Wer seine Ordinationen Samstag und Sonntag einige Stunden öffnet, bekommt 700 Euro.

© Kurier/Jeff Mangione

Chronik Österreich
12/11/2019

An den Weihnachtsfeiertagen fehlen die Ärzte

Umstellung auf Freiwilligkeit führt in Steiermark zu Mangel bei Bereitschaftsdiensten. Andere Länder sind besser versorgt.

Über Weihnachten krank zu werden ist keine feine Sache. Erstens überhaupt und zweitens: Einen Arzt zu finden, der auf Hausbesuch kommt, wird schwierig. In der Steiermark sind vorerst nur ein Drittel der Visiten- oder Bereitschaftsdienste zwischen 23. und 29. Dezember besetzt. Eine Situation, die den Gesundheitsfonds Steiermark Alarm schlagen ließ: Er klopfte bei der Krankenanstaltengesellschaft an, ob nicht vielleicht in deren Ambulanzen Personal aufgestockt werden könnte.

„Die Situation ist nicht erfreulich“, bestätigt Michael Koren, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark, einen Bericht der Kleinen Zeitung. „Aber ich bitte darum, keine Panik zu verbreiten. Die Grundversorgung klappt.“ Doch die Krux liege im System: Gab es im Vorjahr auch noch verpflichtende Dienste für niedergelassene Ärzte, sei dies seit einem Erkenntnis aus Februar des Verfassungsgerichtshofs nicht mehr möglich.

Nun gilt das Freiwilligkeitsprinzip. Ärzte können sich melden, bisher stehen 450 auf dieser Liste. Sie bekommen für Visitendienste 300 Euro Grundpauschale monatlich und 60 Euro (70 an Wochenenden und Feiertagen) für jede Fahrt zu einem Patienten. Wer seine Ordinationen Samstag und Sonntag einige Stunden öffnet, bekommt 700 Euro.

Während dieses System der offenen Praxen auch über Weihnachten gut funktioniert (80 Prozent der Ordinationen sind besetzt), krankt es bei den Bereitschaften. „Wir haben leider Regionen, da ist noch kein einziger gebucht“, bedauert Gesundheitsfonds-Chef Koren. Dazu zählen Judenburg, Hartberg oder Weiz. „Wir versuchen jetzt noch, Überzeugungsarbeit zu leisten, und schreiben die teilnehmenden Ärzte an.“

Herwig Linder, Präsident der steirischen Ärztekammer, setzt ebenfalls darauf, dass sich noch Kollegen für die offenen Dienste melden. Aber er diagnostiziert ein generelles Problem: Die Sprengel seien zu groß, sie müssten verkleinert werden, um effizienter arbeiten zu können. Außerdem wünscht sich Lindner auch Fahrdienste wie in Oberösterreich und die Rückkehr zur regionalen Verantwortung der Ärzte.

Es kann auch klappen

Die Steiermark scheint mit diesem Problem allein zu sein. In Wien seien bereits sämtliche Ärztefunkdienst-Dienste für die Zeit zwischen 23. Dezember und 6. Jänner besetzt, versichert man bei der Ärztekammer. Das System sei nicht mit jenem in der Steiermark vergleichbar: Im Gesamtvertrag mit der Gebietskrankenkasse ist festgelegt, dass sich die Ärzte freiwillig für den Dienst melden. Sollten nicht genügend Ärzte zusammenkommen, kann die Kammer Kollegen verpflichtend einteilen. Laut Kammer sei dies aber noch nie erforderlich gewesen. Etwaige Auswirkungen des VfGH-Erkenntnis auf Wien seien nicht gegeben.

Im Burgenland gibt es laut Kammeramtsdirektor Thomas Bauer ein verpflichtendes System; Sonn- und Feiertagsdienste seien geregelt. Man sei im alten System geblieben, das es seit gut 50 Jahren gäbe. Auch wenn solche Dienste bei den Medizinern naturgemäß nicht beliebt seien, „das gehört dazu, das ist unsere Aufgabe“, betont Bauer.

In Niederösterreich dürften am 24. Dezember und zu den Weihnachtsfeiertagen rund 30 von 135 Sprengeln nicht besetzt sein. Das unterscheide sich nicht von sogenannten normalen Wochenende, hieß es am Dienstag von der Ärztekammer. Zu Silvester und am Neujahrstag sieht es mit 40 und mehr unbesetzten Sprengeln dagegen etwas schlechter aus. Die Zahlen seien aber mit dem Allerheiligen-Wochenende vergleichbar, so eine Sprecherin der Ärztevertretung. Einen Vorteil stellten die im Vergleich zur Steiermark kleinen Sprengel dar. Für Niederösterreicher sei es wesentlich einfacher, in einen Nachbarsprengel zu fahren.

Verordnung half

In Salzburg gibt es keinen Mangel. Laut Ärztekammersprecher mussten die Kurien eine Verordnung erlassen, um weiterhin verpflichtende Not- und Bereitschaftsdienste zu ermöglichen. Die Sprengelgröße sei aber auch in Salzburg ein Problem.

In Oberösterreich werden in allen 22 landesweiten Sprengeln und in der Stadt Linz über die Feiertage ausreichend praktische Ärzte Dienst versehen. Ein Gesamtdienstvertrag , den praktische Ärzte mit der Gebietskrankenkasse abschließen, verpflichtet sie, an Samstagen und Sonntagen Bereitschaftsdienste zu verrichten. Die Feiertagsdienste haben die Ärzte, organisiert über die Ärztekammer, freiwillig beschlossen. Über eine spezielle Verordnung der Ärztekammer wurde die Freiwilligkeit, die das Höchstgericht verlangt, ausgehebelt.

Auch in Tirol kennt man das steirische Problem nicht. „Der allgemeinmedizinische Bereitschaftsdienst ist bei uns in allen 54 Sprengeln eingeteilt“, versichert Kammerdirektor Günter Atzl.

Vizelandeshauptfrau Beate Prettner versichert für Kärnten, dass „keine Engpässe bekannt“ seien. Eine Grippewelle 2017 habe für lange Wartezeiten gesorgt. „Daraus zogen wir unsere Lehren.“ GKK und Ärztekammer vereinbarten daraufhin, dass Bereitschaftsdienste frühzeitig eingeteilt würden.

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