Chronik | Österreich
18.03.2018

Alpenüberquerung: Auf den Spuren der Pioniere

1971 gelang die erste Alpenüberquerung auf Skiern. Jetzt wiederholt sich die Reise.

Seine blaue Wanderhose von damals passt Klaus Hoi noch heute. Der steirische Bergführer trug sie am 21. März 1971, als er gemeinsam mit den drei österreichischen Alpinisten Robert Kittl, Hansjörg Farbmacher und Hans Mariacher zur ersten und bisher einzigen Ski-Überschreitung des gesamten Alpenhauptkammes aufbrach.

Von Reichenau an der Rax im südlichen Niederösterreich bis zu den westlichsten Ausläufern der Alpen in Nizza waren die Männer 40 Tage lang unterwegs, legten fast 2000 Kilometer und 80.000 Höhenmeter zu Fuß zurück. Sie passierten die Gipfel des Großglockners, des Piz Palü und des Mont Blanc, hatten mit extremen Bedingungen zu kämpfen und mussten sich vor Lawinenabgängen in Sicherheit bringen.

47 Jahre später will ein internationales Team das Abenteuer wiederholen: Die siebenköpfige Gruppe besteht aus Spitzensportlern aus Deutschland, Spanien, Italien, den USA und der Schweiz. Österreich wird vom Salzburger David Wallmann vertreten: "Ich war von der Challenge sofort begeistert. Bedenken bereiten mir nur die Dinge, die wir nicht in der Hand haben, wie etwa das Wetter oder die Blasen an den Füßen."

Der erst 26-jährige Spitzensportler hat schon zahlreiche Höhenmeter erklommen und Marathons bestritten. Diesmal aber müssen die Athleten ihre Teamfähigkeit unter Beweis stellen.

Klaus Hoi, heute 75 Jahre alt, fungiert dabei als Mentor. "Ich bin froh, dass ich heute nur mehr Zuschauer bin", meint der passionierte Bergsteiger, "ein zweites Mal würd’ ich das nicht mehr machen. Ich hab’ mich damals wahnsinnig gefürchtet. Ich dachte nicht, dass wir das schaffen würden." Und er fügt hinzu: "Das sind ja alles Einzelkämpfer. Ich bin gespannt, ob sie es schaffen, miteinander und nicht gegeneinander zu arbeiten."

Organisiert wird das Ganze von Red Bull. "Mich hat dieses Abenteuer schon immer fasziniert. Endlich haben wir ein paar Verrückte gefunden, die das durchziehen wollen", erzählt der Initiator Helmut Putz von Red Bull lachend.

GPS statt Kompass

Das siebenköpfige Team will den Spuren der Pioniere möglichst genau folgen: Gleiche Route, gleicher Ablauf, gleiches Zeitlimit. Nur diesmal mit Funkgeräten, Mobiltelefonen, GPS und computerberechneten Wettervorhersagen, statt mit Kompass und Handkarten. "Ich denke nicht, dass die Route trotz der modernen Technik einfacher wird. Sicherer vielleicht, aber die Anstrengung bleibt dieselbe", überlegt Hoi.

Zwischen zehn und dreizehn Stunden marschieren die Athleten täglich und legen dabei im Durchschnitt 48 Kilometer zurück. Wie schon 1971 unterstützt ein Begleitfahrzeug die Extremsportler und wartet an vereinbarten Standorten auf sie. Dort wird genächtigt und gegessen, Teile der Ausrüstung werden dort gelagert.

Samstagvormittag fiel der Startschuss in Reichenau an der Rax.

Mittlerweile ist der erste von 40 Tagen geschafft. Das Team hat den Biskogel überquert und die ersten 2000 Höhenmeter und 38 Kilometer hinter sich.

"Ich bin mir sicher, dass sie es schaffen. Und dass sie unsere Zeit um mindestens fünf Tage unterbieten", meint Hoi, nicht ganz ohne einen gewissen Stolz in der Stimme.

Die Tour kann unter www.redbull.com/derlangeweg live mitverfolgt werden.

Caroline Ferstl