Sollte es zu keiner Einigung kommen, schließt die Kammer auch Kampfmaßnahmen nicht aus.

© KURIER/Jürg Christandl

Spitäler
01/06/2015

Ärzte gründen eigene Gewerkschaft

Mediziner erhöhen Druck im Streit um Gehaltserhöhung. Ruf nach Dienststellenversammlungen.

von Josef Gebhard

Der Streit um die neue Arbeitszeitregelung für Spitalsärzte und den damit verbundenen Gehaltseinbußen nimmt an Schärfe zu. Wie berichtet, dürfen Spitalsärzte seit Jahresbeginn nur mehr durchschnittlich 48 Stunden arbeiten, wodurch sich vor allem bei den Jungärzten das Einkommen massiv verringert.

Da bis jetzt weder im AKH noch in den Gemeindespitälern eine für die Ärzte befriedigende Lösung vorliegt, könnte demnächst eine eigene Gewerkschaft für angestellte Ärzte gegründet werden. Die nötige Einreichung bei den Behörden soll noch diese Woche erfolgen, kündigt Initiator Gernot Rainer an. Er ist Lungenspezialist am Otto-Wagner-Spital.

"Die derzeitige gewerkschaftliche Vertretung funktioniert nicht optimal", begründet Rainer gegenüber dem KURIER seinen Schritt. Ihn stört vor allem die Intransparenz der laufenden Verhandlungen. "Wir wurden weder über die Forderungen der Gewerkschaft, noch über die Verhandlungsergebnisse rechtzeitig informiert."

Forderungen

Rainer plädiert vor allem für eine angemessene finanzielle Entlohnung und bessere Arbeitsbedingungen. Um das auch umzusetzen, fordern er und seine Mitstreiter das Verhandlungsmandat. "Eine Teilnahme an den Verhandlungen stellt die Mindestforderung dar – sofern wir die entsprechenden Unterstützung erhalten."

Dass die neue Ärzte-Gewerkschaft bereits in den aktuellen Gehaltsverhandlungen am Tisch Platz nehmen wird, sei aber unwahrscheinlich, sagt Wolfgang Weismüller. Er ist Personalvertreter der Ärzte in den Spitälern des Krankenanstaltenverbunds (KAV). Die neue Initiative sei jedenfalls Ausdruck dafür, wie groß der Unmut innerhalb der KAV-Ärzte sei.

Vorbild der neuen Gewerkschaft ist der Marburger Bund in Deutschland – eine Ärztevereinigung, der es vor einigen Jahren mithilfe von Streiks gelungen ist, eine Anhebung der Ärztegehälter durchzusetzen.

"Ich werde den Kollegen demnächst treffen", kündigt Wiens Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres an. "Es ist wichtig, dass wir unsere Kräfte bündeln." Um mehr Druck gegenüber den Spitalsbetreibern aufzubauen, wird die Kammer am 19. Jänner eine Info-Veranstaltung im MuseumsQuartier abhalten. Dabei soll eine Resolution verabschiedet werden, in der die Forderungen der Ärzte noch einmal klargemacht werden.

Vielen Medizinern geht das aber nicht weit genug. Innerhalb der KAV-Spitäler wird der Ruf nach Dienststellenversammlungen in sämtlichen Häusern lauter. Eine solche ist derzeit nur in der Rudolfstiftung geplant. "Das Heile-Welt-Vorspielen muss ein Ende haben", fordert ein Mediziner in einem Rundschreiben. Andere plädieren für einen "absoluten Notbetrieb" am Vormittag des 19. Jänner.

Heftige Kritik an der Stadt kommt indes von der Opposition: "Wenn man es nach 15 Jahren Säumigkeit nicht schafft, im KAV zeitgerecht eine Neuorganisation der Arbeitszeit zustande zu bringen, sollte Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely erkennen, das man seit Jahren ein unfähiges Management eingesetzt hat", sagt FPÖ-Stadtrat David Lasar.

Einige Abteilungen arbeiten nur noch „auf Reserve“

Trotz des Streits um die Arbeitszeiten läuft der Betrieb im Wiener AKH noch reibungslos. Nach Ende der Weihnachtsfeiertage könnte sich das allerdings ändern: „Die Situation ist sehr angespannt“, schildert Martin Andreas, der als Betriebsrat für das wissenschaftliche Universitätspersonal der MedUni Wien die AKH-Ärzte vertritt. Auch deshalb wolle man mit der Unterstützung der Ärztekammer-Versammlung am 19. Jänner nun ein „Zeichen setzen“.

Bereits jetzt könnten Diensträder etwa in der Augenheilkunde oder der Anästhesie nicht mehr besetzt werden. In der Onkologie gebe es bereits Hinweise auf längere Wartezeiten. „In manchen Abteilungen wird auf Reserve gearbeitet“, sagt Andreas.

Dienste fehlen

Die neue Durchschnittsarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche gilt für einen Durchrechnungszeitraum von 17 Wochen. Deshalb sei es jetzt noch möglich, mehr als eigentlich erlaubt zu arbeiten. Diese Dienste würden später aber fehlen. Derzeit könne die Betreuung von komplexen Fällen nur durch den „massiven persönlichen Einsatz der Kollegen“ aufrechterhalten werden.

Eine Betriebsvereinbarung im AKH sei „dringend notwendig“, um die Patientenversorgung weiter zu gewährleisten, betonte auch Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres. Kurz vor Silvester war die zweite Verhandlungsrunde zwischen Betriebsrat und Rektorat der MedUni Wien gescheitert – neuer Termin ist laut Andreas noch keiner vereinbart.

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