Chronik | Österreich
23.11.2013

Bock: "Es ist so schlimm, dass Asylwerber flüchten“

2012 verschwanden insgesamt 1634 Asylwerber trotz Aufenthaltsverpflichtung.

Die viel diskutierte Mitwirkungspflicht von Asylwerbern ist seit 2011 Gesetz. Trotzdem verschwanden 2012 insgesamt 1634 Asylwerber trotz dieser Aufenthaltsverpflichtung. Das das sind um 546 mehr als noch 2011.

Während das Innenministerium damit argumentiert, dass viele dieser Flüchtlinge Österreich nur als Zwischenstopp genutzt hätten, um sich in andere Länder abzusetzen, glaubt Flüchtlingshelferin Ute Bock, dass die Zustände in den Asylquartieren zum Teil schuld am Verschwinden mancher seien: „Die Leute haben Angst und wissen genau, wie die Zustände in den Heimen sind. Es ist so schlimm, dass die Asylwerber flüchten“, sagt Ute Bock.

Hinzu kommt, dass die Flüchtlinge nicht gezwungen werden können, in Österreich rund um die Uhr zur Verfügung zu stehen.

Laut Ute Bock stünden die Asylwerber unter einem gewaltigen psychischen Druck. „Sie haben Angst, abgeschoben zu werden, und tauchen deshalb lieber unter, als einen negativen Bescheid zu bekommen“, sagt Bock. Viele würden aus den Asylquartieren zu Ute Bock flüchten.

70 Zimmer hat sie, alle seien belegt. „Ich versuche, die Menschen in den Quartieren unterzubringen, aber sie kommen zurück und wollen lieber hier schlafen“, erzählt Bock. „Das muss man sich einmal vorstellen: Wer schläft lieber hier zwischen all den Fremden, anstatt in einem angeblich schönen Asylheim?“

Ute Bock kritisiert die Politik: „Ich glaube, die Politik macht es den Menschen so grauslich wie möglich, um sie schnell wieder aus dem Land zu bekommen.“

Zustände bekannt

Laut ist die Kritik an den Asylquartieren zuletzt durch die von Dossier durchgeführten Recherchen geworden. Bilder von Schimmel an den Wänden, Rost in den Duschkabinen, kaputten Matratzen und desolater Elektrik wurden veröffentlicht. Bekannt dürften die Zustände aber zumindest in Niederösterreich schon vorher gewesen sein. Dem KURIER liegen Mängelberichte über Asylquartiere vor, die auch das Land NÖ erhalten hat. Und zwar vor den Dossier-Recherchen. Manche Berichte sind mit dem Jahr 2011 datiert. „Wir haben Missstände gemeldet. Und zwar wiederholt“, sagt Caritas Wien-Geschäftsführer Klaus Schwertner auf Anfrage des KURIER.

Aus dem Büro der zuständigen Landesrätin in NÖ, Elisabeth Kaufmann-Bruckberger (FRANK) heißt es dazu: „So gravierende Mängel wurden nicht gemeldet.“ In der Vorwoche habe aber die zuständige Fachabteilung sieben der kritisierten Asylquartiere besucht. Dort seien zwar Mängel festgestellt worden, aber keine gesundheitsgefährdenden. „Wenn die Situation so kritisch gewesen wäre, hätten wir zugesperrt.“