keinen Grund, den Langzeit-Lebensgefährten von Doppel-Olympiasiegerin Michaela Dorfmeister in Untersuchungshaft zu nehmen.

Das hat sich vergangene Woche schlagartig geändert: Weil er unter anderem von einem bereits Geschädigten nochmals eine stattliche Summe Geld ausleihen wollte, wurde der 47-Jährige vergangenen Donnerstag in der Wohnung seiner Mutter im Bezirk Scheibbs (NÖ) festgenommen. "Es wurde am 21. Juli wegen Tatbegehungsgefahr die Untersuchungshaft verhängt", bestätigt der Sprecher der Staatsanwaltschaft St. Pölten, Leopold Bien.

Wie der KURIER berichtete, wird gegen Andreas P. wegen gewerbsmäßig schweren Betrugs ermittelt. Der Ex von Michi Dorfmeister soll die guten gesellschaftlichen Kontakte des Skistars für einen mutmaßlichen Millionenbetrug genutzt haben. Der frühere Vertreter für Schweißgeräte hatte finanzkräftige Geldgeber dazu überredet, in ein Geschäftsmodell zu investieren. Mit dem Export von ausrangierten Industriemaschinen ins Ausland versprach er hohe Renditen. "Am Anfang zahlte er Gewinne aus und erweckte den Eindruck eines seriösen Geschäfts", erklärt ein geschädigter Ex-Profisportler. Als die Investoren jedoch nochmals Geld nachschossen, sahen sie keinen Cent mehr.

Roulette

Von den Millionen fehlt bisher jede Spur. Laut P.s Anwalt, Christian Reiter, gilt der 47-Jährige als spielsüchtig. Er dürfte nicht nur die Millionen seiner Geldgeber am Roulettetisch verzockt haben. Der 47-Jährige hatte auch Unsummen in Lottoscheine investiert und tatsächlich zwei Lotto-Sechser geknackt. Aber auch diese fast 5,5 Millionen Euro sind verschwunden.

Deshalb wurden die Ermittler des nö. Landeskriminalamtes hellhörig, als sich Zeugen meldeten, die Andreas P. vor zwei Wochen im Mond-Casino auf der slowenischen Seite des Grenzübergangs Spielfeld sowie in einem Glücksspiel-Tempel in Tschechien gesehen haben wollen. Eigentlich sollte sich der Verdächtige einer Suchttherapie unterziehen.

Zur gleichen Zeit meldete sich eines der bereits geschädigten Opfer bei der Polizei. Demnach hatte Andreas P. bei ihm neuerlich versucht, an eine größere Summe Geld zu kommen. Nachdem die Staatsanwaltschaft St. Pölten zuvor beim Landesgericht mit dem Antrag auf Verhängung der Untersuchungshaft abgeblitzt war, schwenkte der Untersuchungsrichter nun um. "Es sind neue Umstände dazu gekommen, die die Gefahr einer weiteren konkreten Tathandlung aufzeigen", erklärt Staatsanwalt Bien.

Die Kriminalisten nahmen Andreas P. vergangenen Donnerstag in der Wohnung seiner Mutter fest. Er sitzt seit Freitag in einer Zelle der Justizanstalt St. Pölten.