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Betrug
02/21/2013

Ärzte verursachten Millionenschaden

Falsche Abrechnungen und Drogen unter der Hand kosten die Krankenkasse Millionen.

von Josef Gebhard, Gerhard Krause

Manchmal ist es einfach Schlamperei bei den Abrechnungen, oft aber bewusste Betrugsabsicht: Etwa Untersuchungen oder Behandlungen, die von den Ärzten gar nicht durchgeführt, aber trotzdem in Rechnung gestellt wurden.

Für das vergangene Jahr liegen der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) 382 Fälle von Malversationen und falschen Abrechnungen durch Ärzte und andere Vertragspartner vor. Das ergibt eine Gesamtschadenssumme von mehr als 508.000 Euro.

Große Fälle

Nicht eingerechnet sind dabei allerdings drei noch laufende Verfahren gegen Großschadensverursacher. Sie allein sind für eine Schadenssumme von rund 1,2 Millionen Euro verantwortlich. Darunter auch der spektakuläre Fall eines Primars, der die Karlsplatz-Szene im großen Stil unberechtigterweise mit Drogen-Ersatzmitteln versorgt haben soll (der KURIER berichtete).

Oder ein Arzt, der zahlreiche nie geleistete Untersuchungen verrechnete, weil er noch deutlich unter dem Schnitt seiner Fachgruppe lag. Allein dadurch fielen 360.000 Euro an Schaden an.

Insgesamt wurden 2012 vier Vertragspartner von der WGKK gekündigt. Dies hat es bereits seit mehreren Jahren nicht mehr gegeben. Zwei der Verfahren wurden bereits in erster Instanz gewonnen. Eines ist durch den Tod des Arztes hinfällig geworden, ein weiteres kommt im März vor die Bundesschiedskommission.

In einem dieser Fälle geht es um Gefälligkeitskrankschreibungen, die die WGKK durch den Einsatz von Testpatienten aufdecken konnte. Eine Vorgangsweise, die die Ärztekammer massiv kritisiert. „Doch das war das einzige Mittel, um unkorrekte Krankmeldungen zu verifizieren. Darauf hat auch die Landesschiedskommission hingewiesen“, sagt Franz Schenkermayr, Leiter der WGKK- Abteilung „Missbrauch – Entdeckung – Prävention“. Bei konkreten Verdachtsfällen werde man auch künftig Testpatienten einsetzen.

Aber nicht nur Ärzte prellen die Kasse: 2012 verursachten 358 betrügerische Patienten einen Gesamtschaden von 189.959 Euro. Darunter Personen, die im Krankenstand beim Pfuschen erwischt wurden, oder Suchtkranke, die von Arzt zu Arzt pilgern, um an Medikamente zu gelangen.

eCard-Betrug

Bleibt noch das Thema eCard-Betrug: Laut Insidern gibt es allein in Wien pro Jahr mindestens 3000 bis 4000 Fälle, bei denen mit fremden Karten eine kostenlose Behandlung erschlichen wird. Auch von organisiertem eCard-Tourismus aus den Balkanländern oder Osteuropa ist die Rede.

„Das stimmt absolut nicht“, betont Schenkermayr. Auch die Zahlen seien viel zu hoch gegriffen. Seine Statistik weist für 2012 gerade einmal elf Fälle aus, bei denen die eCard mit Wissen des Besitzers von einer anderen Person missbräuchlich verwendet wurde. Typisches Beispiel: Der unversicherte Cousin hat Zahnweh und borgt sich die Karte aus. Gesamtschaden: 3437 Euro. Missbrauch mit einer gestohlenen eCard ist der WGKK sogar in nur einem Fall bekannt.

„Schwarze Schafe werden von uns nicht geschützt“

KURIER: 2012 verursachten Malversationen von Vertragsärzten der Wiener Gebietskrankenkasse einen Gesamtschaden von mindestens 1,7 Millionen Euro. Unternimmt die Ärztekammer zu wenig gegen Betrügereien in den eigenen Reihen?

Thomas Szekeres:Natürlich verurteile ich solche Fälle. Und Schwarze Schafe werden von uns nicht geschützt. Es ist aber gleichzeitig sehr schwer, präventiv einzugreifen. Das ist ähnlich schwierig wie für einen Supermarkt, der vorbeugend Ladendiebstahl verhindern will. Selbstverständlich ist jeder fehlgeleitete Euro einer zu viel. Vor dem Hintergrund des gesamten Jahresvolumens von 400 Millionen Euro ist die Zahl aber nicht so dramatisch.

Im Vorjahr hat sich die Kammer vehement gegen den Einsatz von Testpatienten, die Betrug aufdecken sollen, gewehrt. Ist es inzwischen in dieser Frage zu einer Annäherung mit der Krankenkasse gekommen?

Derzeit werden sie ja nicht eingesetzt. Wir haben an die Krankenkasse geschrieben, dass wir in dieser Frage eine vertragliche Lösung wollen. Bisher gab es aber noch keine Antwort darauf.

Ist der Einsatz von Testpatienten Ihrer Ansicht nach gerechtfertigt?

Es ist sicher nicht der richtige Weg, Agents Provocateur auszuschicken, wie das die WGKK im Vorjahr getan hat. Die Kollegen waren erzürnt. Die Maßnahme hat das Vertrauensverhältnis zwischen Ärzten und Patienten erschüttert.

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