Biber, Wolf & Co: WWF rügt Abschuss-Praxis in Österreich
Mehrere Bundesländer erlauben Abschüsse von Bibern (Symbolbild)
Zusammenfassung
- WWF kritisiert unzureichendes Wildtiermanagement in Österreich, besonders bei Biber, Fischotter und Wolf, und fordert weniger vorschnelle Abschüsse.
- Seit 2020 wurden über 1.200 geschützte Tiere getötet, während Monitoring, Prävention und Managementpläne vielerorts fehlen.
- Nur das Management des Seeadlers wird positiv bewertet, während fünf Bundesländer besonders kritisch abschneiden.
Beim Management von Biber, Fischotter, Luchs und Wolf herrscht in den Bundesländern noch Nachholbedarf. Das zeigt das WWF-Bundesländerbarometer.
Dort erreiche kein Land eine gute Gesamtbewertung, wie es am Montag seitens WWF hieß. Von insgesamt 35 Bewertungen entfallen 31 auf die Kategorien "teilweise umgesetzt" oder "mangelhaft". Nur das Management des Seeadlers wurde in den vier Bundesländern mit Vorkommen als gut bewertet.
"Geschützte Wildtiere landen in Österreich viel zu schnell auf der Abschussliste, während bei Monitoring, Prävention und Konfliktmanagement große Lücken bestehen", sagte WWF-Expertin Sarah Layendecker. Besonders kritisch bewertete der WWF die zunehmenden Tötungsfreigaben für Biber, Fischotter und Wolf.
Mehr als 1.200 geschützte Tiere getötet
Allein von diesen drei geschützten Arten wurden seit 2020 mehr als 1.200 Tiere auf Basis von Verordnungen getötet, die aus Sicht des WWF gegen EU-Naturschutzrecht verstoßen. Zugleich fehlten vielerorts zentrale Grundlagen eines wirksamen Wildtiermanagements, darunter ausreichendes Monitoring, aktuelle Managementpläne sowie Ressourcen für Prävention und Konfliktlösung.
Obwohl Wildtiere "keine Landesgrenzen kennen", werde das Management vielfach isoliert geplant und umgesetzt. "Gerade die Unterschiede zwischen den Bundesländern zeigen, warum es dringend eine bundesweit abgestimmte Strategie braucht, die das EU-Naturschutzrecht respektiert", so Layendecker.
Welche Bundesländer auffielen
Für fünf Bundesländer fielen die Bewertungen besonders kritisch aus, weil dort Tötungsverordnungen, fehlende Prävention und lückenhafte Managementpläne zusammenkommen.
- In Kärnten dürften Biber und Fischotter in hohen Kontingenten getötet werden, obwohl Präventionsmaßnahmen vielfach fehlen; beim Fischotter seien zudem potenziell grausame Conibearfallen erlaubt.
- In Niederösterreich bestehen laut WWF Tötungsverordnungen bei Biber, Fischotter und Wolf, zugleich gebe es offene Fragen beim Wolfsmonitoring und keine Kompensation beim Biber.
- Auch Oberösterreich setze trotz vorhandener Präventionsförderungen auf Entnahme- und Abschussverordnungen bei Biber, Fischotter und Wolf.
- In Salzburg ermöglichen Verordnungen Tötungen bei allen drei Arten. Besonders kritisch wurden anlasslose Wolfsabschüsse sowie unbegrenzte Fischotter-Entnahmen in bestimmten Teilstrecken bewertet.
- In der Steiermark sieht der WWF Fortschritte beim Monitoring, aber Rückschritte durch die Einstellung von Herdenschutzmaßnahmen und geplante bzw. fortgesetzte Entnahme-Verordnungen bei Biber und Fischotter. Im Burgenland, in Wien, Vorarlberg und Tirol gab es dagegen bessere Bewertungen.
Positiv bewertete der WWF das Management des Seeadlers in Niederösterreich, Oberösterreich, der Steiermark und im Burgenland. "Wirksamer Artenschutz ist möglich, wenn Monitoring, Schutzmaßnahmen und die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wissenschaft und Naturschutz gut funktionieren."
Was geprüft wurde
Für das vierte Bundesländer-Barometer seien offizielle Daten ausgewertet und ergänzende Angaben bei Behörden erhoben worden. Acht Bundesländer führten Interviews oder beantworteten Fragebögen. Tirol verzichtete auf eine Stellungnahme. Untersucht wurden der Schutz und das Management der Flaggschiff-Arten Biber, Fischotter, Luchs, Seeadler und Wolf. Zu den sechs Kriterien zählen Monitoring, Prävention und Entschädigung, Managementpläne, Kommunikation sowie die Umsetzung rechtlicher Vorgaben.
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