Autos sind die größte Gefahr für Radfahrer

© Bild: KURIER/Gerhard Deutsch

Pro Jahr gibt es durchschnittlich 6689 Fahrradunfälle. Die meisten passieren an Kreuzungen. Bei Beteiligung mit anderen sind Kfz-Lenker zu drei Viertel die Verursacher.

Das Verhältnis zwischen Radler und Autofahrer ist bekanntlich nicht immer ungetrübt. Denn die einen sehen im Fahrstil der anderen häufig die größte Gefahrenquelle.

Was wirklich die größte Gefahr für Radler im Straßenverkehr ist, wollte die Radlobby wissen und wandte sich nun mit einem Fragenkatalog an das Verkehrsministerium. Wichtige Frage dabei: Wer ist bei den Rad-gegen-Auto-Unfällen österreichweit tatsächlich schuld?

Das Ergebnis: Die meisten Radunfälle, 31,3 Prozent, passieren an Kreuzungen. In 75 Prozent der Unfälle, bei denen sich Radfahrer verletzen – und die keine Alleinunfälle sind (bei dem also nur ein Fahrzeug beteiligt ist) – tragen Autofahrer die Verantwortung. Das ergab die Auswertung der Polizeistatistik durch das Kuratorium für Verkehrssicherheit.51 Prozent der Lenker waren bei Rot gefahren oder haben den Vorrang der Radler missachtet. Fußgänger werden übrigens nur in sechs Prozent der Rad-Unfälle verwickelt. Dooring – eine Kollision, nachdem ein Autofahrer die Tür öffnet – ist mit 3,1 Prozent ebenfalls nur ein sehr seltener Unfallgrund.

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Alleinunfälle

Sehr häufig verletzen sich Radfahrer im Straßenverkehr übrigens alleine – also ohne Gegner. Das sind 30 Prozent der gesamten Radunfälle, wobei reine Sportunfälle wie zum Beispiel jene beim Mountainbiking nicht mitgezählt werden.

Im Allgemeinen ist es dort am gefährlichsten, wo sich verschiedene Verkehrsteilnehmer die Straße teilen müssen. Das bekannteste Beispiel eines solchen Verkehrskonzepts ist die Wiener Ringstraße mit knapp fünf Kilometern Länge. Sie ist die meistbefahrene Radstrecke in Wien und zählt auch österreichweit zu einer beliebtesten. Trotz des gut ausgebauten Radwegs wird es dort immer wieder heikel: Viele Male kreuzt der grüne Fahrradstreifen nämlich den Gehweg oder die Straße. Durch die vielen Touristen, die mit dem Verkehrskonzept nicht vertraut sind, kommt es oft zu Zusammenstößen.

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"Man bräuchte dort ein anderes Verkehrskonzept", sagt Alec Hager, Geschäftsführer der Radlobby Wien. Die Rad-Fanatiker wünschen sich eine Verkehrsberuhigung; Autos sollten nur noch für Liefertätigkeiten erlaubt und die Straße für Radfahrer freigegeben werden(siehe Interview unten).

Radland Vorarlberg

Für solche Maßnahmen hat die Stadt Wien 2017 sechs Millionen Euro veranschlagt. Viel Geld, wenn man es mit dem Fahrrad-Budget des Landes Vorarlberg vergleicht, das bei 3,5 Millionen Euro liegt. Trotz der weitaus geringeren Mittel liegt der Radverkehrsanteil im Ländle bei 17 Prozent – Wien schafft es hingegen nur auf sieben Prozent.

"In Vorarlberg wird schon seit vielen Jahren das Radfahren in die Verkehrskonzepte eingeplant. Wenn also irgendwo eine neue Straße gebaut wird, ist schon bei der Planung ein Fahrradweg berücksichtigt. So kann auch von Anfang an auf Sicherheit geachtet werden. Außerdem wird dadurch ein Teil der Fahrrad-Infrastruktur durch die Gemeinden finanziert", heißt es aus dem Büro des grünen Vorarlberger Landesrats, Johannes Rauch. Als die ÖBB kürzlich neue Fahrpläne erstellten, wunderte man sich über die von der Landesregierung gewünschten Fahrrad-Abteile: "Wir wollen ein Abteil pro Garnitur nur für Räder. Es ist notwendig, weil es hier immer normaler wird, mit dem Rad ins Büro zu pendeln. Die Radboxen am Bahnhof Dornbirn sind immer voll belegt – sogar im Winter", sagt Rauchs Sprecher, Hannes Metzler.

Lobby: Ringstraße soll zur Radstraße werden

Alec Hager ist Geschäftsführer und Sprachrohr der Radlobby. Die Entwicklung beim Radfahren sei zwar positiv, dennoch gebe es Baustellen.

KURIER: Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf in Wien?
Alec Hager: Die Ringstraße ist Flaniermeile und gleichzeitig einer der meistbefahrenen Radwege Österreichs. Es braucht ein neues Verkehrskonzept, um die Situation zu entschärfen.

Was wäre aus Sicht der Radlobby die beste Lösung?
Prinzipiell braucht es eine Verkehrsberuhigung. Es sollte zwar Lieferverkehr für Autos sichergestellt sein, ansonsten wäre es aber sinnvoll, die Radfahrer auf die Straße zu verlagern.

Was können die Radler in puncto Sicherheit selbst tun?
In Österreich hat jedes Kind in der Volksschule Verkehrsunterricht. Dabei lernt man die Grundregeln und kann die freiwillige Radprüfung ablegen, die es erlaubt, schon mit zehn Jahren anstatt der üblichen zwölf Jahre alleine Radfahren zu dürfen. Das wird in ganz Österreich gut angenommen, außer in Wien, wo zu wenige Klassen zur Radprüfung antreten. Wir haben eine Umfrage mit 700 Personen aus ganz Österreich durchführen lassen. Zehn Prozent der Eltern gaben an, dass sie zu viel Angst haben, ihre Kinder alleine im Großstadtverkehr Rad fahren zu lassen. Prinzipiell stimmten die Befragten aber zu 80 Prozent zu, dass es Kindern bis ins Alter von zwölf Jahren erlaubt sein sollte, unbegleitet am Gehsteig zu radeln, wie es in Deutschland erlaubt ist.

Wie stehen Sie zur Kennzeichen- oder Helmpflicht?
Alle Maßnahmen, die das Radfahren erschweren, sollten verhindert werden. Es gibt internationale Vergleiche, die zeigen, dass die Einführung einer Helmpflicht die Zahl an Radfahrern drastisch dezimiert. Das führt zu mehr Autoverkehr, weniger Bewegung und ist langfristig für die Gesundheit und die Allgemeinheit ein Nachteil.

( kurier.at ) Erstellt am 17.04.2017