Chronik | Österreich
30.05.2017

37-jähriger Terrorverdächtiger in Bayern verhaftet: Razzien in Österreich

Im Zuge der Festnahme gab es Hausdurchsuchungen an alten Wohnadressen des Mannes in Österreich. Über dessen Terrorgruppe gibt es eine Verbindung zu Austro-Terrorist

Es war eine konzertierte Aktion, an der rund 70 Beamte des bayerischen Landeskriminalamtes und 30 österreichische Polizisten beteiligt waren. In Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz wurde Dienstagfrüh ein 37-jähriger Türke verhaftet, der im Verdacht steht, Mitglied einer terroristischen Vereinigung zu sein. Im Zuge der Aktion wurden Razzien in fünf Objekten durchgeführt – zwei davon in Tirol und Oberösterreich.

"Im Raum Innsbruck-Land gab es am Dienstagmorgen nach einem Rechtshilfeersuchen der Generalstaatsanwaltschaft München im Auftrag der Staatsanwaltschaft Innsbruck eine Hausdurchsuchung", bestätigt ein Sprecher der Landespolizeidirektion Tirol. Auch im Großraum Linz fand eine Hausdurchsuchung statt.

"Der Verdächtige soll an diesen Adressen – zumindest zeitweise – gewohnt haben", erklärt Joachim Ettenhofer, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München, den Hintergrund des grenzübergreifenden Einsatzes. Dem verhafteten Türken wird vorgeworfen, 2013 und 2014 für die Dschihadisten-Gruppe Junud al-Sham in Syrien an Kampfhandlungen teilgenommen zu haben. Außerdem soll er für die Terrororganisation Mitglieder geworben haben. "Diese Werbeaktivitäten fanden nach derzeitigem Ermittlungsstand schwerpunktmäßig in Bayern statt", sagt Ettenhofer.

Österreich-Connection

Die Junud al-Sham hat jedoch eine bemerkenswerte Verbindung nach Österreich. Und zwar zum Wiener Mohamed Mahmoud, der als einer wichtigsten Propagandisten des IS in Europa gilt. Wie der deutsche Terrorismus-Experte Guido Steinberg 2016 in einer Analyse schrieb, sollen sich 2013 und 2014 rund 30 deutsche Kämpfer der Junud al-Sham angeschlossen haben. Die meisten waren Anhänger der vom Austro-Terroristen Mahmoud gemeinsam mit dem deutschen Rapper "Deso Dogg" (alias Daniel Cuspert) gegründeten Salafisten-Sekte Millatu Ibrahim.

Der Bayerische Rundfunk hat mit Menschen aus dem Umfeld des Verdächtigen gesprochen. Eine Person, die ihn gut kennt, berichtet demnach, dass gegen den 37-jährigen Türken bereits länger ermittelt wurde – allerdings ohne Ergebnis. "Dann haben die Behörden offenbar versucht über Leute, die jetzt im Gefängnis sitzen, Informationen zu bekommen", sagt die Person gegenüber dem BR.