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Chronik | Österreich
06/17/2019

Täglich 1000 Pannen im Urlaub

Der ÖAMTC-Schutzbrief wird 60 und der Mobilitätsclub gab Einblicke in die Zentrale der „Urlaubsretter“.

Rund 2.600 Patienten sind vergangenes Jahr nach einer Verletzung oder Erkrankung im Rahmen des Schutzbriefes des ÖAMTC zurück nach Hause gebracht worden. Davon waren rund 1.000 in Österreich auf Urlaub. Es folgten Italien mit 308, Kroatien mit 211, Spanien mit 204, Deutschland mit 197 und die Türkei mit 156 medizinisch bedingten Rückholungen, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Die meisten Fälle betrafen Verletzungen wie Bänderrisse oder Knochenbrüche. Rund 32 Prozent waren internistische Notfälle wie etwa Blinddarm- oder Lungenentzündungen. Herz- und Kreislaufprobleme machten im Vorjahr zwölf Prozent aus. Die Urlaubszeit ist die Hauptreisezeit der Schutzbrief-Nothilfe. „Mehr als 1.000 Anrufe oder Hilfsansuchen per App pro Tag sind hier keine Seltenheit, im Jahresschnitt sind es über 580 Kontakte täglich“, sagte ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold. Seit 60 Jahren gibt es den Schutzbrief.

Internationale Hilfe

In Summe hat der Mobilitätsclub im vergangenen Jahr 57.385 Hilfeleistungen im In- und Ausland durchgeführt. Das Spektrum dabei ist vielfältig - viele tausend Mietwagen wurden ebenso organisiert wie Hotelzimmer, Pannenhilfe oder Abschleppdienste. Rund 8.000 defekte Fahrzeuge, 3.000 davon aus dem Ausland, wurden rückgeholt. Der Schutzbrief umfasst neben Österreich alle Länder Europas, die Russische Föderation, alle Mittelmeer-Inseln, die Kanarischen Inseln, die Azoren und Madeira sowie die außereuropäischen Mittelmeer-Anrainerstaaten wie etwa Syrien, Ägypten, Israel oder Libyen. So leistete der ÖAMTC beispielsweise bereits Pannenhilfe in Syrien, einen Krankheitsfall gab es auch schon im Grenznahen Gebiet zur Türkei, sagte Maria Tüchler, Leiterin der ÖAMTC-Schutzbrief-Nothilfe.

Rund 100 Mal pro Jahr kommt der Ambulanzjet zum Einsatz. Die am weitesten entfernte Rückholung erfolgte in der 60-Jährigen Geschichte von einer kleinen Insel an der Ostküste Russlands. Auf der dortigen Forschungsstation erkrankte ein Mitarbeiter, es dauerte wetterbedingt schon Tage, bis er aufs Festland gebracht werden konnte, der Rücktransport nach Österreich „rund eine Woche“, erinnerte sich Tüchler. Neben dem Ambulanzjet erfolgen zahlreiche Rückholungen per Linienflug, dazu kommen bodengebundene Transporte. Rund 25 Ärzte und Pfleger sind für Begleitung der Linienflüge angestellt, dazu kommen zahlreiche Vertragspartner, sagte Tüchler.

„Je nach Komplexität können an einem einzigen Fall zwischen acht und 35 Personen teamübergreifend arbeiten“, erläuterte die Leiterin der ÖAMTC-Schutzbrief-Nothilfe. „In Summe sprechen unsere Mitarbeiter neben Deutsch und Englisch noch 18 weitere Sprachen. Das erleichtert die Kommunikation mit lokalen Behörden und Institutionen. Darüber hinaus geben sie Verhaltensregeln im Schadensfall und gewährleisten individuelle Hilfe im jeweiligen Land.“ Insgesamt kümmern sich beim ÖAMTC im Sommer rund 300 Mitarbeiter um die Hilferufe der Urlauber - rund um die Uhr und im Schichtdienst. Zusätzlich wird die Stundenanzahl vieler Teilzeitmitarbeiter erhöht.

3,3 Millionen Österreicher geschützt

Mit Ende 2018 hatten rund 1,5 Millionen der 2,2 Millionen ÖAMTC-Mitglieder einen Schutzbrief. Weil damit Partner und Kinder im gleichen Haushalt geschützt sind, bedeutet das, dass statistisch über 3,3 Millionen Österreicher durch den ÖAMTC-Schutzbrief abgesichert sind, hieß es bei der Pressekonferenz. Insgesamt 38 Leistungen sind abgedeckt. Bei seiner Einführung im Jahr 1959 waren es noch zwei: Ein Kreditbrief, um Bargeld zu erhalten, sowie ein Empfehlungsschreiben des ÖAMTC-Präsidenten, dem Inhaber des Schutzbriefes im Pannenfall zu helfen, berichtete Schmerold.