Chronik | Österreich
24.02.2018

Benger: "Die Hypo-Causa hat uns geeint"

ÖVP-Kandidat Christian Benger macht im Interview deutlich, dass die Zukunftskoalition bald Vergangenheit sein wird.

Im März 2014, ein Jahr nach der bislang letzten Kärntner Landtagswahl, hat Politik-Quereinsteiger Christian Benger den damaligen Kärntner ÖVP-Chef Wolfgang Waldner beerbt. Der 55-Jährige, der in der rot-schwarz-grünen Koalition immer wieder aneckte und um den öfters Ablösespekulationen laut wurden, schlägt am 4. März seine erste Landtagswahl.

KURIER: Wird es für Sie persönlich eine Schicksalswahl?

Christian Benger: Wir haben eine Aufbruchstimmung in der ÖVP und Wahlkämpfen macht mir Freude. So gesehen wird es ein schönes Schicksal. Jede Wahl ist eine Prüfung, aber wir werden deutlich zulegen.

Liegt die Latte bei 27 Prozent, die Sebastian Kurz bei der Nationalratswahl in Kärnten erreichte, oder bei den 18 Prozent einer OGM-Umfrage?

Wir starten mit 14,4 Prozent von 2013 und wollen so viel Gewicht, dass wir am Verhandlungstisch für die nächste Regierung sitzen können.

Die Kärntner haben dieser Tage einen Brief von den Kärntner Ministern Elisabeth Köstinger und Josef Moser erhalten. Darin wird die gute Arbeit von Kurz gelobt, um Unterstützung der Kärntner ÖVP ersucht. Sie werden mit keinem Wort erwähnt. Spielen Sie nicht die Hauptrolle?

Wir treten als Team an, stark regionalisiert und personalisiert quer durch Kärnten. Und ich habe einen exzellenten Draht nach Wien, die Kollegen stärken uns.

Aber die SPÖ will mit Peter Kaiser punkten, die Grünen mit Rolf Holub...

Ich bin weder Zentralist noch Kabarettist. Ich stehe für die Breite der Kärntner ÖVP und weiß mich dort exzellent aufgehoben.

Laut Umfrage würden Sie bei einer Landeshauptmann-Direktwahl nur sieben Prozent erhalten. Sogar Gerhard Köfer vom Team Kärnten schafft zehn Prozent, Kaiser 56 Prozent, Gernot Darmann von der FPÖ 19.

Gibt mir nicht zu denken. Umfragen sind Umfragen, Wahlen sind Wahlen.

Anders gefragt: Haben Sie keine Ambitionen, Landeshauptmann zu werden?

Ich habe Ambitionen, Landeshauptmann-Stellvertreter zu werden. Das ist realistisch und zeigt, dass ich geerdet bin. Man muss die Kirche im Dorf lassen.

Stellvertreter unter Kaiser oder unter Darmann?

Ich wäre gerne in einem Arbeitsübereinkommen mit jemandem, der für Reformen steht. Eine Reformkommission ist meine Bedingung. Jetzt müssen wir Perspektiven für unsere Jugend erarbeiten. Die müssen hier bleiben und nicht die Täler und Gemeinden verlassen.

Würden Sie einen Zweitplatzierten Darmann stützen?

Proporz ist Geschichte, wir haben neue Spielregeln. Einer, hoffentlich zwei oder vielleicht drei müssen sich finden. Wer Erneuerung will, ist für mich ein Partner.

Kaiser liegt in den Umfragen klar über 40 Prozent. Befürchten Sie eine absolute Mehrheit?

Ja, und ich weiß nicht, ob das der richtige Weg wäre. Zentralismus würde zunehmen und die wirtschaftliche Entwicklung würde ich mit ganz großer Sorge sehen. Betriebe müssen sich ansiedeln können, entwickeln. Nicht nur im Zentralraum.

Die ursprünglich auf zwei Perioden angelegte Zukunftskoalition ist Geschichte, oder?

Die Dreierkoalition ist angelegt gewesen, um das größte Thema zu lösen: Ja, die Hypo-Causa hat uns geeint. Dann noch die Verfassungsreform. Plötzlich kamen immer mehr die Unterschiede heraus. Ich kenne nur ergebnisorientiertes Vorangehen. Jetzt sehe ich Abwanderung, Geburtenrückgang, Sozial- und Gesundheitskosten, die durch die Decke knallen. Und den größten Schuldenrucksack aller Länder.

Ihr Vorschlag: 140 Millionen jährlich bei der Gesundheit einsparen. Das hätte die Schließung von fünf Landesspitälern zur Folge, sagen die SPÖler.

Weil sie nicht wollen. Ich möchte kein Krankenhaus schließen. Wenn gleiche Leistungen in österreichischen Spitälern unterschiedliche Kosten verursachen, dann heißt das: bei uns versickert Geld in aufgeblähten Strukturen. Wenn Leistungen in allen Kärntner Häusern angeboten werden, ist das nicht zeitgemäß. Wo lass ich meine Hüfte machen? Wo sie jährlich fünf oder wo sie jährlich 500 operieren? Wir brauchen auch nicht überall alle Geräte, die Vollausstattung. Menschen werden in Ambulanzen getrieben und Landärzte brechen weg. Wir sollten uns dem Gesundheitstourismus verschreiben, in Kombination mit unserer Landschaft. Was am Chiemsee funktioniert, kann auch am Wörthersee funktionieren. Schönheits-OPs, besondere Gesundheitsbehandlungen, bestimmte Therapien. Das ist hoch gefragt. Super Jobs, tolle Einkommen. Aber so gehen die Kärntner weg.

Ein Trend, der nicht zu stoppen ist, sagen die Experten.

Weil wir keine Ausbildungsplätze schaffen. Wir brauchen eine technische Ausbildungsinitiative bei Informatik, Mathematik, Naturwissenschaft, IT. Das bringt Qualifikation, das bringt Arbeitsplätze.

Die Uni Klagenfurt will jetzt aber ein Sportstudium einführen – gaben zumindest Rektor Oliver Vitouch und Kaiser bekannt.

Das ist ein Pärchen. Klassisch am Markt und am Thema vorbei. Infrage zu stellen.

Der Rektor?

Mit dieser Orientierung handelt er nicht für die Jugend, für Betriebe, für eine wirtschaftliche Entwicklung. Wir brauchen Kooperationen mit Unis, Digitales Know-how, müssen die Schwerpunkte verändern und auf Anforderungen des Arbeitsmarkts reagieren. Brauchen wir Gymnastiklehrer?

Brauchen wir die Kärntner Tracht als Weltkulturerbe oder die Marterl-Förderung? Das sind auch Ihre Wahlkampfthemen.

Die Marterl-Förderung gehört als kleiner Teilaspekt zur Bandbreite meines Programms. Das ist ein Thema, das unsere Identität zeigt und prägt, und wo wir auf unsere kulturelle Entwicklung selbst zu schauen haben. Wir müssen unsere weltlich-christliche Kultur pflegen, weil sonst kommen andere. Andere Kulturen. Ganz wertfrei, nicht ausgrenzend.

2015 gab es Pläne zum Ausbau des Mölltaler Gletschers, Heinz Schultz wollte 60 Millionen Euro investieren. Das Projekt scheiterte letztlich an den Grünen, weil die Abfahrt durch Naturschutzgebiet geführt hätte. Jetzt holen Sie die Sache aus der Schublade. Ist das Projekt für Sie eine Koalitionsbedingung?

In Sachen Naturschutz werden Ausgleichsflächen angeboten, die ein Vielfaches jener viereinhalb Hektar ausmachen, die für die Abfahrt benötigt werden. Und wir wissen, dass auf dieser Fläche kein besonderer Schmetterling, keine besondere Pflanze, kein besonderer Stein, ist, den es nicht auf Tausenden anderen Hektar auch gibt. Es geht um 200 direkte und indirekte Arbeitsplätze in einer Region, die die höchste Abwanderungsrate in Kärnten hat. Wir dürfen den Menschen nicht ausklammern. Wenn ich zu reden habe, wird das Projekt doch noch umgesetzt.