Chronik | Oberösterreich
05/03/2013

Zweijähriger starb binnen eines Tages an Meningokokken

Simon starb nach der Zeckenimpfung. Die Mediziner sprechen von einem tragischen Zufall.

Am Montag hat der zweieinhalbjährige Simon S. seine letzte Zeckenschutzimpfung bekommen, mit Kindern gespielt und genüsslich seinen Kakao getrunken. Am Abend bekam er plötzlich hohes Fieber, und am Dienstag war er tot. Diagnose: Blutvergiftung durch Meningokokken.

So richtig realisiert habe sie das noch nicht, sagt seine Mutter, die 27-jährige Silke S. aus der Innviertler Gemeinde St. Aegidi. Immer wieder gehe sie die beiden Tage im Kopf durch. „Sein Papa und ich sind in der Nacht bei ihm geblieben, da hat das Fieber ein bisschen nachgelassen. In der Früh habe ich blaue Flecken an seinen Leisten bemerkt und bin sofort mit ihm ins Krankenhaus. Da haben ihn mir die Ärzte aus den Armen gerissen, weil er alles hängen gelassen hat. Alles ist so schnell gegangen.“

Das hohe Fieber, die Hautblutungen und die Schwäche – für die Ärzte in der Passauer Kinderklinik fügte sich rasch ein Bild zusammen. „Meningokokken sind schon beim ersten Fieber lebensbedrohlich. Zeit spielt da eine wichtige Rolle, weil sich der Zustand dann rasant verschlechtert. Trotz ausgeprägter Intensivmaßnahmen konnten wir das Kind leider nicht retten“, erklärt der ärztliche Direktor Matthias Keller. Simon starb nach einem septischen Schock an Organversagen.

Blutvergiftung

In St. Aegidi ist der Schock über den plötzlichen Tod des Buben groß. Die Gefahr einer Ansteckung ist bereits gebannt. Simons Spielgruppe und sein familiäres Umfeld sind von der Sanitätsbehörde vorsorglich mit Antibiotika eingedeckt worden. Bürgermeister Eduard Paminger spricht von einer unfassbaren Tragödie, und bei den Wirtsleuten ist die Frage nach dem Warum am Freitag Tagesgespräch.

Den Spekulationen, die Zeckenschutzimpfung könnte der Auslöser gewesen sein, widersprechen die Mediziner vehement. „Bei jährlich mehr als 80 Meningokokken-Erkrankungen gibt es keine Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Zeckenschutzimpfung“, betont Klaus Schmitt, Leiter der Kinderklinik in Linz. Dieser Meinung ist auch Allgemeinmedizinerin und Impfkritikerin Katrin Strauch aus Wien: „Bei aller Kritik, aber in diesem Fall ist eindeutig, dass die Bakterien im Blut zum Tod geführt haben und nicht der FSME-Virus, der eine Gehirnhautentzündung auslösen kann.“

Davon musste auch die Mutter erst überzeugt werden: „Man muss akzeptieren, dass es keine Erklärung gibt.“ Im August steht die Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten Patrick L. an. „Wir machen es für Simon. Er hat sich so darauf gefreut, dass Mama und Papa heiraten.“ Heute, Samstag, wird Simon in St. Aegidi beigesetzt.