Chronik | Österreich
21.04.2018

Auch Bars stellen auf rauchfrei um

Einige Lokale haben den 1. Mai auserkoren, also den Tag, an dem das Nichtrauchergesetz in Kraft hätte treten sollen.

Eine Zigarette in der einen, einen Cocktail in der anderen Hand. Rauchen und trinken – irgendwie gehört das fast zusammen. Und trotzdem wird die einzige Rauchnote, die es ab 1. Mai in einigen Bars und Beisln (siehe auch Berichte unten) geben wird, eine aufgrund der Lagerung des Alkohols im Fass sein: Denn die Bars stellen auf rauchfrei um.

Gilles Reuter, Betreiber der Bar „Die Parfümerie“ in der Wiener Neustiftgasse, findet deutliche Worte: „Früher hat man auch geglaubt, dass Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden müssen. Aber irgendwann hat man umgedacht.“

„Statement“

Mit 1. Mai – also just an dem Tag, an dem das von der rot-schwarzen Bundesregierung ausgearbeitete und vom Nationalrat beschlossene Nichtrauchergesetz hätte in Kraft treten sollen – werden Reuter und seine Geschäftspartner die Zigaretten aus ihrer Bar verbannen. Nach zwei Jahren als Raucherlokal sei es nun Zeit für ein „Statement“, sagt der Betreiber.

Dass das schon beschlossene Nichtrauchergesetz von der türkis-blauen Regierung wieder aufgehoben wurde, hält Reuter für „eine Schweinerei“. Endlich hätten für alle Gastronomen dieselben Regeln gegolten. Das mit dem Nichtrauchen will die Parfümerie jetzt trotzdem durchziehen: „Die Drinks schmecken besser, für das Personal und für die Gäste ist es gesünder“, sagt Reuter. Auf Facebook haben die Barbetreiber ihre Entscheidung schon kundgetan und – bis auf eine – durchwegs wohlgesinnte Reaktionen erhalten.

Manche Gäste werden zwar wohl nicht mehr kommen, nimmt Reuter an, allerdings geht er davon aus, dass die Parfümerie durch das Rauchverbot auch neue Kunden gewinnen wird.

Wie der KURIER erfuhr, wird auch die Miranda Bar in der Wiener Esterhazygasse ab 1. Mai rauchfrei sein. „Wir hatten uns schon gefreut, dass mit 1. Mai alles umgestellt wird. Also machen wir das jetzt und hoffen, dass es funktioniert“, sagt Geschäftsführer Fridolin Finkh. Allzu politisch will er die Entscheidung aber nicht sehen: „Es geht ums Gesundheitliche, ja, aber es geht auch um das Wohlbefinden unserer Mitarbeiter an einem Abend. Wir empfinden den Rauch selbst als störend“, sagt Finkh, der selbst Raucher ist.

Angst vor der Entscheidung, die Bar rauchfrei zu machen, hatten er und seine vier Geschäftspartner nicht: „Aber wenn alle Lokale ab 1. Mai rauchfrei wären, hätte man uns das Risiko abgenommen“, sagt Finkh. So sei die „Hemmschwelle“ größer gewesen, es trotz gekippten Gesetzes zu probieren. „Bei einer Cocktail-Bar, wo die Community eine rauchende ist, ist das doppelt schwierig“, sagt Finkh. Im Gegensatz zu Clubs, die seit Jahren rauchfrei sind, sei das Nichtrauchen in Bars noch nicht akzeptiert.

Trotz großer Motivation behalten sich beide Barchefs vor, das Rauchverbot wieder aufzuheben, sollte es sich nicht bewähren: „Wenn’s nur irgendwie möglich ist, wollen wir’s beibehalten. Wenn es nicht geht, ist es eine demokratische Entscheidung unserer Gäste. Es ist ein Geschäft und es muss laufen“, sagt Miranda-Chef Finkh.

Lärmproblem

Auch die Parfümerie will so lange rauchfrei bleiben, „wie die Leute draußen mitspielen“, sagt Gilles Reuter. Denn noch immer sei auch der Lärm der Gäste, die zum Rauchen hinausgehen, mitentscheidend, ob eine Nichtraucher-Bar funktioniert oder eben nicht.

Die Geschäftsführer der Miranda-Bar hatten schon vor der Eröffnung im Jahr 2015 damit geliebäugelt, die Bar rauchfrei zu führen. Bei der Verhandlung zur Betriebsanlagengenehmigung, hätten die Nachbarn aber gesagt: „Ihr macht’s eh eine Raucher-Bar, oder?“ Denn den Lärm in der Nacht, den würden sie nicht brauchen können.

Bier-Pub in Linz

„Wir haben schon vor drei Jahren fixiert, dass mit dem 1. Mai Schluss  mit dem Rauchen ist.“ Kieran Bates, der Chef des traditionsreichen  Bier-Pubs „Chelsea“ im Herzen von Linz   hat in seiner Berufslaufbahn  eine neue Ära vor sich:   „Ich habe 25 Jahre im Zigarettenrauch gearbeitet, jetzt will ich das 25 Jahre ohne Rauch tun.“

Bates und seine vier Mitarbeiter  sehen der bevorstehenden Umstellung optimistisch entgegen. Etliche ältere Stammgäste  seien mit dem Plan die Raucher aus dem Lokal zu verbannen    unzufrieden, erzählt Kellner Dan. Doch der überwiegende Teil der Gäste, vor  allem auch die Jüngeren,  würden das Vorhaben der Chelsea-Crew unterstützen, glaubt Bates.

Vor allem auch von Touristen aus Irland, Schottland und England habe er schon viel Kritik wegen der schlechten Luft in seinem Pub einstecken müssen, erzählt  der Wirt. „Dort sind die Pubs alle Nichtraucherlokale“, weiß er.  Neben problemlosen Probetagen ohne Rauch seit Februar  sieht sich der Chelsea-Chef auch vom Trend in Linz unterstützt: „Wir sind das siebte Pub, dass  die Raucher vor Tür bietet.“ 

Beisl in Zwettl

„Ich habe mich vor längerer Zeit damit abgefunden, dass die Lokale bald rauchfrei sein müssen. Auch wenn das Gesetz jetzt gekippt wurde, hat sich meine Einstellung nicht geändert“, sagt Reinhard Todt aus Zwettl (NÖ), der selber nie zur Zigarette griff, aber seit Jahren ein Raucherbeisl in der Innenstadt betreibt.

Das 30-jährige Bestandsjubiläum seines Lokals  am 12. Mai nimmt der Zwettler Gastronom zum Anlass, um den Glimmstängel endgültig aus seinen Räumen zu verbannen. „Als  ich die ersten Gäste darüber informiert habe, gab es viele positive Reaktionen“,erklärt  der Wirt, „abzuwarten ist, ob all jene Raucher, die gesagt haben, dass sie auch weiterhin kommen werden, wirklich meine Gäste bleiben.“ Natürlich wäre ihm lieber gewesen, wenn das Rauchverbot generell in Kraft getreten wäre.  „Dann hätte es Chancengleichheit für alle gegeben. Aber  früher oder später wird der Nichtraucherschutz sowieso überall kommen. Davon bin ich  überzeugt“, sagt Todt.

Gerade in der Umstellungsphase kommt  ihm die Schanigartensaison gelegen,  wenn die Gäste draußen sitzen können.