Dutzende Milliarden Euro an Hilfen sind vorgesehen

Symbolbild.

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Österreich
03/27/2021

Aufgeflogen: Steuerrückzahlung als Betrugsmasche

5,6 Millionen Euro Schaden durch Wiener, der für Unbedarfte Steuererklärungen einbrachte

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Der Plan war zugleich genial wie kriminell: Ein selbst ernannter „Steuerexperte“ reichte für knapp 1.000 Personen falsche Arbeitnehmerveranlagungen ein und kassierte so Steuererstattungen in Millionenhöhe. Die Betroffenen wussten gar nichts von ihrem Glück, sie sahen von dem Geldsegen keinen Cent.

Durch akribischer Ermittlungen konnte die Steuerfahndung diesen Betrugsfall erfolgreich abschließen. Der Täter agierte laut Finanzministerium ausgesprochen professionell und mit hoher kriminellen Energie. Insgesamt betrog er den Staat (beziehungsweise die Steuerpflichtigen) um knapp 5,6 Millionen Euro.

So flog er auf

Der Täter flog durch verschärfte IT-gestützte Risikoanalysen bei der Arbeitnehmerveranlagung auf. So fielen einige Zahnarztrechnungen auf, die dieselben ungewöhnlichen Formulierungen und Rechtschreibfehler sowie an derselben Stelle Artefakte eines defekten Scanners aufwiesen. Eine Überprüfung bei den Zahnärzten ergab, dass die betroffenen Abgabepflichtigen von diesen niemals behandelt wurden. Aufgrund dieser Tatsachen wurde die Steuerfahndung mit weiteren Ermittlungen beauftragt.

Nach Logfile- und IP-Adressenauswertungen aus dem Finanzamt-Portal FinanzOnline, bei denen auch zahlreiche Zugriffe von spanischen IP-Adressen festgestellt wurden, konnte durch Abgleich mit Passagierlisten einer österreichischen Fluglinie ein mittlerweile 54-jähriger Wiener ausgeforscht werden, dessen Aufenthalte auf Mallorca sich mit diesen Zugriffen deckten.

Gut versteckt

Im Zuge der darauffolgenden Hausdurchsuchungen zeigte sich der hohe Professionalisierungsgrad des Täters. Versteckt im Sockel eines Büroschranks sowie hinter einer abgehängten Zwischendecke wurden die FinanzOnline-Zugangsdaten von mehr als 800 Abgabepflichtigen sowie diverse Stempel von Zahnärzten, Zahnkliniken und Augenkliniken, die für die Fälschung der Rechnungen verwendet worden waren, sichergestellt.

Offenbar hat der Wiener über ein Vermittlernetzwerk, das er über Jahre aufgebaut hat, leichtgläubige Opfer gefunden, die selbst noch nie eine Arbeitnehmerveranlagung gemacht haben und in der Hoffnung auf schnelles Geld ihre FinanzOnline-Zugangsdaten hergaben. Er vereinbarte mit den Steuerpflichtigen hohe Provisionen und reichte in weiterer Folge die falschen Arbeitnehmerveranlagungen ein. In den folgenden Jahren reichte er – ohne Wissen der Betroffenen – weitere falsche Arbeitnehmerveranlagungen ein und kassierte die Rückerstattungen.

Er wurde nun vom Landesgericht für Strafsachen Wien wegen Abgabenhinterziehung, Abgabenbetrugs, Untreue, schweren Betrugs und Geldwäsche rechtskräftig zu 60 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Drei Beitragstäter erhielten jeweils ein Jahr bedingt.

„Die nun ausgesprochene Haft- und Geldstrafe zeigt deutlich, dass sich Abgabenbetrug nicht rentiert und wir hier rigoros durchgreifen“, meint Finanzminister Gernot Blümel.

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