Tirol
09/23/2019

91-Jährige nach Explosion in St. Jodok vermisst

Die Detonation zerstörte einen Supermarkt und ein Wohnhaus. Eine Verschüttete bleibt vermisst.

von Christian Willim

Es ist eine gewaltige Explosion, die Montagvormittag gegen 11.20 Uhr das Dorf St. Jodok am Brenner erschüttert. Sie zerstört mitten im Zentrum einen Bauernhof, in dem sich auch der Supermarkt des Orts befindet.

„Es war ein riesiger Knall. Ich bin auf die Terrasse gerannt. Als ich dort war, hat das Haus schon gebrannt“, erzählt eine bestürzte Anwohnerin, die zunächst einen Felssturz vermutete.

St. Jodok gehört zur Gemeinde Vals, in der 2017 zu Weihnachten riesige Geröllmassen auf die Straße des Tals donnerten. Wie durch ein Wunder wurde damals niemand verletzt.

Nun wurde der Ort erneut von einer Katastrophe getroffen. Eine Frau dürfte das Unglück in ihrem Wohnhaus nicht überlebt haben. Die gebrechliche 91-Jährige wurde in den brennenden Trümmern des Hauses verschüttet. „Ihr Sohn war bis zuletzt bei ihr und versuchte sie zu retten, bevor er das Gebäude fluchtartig verlassen musste“, berichtet Bürgermeister Klaus Ungerank.

Suche nach Frau

Die Einsatzkräfte suchten bis in die Abendstunden nach der 91-Jährigen, für die praktisch keine Hoffnung mehr bestand. Nach dem Abtragen der Trümmer an jenem Ort, wo sie vermutet wurde, konnten jedoch keine Überreste gefunden werden. Die Suche war vorerst weiter im Gange.

Als Unglücksursache vermutet die Polizei eine Gasexplosion. „Bei Arbeiten an einer Gasleitung wurde diese offenbar angebohrt. Kurz darauf kam es zur Explosion“, berichtete Einsatzleiter Burkhard Kreutz, Kommandant des Posten Steinach/Wipptal. Auch einer der Arbeiter soll noch versucht haben, die verschüttete Frau zu bergen.

Neun Menschen wurden bei der Detonation mittelschwer verletzt. „Sie haben sich zum Teil im Supermarkt, aber auch auf der Straße befunden“, sagt Kreutz. In einer benachbarten Bankfiliale ist die Scheibe der Eingangstür zerborsten. Eine Angestellte erlitt ein Knalltrauma.

Die neun Verletzten wurden in die Innsbrucker Klinik und in das Krankenhaus Hall in Tirol gebracht. Keiner von ihnen musste jedoch in den Schockraum eingeliefert werden, hieß es von Seiten der Rettung. Sie hatten noch Glück im Unglück.

Jener Teil des Bauernhofs samt Anbau, in dem die 91-Jährige gelebt hat, ist nur noch eine Ruine. Der Supermarkt am anderen Ende des Gebäudes sieht aus wie nach einem Bombenanschlag.

Der Sachschaden ist enorm. Umstehende Autos wurden schwer beschädigt oder zerstört. „Das Gebäude kann vermutlich nur noch abgerissen werden“, sagt Ortschef Ungerank. Sieben in dem Haus wohnende Menschen haben ihr Dach über dem Kopf verloren. Darunter sind die beiden Söhne der Vermissten, ein Bauer und der Besitzer des Supermarkts, mit ihren Familien.

Bestürzung im Ort

„Ich kann das gar nicht realisieren. Das geht einem sehr nahe“, sagt Marianne Gatt, die in dem Dorf, in dem sich praktisch jeder kennt, lebt. Explosion und Brand haben eine tiefe Wunde gerissen, auch weil der Nahversorger vollkommen zerstört wurde.

„Wir sind ein kleiner Ort, aber haben eine intakte Infrastruktur mit einem Geschäft, einer Bank und einem funktionierenden Gasthof“, sagt der Bürgermeister. Wie es mit der Nahversorgung künftig weiter geht, bleibt vorerst offen. Zunächst muss aber der Schock überwunden werden.

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