Das Grab von René Eppacher, der bei einer Kollision mit dem Auto des Südtiroler Extrembergsteiger Hans Kammerlander starb.

© Christian Willim

Lokalaugenschein
12/07/2013

Alko-Unfall wirft Schatten auf Gemeinde in Südtirol

Extrembergsteiger Kammerlander und sein verunglückter Unfallgegner kommen aus demselben Ort.

von Christian Willim

Das KURIER-Interview mit Hans Kammerlander hat in seiner Heimat Südtirol wie eine Bombe eingeschlagen. Am Freitagnachmittag hatte der berühmte Bergsteiger in einem Gespräch in seinem Wohnhaus offen und ehrlich über sein Alkohol-Fahrt gesprochen. Für den Geschmack seines Managers, der selbst bei dem Treffen nicht anwesend war, vielleicht zu offen. Er dementierte gegenüber der RAI Bozen (siehe Podcast ab Minute 24.54) und der Südtiroler Zeitung Zett, dass das Gespräch jemals stattgefunden hat.

Zuhause getroffen

Entstanden ist das Gespräch im Zuge eines Lokalaugenscheins, bei dem der KURIER auch Kammerlanders Sicht der Dinge hören wollte und den verletzten 57-Jährigen zuhause antraf. Zuhause, das ist in Ahornach, einer von fünf Fraktionen von Sand in Taufers, das in einem Seitenarm des Pustertals liegt. Als einer der berühmtesten Bergsteiger der Welt ist Kammerlander das Aushängeschild der Gemeinde. Über der liegt jedoch seit einem tragischen Autounfall vergangene Woche ein Schatten. Und den wirft ausgerechnet die Ikone, die auf 13 Achttausendern gestanden ist.

„Auf der einzigen geraden Strecke im Pustertal“, wie Kammerlander selbst im Interview sagte, krachten er und der 21-jährige René Eppacher mit ihren Fahrzeugen frontal zusammen. Die Behörden ermitteln noch, wer die Schuld an der Kollision trägt, die Eppacher das Leben gekostet hat. Fest steht, dass Kammerlander mit 1,48 Promille unterwegs war.

Auf dem Friedhof von Rein in Taufers liegt Schnee. Aber auf einem der Gräber türmen sich die Blumen. Vor einer Woche wurde hier René Eppacher unter großer Anteilnahme zu Grabe getragen. Das 400-Einwohner-Dorf gehört wie Kammerlanders Heimatort Ahornach zur Gemeinde Sand in Taufers.Zwischen den Ortschaften liegt eine mehrere Kilometer lange Autofahrt. „Aber hier kennt jeder jeden“, sagt Herbert Seeber aus Rein. „Der Ort steht unter Schock. Ein junger, sehr beliebter Mensch ist nicht mehr da“, beschreibt der 49-jährige Gemeinderat die Stimmung. „Das ist für beide Seiten tragisch, für die Familie vom René, aber auch für den Hans, unabhängig davon, wer Schuld hat.“ Die Schuldfrage kreist über der Gemeinde. „Aber im Vordergrund steht das Bedauern“, sagt Seeber.

Bleibende Narbe

Die Tragödie ist Gesprächsthema. Und sie wird es wohl bleiben, unabhängig davon, wie die Gerichte in dem Fall entscheiden werden. „Wenn man den Hans sieht, wird man an das denken. Aber ich finde es nicht in Ordnung, wie man gegen ihn im Internet gehetzt hat“, sagt eine Einheimische, die ihren Namen ebenso wenig in der Zeitung lesen will, wie ein junger Bursche, der meint: „Eine Narbe bleibt immer. Für die Familie vom René. Für den Hans. Und für den ganzen Ort.“ Das weiß wohl auch Kammerlander, der im Interview mit dem KURIER gemeint hatte: „Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.“

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