© Elisabeth Holzer

Chronik Österreich
08/07/2020

14 Jahre auf Unfallbericht des Ministeriums gewartet

Doch auch weiter kein Happy End: Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft in der Causa.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Der US-Präsident hieß noch George W. Bush und SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer war auf dem Sprung zur Kanzlerschaft. Am 15. Juli 2006 stürzte in Maria Lankowitz (Bezirk Voitsberg, Steiermark) Helmut Leitner mit seinem Hubschrauber Bell 206L ab. Der Schaden betrug rund eine halbe Million Euro.

Bis heute ist unklar, wer das alles bezahlen muss. Nach 14 Jahren ist diese Woche nun endlich der Unfallbericht der Untersuchungsstelle des Verkehrsministeriums (SUB) fertiggestellt worden. Doch damit gibt es immer noch kein Happy End, denn nun ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.
 

Der Grund für diese „im negativen Sinne geradezu unglaubliche Verfahrensdauer“ (O-Ton Volksanwaltschaft) ist nur auf den ersten Blick rätselhaft. Denn Leitner, der 2015 auch vom Grazer Amokfahrer Alen R. beinahe getötet wurde, ist der festen Überzeugung, dass die Wartungsfirma von Diamond-Aircraft einen Fehler begangen hat und damit Schuld an dem Unfall trägt.

Diamond bestreitet das vehement, aber zumindest dürfte es um diese Firma, die auch im militärischen Bereich tätig ist, eine Art Schutzwall gegeben haben. Eine Absturzserie mit einer zweistelligen Zahl an Toten mit Diamond Maschinen zu Beginn des Jahrtausends ist bis heute nicht aufgeklärt. Insider der Untersuchungsstelle berichteten dem KURIER, dass man derartige Unfälle intern nicht anfassen sollte.

Materialfehler

Dabei wäre dies im aktuellen Fall rund um Leitner vermutlich gar nicht notwendig gewesen. Mehr als 200 Seiten umfasst nun der druckfrische SUB-Bericht, der hochtechnisch gestaltet ist. Am Ende entlastet er die Wartungsfirma. Grund für den Absturz war demnach ein nicht vorhersehbarer Materialfehler, ein Bruch des Turbinenrades. Der Ministeriumsbericht fußt auch auf einer Untersuchung des Triebwerkherstellers.

Für Leitner, der gemeinsam mit der Volksanwaltschaft und in mehreren KURIER-Berichten jahrelang für eine Veröffentlichung des Berichts gekämpft hat, ist die Sache damit aber noch nicht gegessen. Er ist weiter felsenfest der Überzeugung, dass der Hubschrauber schon in der Luft zu brennen begonnen habe und nicht erst beim Aufschlag. Ursache dafür sei eine unsachgemäße Wartung im Vorfeld gewesen.

Die Causa ist auch bereits bei der Staatsanwaltschaft Wien anhängig, ein Gutachter des Gerichts prüft nun ebenfalls die Absturzursache. Leitner meint, dass seine Stellungnahme nicht in den Abschlussbericht eingearbeitet worden sei. Er will dazu nun eine weitere Sachverhaltsdarstellung einbringen.

Geschreddertes Archiv

Die Untersuchungsstelle des Verkehrsministeriums ist jedenfalls seit Jahren im Zentrum von Ermittlungen der Justiz. Bis heute sind viele Berichte auch nach Jahren noch nicht erschienen, rund 100 Untersuchungen von Unfällen mit Flugzeugen, Zügen oder Schiffen sind noch immer nicht abgeschlossen.

Außerdem sind Millionen in diesem Bereich versickert, bis heute ist nicht klar, wohin das Geld eigentlich geflossen ist. Grund dafür ist laut Behörden-Insidern auch, dass mutmaßliche Verantwortliche des Skandals große Teile des Archivs der Behörde unmittelbar vor einer Prüfung durch den Rechnungshof geschreddert haben.

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