Christian Stadler baute die Idee des Schrebergartens auf städtischen Ackerbau aus.

© Clemens Pürstinger/Morgentau Gärten

Chronik Österreich
03/15/2021

Ackern mitten in der steirischen Stadt

Auf der gepachteten Parzelle Gärtner oder Landwirt sein das bringt Ausgleich und viel Gemüse.

von Elisabeth Holzer

„Wir waren nicht auf Urlaub. Wir waren auf dem Feld“, schmunzelt Barbara Obermayer-Pietsch. „Das ist so lustig, das hat unser Leben verändert.“

Und das von Verwandten, Freunden und Bekannten gleich dazu: 320 Kilogramm Gemüse ernteten die Medizinerin und ihre Familie im Vorjahr, von roten Rüben über Erbsen, Tomaten und Gurken bis zu unterschiedlichen Kartoffelsorten. „Das war so eine unglaubliche Vielfalt und so viel, dass wir das gar nicht alleine verbrauchen konnten.“ Also bekamen alle, die Gusto auf Biogemüse hatten, etwas von der reichlichen Ausbeute ab.

40 Quadratmeter groß ist die Parzelle, die Obermayer-Pietsch 2020 erstmals pachtete. Gegärtnert habe sie immer gern, schon als Kind bei der Tante im Schrebergarten. Die Spielwiese der Ärztin ist nun aber nicht nur größer, sondern weniger Garten, aber mehr Feld: 2015 machte Biobauer Christian Stadler sein erstes Feld für Hobby-Landwirte in Oberösterreich auf, seine „Morgentau Gärten“ gibt es mittlerweile in Linz, Steyr, Wels, Leonding und Traun sowie seit 2018 an drei Standorten in Graz.

Keine Chemie, alles bio

„Die Idee ist eine sehr ursprüngliche Form des Gärtnerns auf Ackerland“, beschreibt Stadler. Das zieht sich auch in der Bewirtschaftung durch: Chemische Dünger sind tabu, ebenso chemische Pflanzenschutzmittel oder konventionelles Saatgut oder Jungpflanzen. Die groben Vorarbeiten, für die Traktoren nötig sind, erledigt das Unternehmen für seine Kunden. Es stellt auch eine Auswahl an Samen und Pflanzen zur Verfügung.

Stadler kalkuliert mit einem Aufwand von eineinhalb Stunden pro Woche für „garantierten Ernteerfolg“: Je nach Größe es stehen Flächen mit 20, 40 oder 60 Quadratmetern zur Auswahl seien durchschnittlich zwischen 50 und 200 Kilogramm Gemüse möglich. Die Kosten liegen zwischen 160 und 470 Euro pro Jahr, je nach Größe und gebuchtem Service-Paket, so gibt es etwa bei „Premium“ Material zum Nachpflanzen. Da es sich bei den Parzellen um landwirtschaftliche Flächen handelt, dürfen anders als in Schrebergärten keine Hütten aufgestellt werden: Der Acker ist rein zum Pflanzen, Gießen, Ernten und Genießen da.

Gemeinschaft

Ein Zugang, dem Barbara Obermayer-Pietsch viel abgewinnen kann. „Wir waren jeden zweiten Tag dort, säen, auszupfen, schauen“, schildert die Grazerin, die „ihren“ Acker im Bezirk Mariatrost hat, in Sichtweite zur gleichnamigen Basilika. „Die ganze Familie ist begeistert. Man isst mehr Gemüse, man isst saisonaler, man sieht etwas wachsen. Solange das möglich ist, wollen wir es weiter machen.“

Die Grazer standen 2020 erstmals auf dem Acker. „Wir haben uns das schon vorher überlegt“, betont Obermayer-Pietsch. „Aber im Lockdown war das dann natürlich eine besonders gute Sache, man hat einen Ausgleich gehabt.“ Und Austausch mit den Nachbarn dazu, mit denen man über das Feld hinweg reden kann, ohne die Mindestabstände zu unterschreiten. „Es gibt viel Gemeinschaft“, streicht Obermayer-Pietsch hervor. „Da entstehen unglaublich lustige Gespräche.“

Das Interesse wächst

Initiator Stadler verfügt mittlerweile über 236 Parzellen an den drei Standorten allein in Graz und 70 Prozent davon sind für heuer schon vergeben. Das ist um ein Drittel mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Das ist für den Unternehmer auch eine Folge der Pandemie: „Aus Erfahrung der Corona-Saison 2020 wissen wir, wie wertvoll dieses Rausgehen dürfen zur Gartenpflege ist. auch das Thema Selbstversorgung rückt immer stärker ins Bewusstsein.“ (Info: www.morgentaugaerten.at)

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