Chronik | Österreich
06.12.2013

Alpinist Hans Kammerlander steht zu seiner Schuld

Mit dem KURIER sprach Hans Kammerlander erstmals über seine verhängnisvolle Alkohol-Fahrt

Hans Kammerlander sitzt in einem Hängestuhl auf seiner Terrasse. Der Südtiroler ist sichtlich gezeichnet. Er wirkt müde und hat glasige Augen. Es ist sein 57. Geburtstag. Aber es gibt nichts zu feiern. Vergangene Woche war der berühmte Extrembergsteiger in einen Autounfall verwickelt, bei dem ein 21-jähriger Einheimischer sein Leben verloren hat. Die Behörden ermitteln gerade, wer den frontalen Crash verursacht hat. „Aber wenn man getrunken hat und fährt, hat man von vornherein die Schuld. Das ist eine Schuld, zu der man stehen muss“, sagt der sichtlich getroffene Alpinist.

Shitstorm nach Frontalcrash

Am Mittwoch wurde bekannt, dass Kammerlander mit 1,48 Promille hinter dem Steuer saß. „Die Höhe hat mich überrascht. Aber die Tests sagen das ganz klar. Das war ein Kapitalfehler.“

An den Unfall selbst erinnert sich der mehrfache Achttausender-Bezwinger, dessen rechtes Bein bis zum Oberschenkel eingegipst ist, nur bruchstückhaft. „Ich weiß noch, dass ich ausweichen wollte. Dann hat es einen heftigen Aufprall gegeben. An die nächsten Minuten kann ich mich nicht erinnern.“

Fünf Fahrzeuge sind in den Unfall verwickelt. Kammerlander übersteht die frontale Kollision mit dem Pkw von René Eppacher mit einer schweren Knieverletzung. Der junge Bursch stirbt. Die Carabinieri führen anfänglich ihn als Unfallverursacher. Im Internet bricht ein Shitstorm los. Kammerlander wolle seine Schuld vertuschen, heißt es in wütenden Postings. „Das habe ich nicht mitverfolgt“, sagt der Attackierte, der am Mittwoch aus dem Krankenhaus Bruneck entlassen wurde.

"Einzige gerade Strecke im Pustertal"

Kerzen stehen an jener Stelle, wo René Eppacher zwischen Uttenheim und Mühlen in Taufers sein Leben verloren hat. „Auf der einzigen geraden Strecke im Pustertal“, kann der 57-Jährige die Tragödie immer noch nicht fassen.

Sollte Kammerlander als Verursacher des Unfalls ermittelt werden, droht ihm Haft. „Die werden sicher herausfinden, wie das war. Mit den Konsequenzen muss ich leben.“ Und wenn sich doch noch seine Unschuld herausstellen sollte? „Nichts wird mehr so sein, wie es einmal war.“ Kammerlander kennt die Angehörigen von Eppacher. Sie leben wie er in der Gemeinde Sand in Taufers. Mit ihnen hat er noch nicht gesprochen. „Dazu ist es noch zu früh. Aber der Kontakt zur Familie ist mir wichtig.“