Kritik an "egoistischen Eltern"

Voll Stolz hält der 63-jährige Xhemalija I. seine beiden Zwillingsbuben im Arm. © Bild: APA/UNBEKANNT

Theologen haben Bedenken, Psychologe sieht Probleme in der Pubertät.

Die Sensationsgeburt von Zwillingsbuben durch eine 60-Jährige im Klinikum Wels-Grieskirchen (OÖ) hat Diskussionen über die Sinnhaftigkeit künstlicher Befruchtungen in hohem Alter ausgelöst. Die Mutter hatte sich bereits zum zweiten Mal im Ausland Eizellen einsetzen lassen. Schon vor drei Jahren brachte sie ein gesundes Mädchen zur Welt. Seit Dienstag sind Eizellen-Spenden auch in Österreich erlaubt, allerdings gilt für Empfängerinnen ein Alterslimit von 45 Jahren.

Michael Rosenberger, Priester und Moraltheologe an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz (KTU), lehnt derartige Eingriffe bei Frauen über 45 entschieden ab: "Das ist unverantwortlich und egoistisch."

Der 52-Jährige verweist darauf, dass die katholische Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine verantwortliche Elternschaft propagiert. "Paare mit Kinderwunsch sollten sich vorab fragen, können wir ruhigen Gewissens ein Kind in die Welt setzen?" In der christlichen Ethik stehe das Wohl des schwächsten Beteiligten deutlich über allem anderen. "Und in dem Fall sind das die Kinder", sagt Rosenberger. Eltern müssten in der Lage sein, Kinder aktiv auf dem Weg in die Eigenständigkeit zu begleiten. Das sei etwa die Zeit zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr. "Die Welser Eltern sind dann zumindest 80 bzw. 83 – da ist wohl vorprogrammiert, dass die Kinder noch andere Bezugspersonen brauchen. Doch das ist eine Zumutung", betont der Moraltheologe. Auch sei damit zu rechnen, dass die Kinder bereits in jungen Jahren für ihre Eltern sorgen müssen. Rosenberger: "Der Generationenvertrag würde damit nur zur Hälfte erfüllt – das wäre krass unfair."

Mama oder Oma

Nicht ganz so krass sieht das Entwicklungspsychologe Harald Werneck. "Alter ist nur ein Faktor. Ältere Mütter sind gelassener, besser vorbereitet. Und es sind sicher Wunschkinder." Heikel wird es vermutlich, wenn die Kinder zum ersten Mal damit konfrontiert werden, dass die Eltern deutlich älter sind – etwa im Kindergarten. "Wenn jemand die Mama als Oma anspricht, ist das peinlich." Und spätestens in der Pubertät wird es knifflig: "Da ist die Kluft zwischen den Generationen dann noch größer."

Der KURIER sprach mit dem 63-jährigen Vater der Zwillinge

KURIER: Wie geht es den Zwillingsbuben Eldion und Elmedin?
Xhemalija I.: Der ganzen Familie geht es bestens. Meine Frau und ich sind glücklich, dass unsere Babys gesund sind. Wir wissen allerdings noch nicht, wann wir aus dem Krankenhaus dürfen.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie Zwillinge bekommen?
Bereits nach dem dritten Schwangerschaftsmonat.

Haben Sie während der Schwangerschaft Ihrer 60-jährigen Frau einmal Angst gehabt?
Nein, überhaupt nicht. Meiner Frau ist es immer gut gegangen. Es gab nie irgendwelche Komplikationen.

Hatten Sie schon lange einen Kinderwunsch?
Ja. Ich bin seit zwölf Jahren mit meiner Frau verheiratet. Wir haben uns Kinder gewünscht. Es ist wunderbar, dass es jetzt noch einmal mit den beiden Buben geklappt hat. Ich habe schon Spielsachen besorgt und das Kinderzimmer entsprechend eingerichtet. Nur ein zweites Bett muss ich noch kaufen.

Wo genau hat sich Ihre Frau künstlich befruchten lassen?
Im Ausland. Wo genau, möchte ich nicht sagen.

Wie geht es Ihrer dreijährigen Tochter?
Die freut sich natürlich auch über ihre beiden Brüder. Ich muss sie nach dem Kindergarten immer gleich zur Mama bringen. Dort will sie dann gar nicht mehr weg.

Erstellt am 27.02.2015