Wirtschaftslandesrat Michael Strugl, ÖVP

© honorarfrei/Krügl Eric

Michael Strugl
03/12/2017

Zu führenden Regionen aufschließen

Der Wirtschaftslandesrat über seine Ziele als Standortverantwortlicher in der Regierung.

von Josef Ertl

Michael Strugl ist seit 2013 Wirtschaftslandesrat. Der 53-jährige ÖVP-Politiker wird mit der Wahl von Thomas Stelzer zum Landeshauptmann kompetenzmäßig massiv aufgewertet.

KURIER: Bis 2009 waren die Business Upper Austria, die Wirtschaftsagentur des Landes, und die Upper Austrian Research, die Forschungsagentur, in der Technologie- und Marketinggesellschaft des Landes (TMG) zusammengefasst. Mit dem Eintritt von Doris Hummer in die Landesregierung wurden die Agenden damals getrennt. Ab 6. April sind diese Kompetenzen in Ihren Händen konzentriert. Werden Sie die Gesellschaften wieder zusammenführen?Michael Strugl: Ja. Die Überlegung damals war, ein großes Bildungsressort zu schaffen. Ich habe das immer sehr kritisch gesehen, denn wir sehen in allen europäischen Referenzregionen, dass diejenigen, die die Schnittstelle zwischen Forschung und Wirtschaft am besten managen, die führenden Regionen in den Rankings sind. Denn hier steckt der stärkste Innovationshebel. Deswegen haben wir entschieden, dass ein Standortressort diese Kompetenzen wieder bündelt.

Wird diese gemeinsame Agentur noch zusätzliche Kompetenzen bekommen?

Darüber wird gerade konzeptiv nachgedacht. Ich schließe das nicht aus.

Ein Beispiel?

Es ist durchaus denkbar, dass wir das gesamte Innovationssystem, auch die regionalen Strukturen, in der Business Upper Austria bündeln. Wir haben mit den Technologiezentren regionale Innovationsknotenpunkte. Es wird nicht genügen zu sagen, sie sind so eine Art Gründerzentren.

Hier wurden zwar Reformen angekündigt, aber noch nicht umgesetzt.

Sie sind deshalb nicht umgesetzt worden, weil der Versuch, Strukturen zusammenzuführen, noch nicht gelungen ist. Mir schwebt vor, dass die Zentren regionale Innovationsknotenpunkte sein sollen. Das reicht von der Breitbandinitiative bis zum Regionalmanagement. Es reicht nicht zu sagen, wir haben dort Immobilien, die wir verwalten, in dem verschiedene Unternehmen eingemietet sind.

Oberösterreich rangiert in der aktuellen Ausgabe des europäischen Regional Competitiveness Index auf Platz 103.

Wir sind nach wie vor im Mittelfeld.

Oberbayern ist unter den ersten zehn. Es ist nicht so viel besser wie unser Bundesland,aber es hat mit München einen internationalen Flughafen.Linz wird nie über einen derartigen Flughafen verfügen. Insofern muss man das Ergebnis auch ein wenig relativieren.

Natürlich. Es ist nicht alles ein Vergleich, was hinkt. Die Studie arbeitet mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kriterien. Der Flughafen ist in der Gewichtung der Verkehrsinfrastruktur wichtig, deshalb zieht er nach unten.

Beim Kriterium der wissensintensiven Branchen und Dienstleistungen haben wir Luft nach oben. Hier muss man zugleich sagen, dass die reine Akademisierung von Berufen, die im Index reflektiert ist, nicht die Lösung ist. Wenn zum Beispiel die KinderbetreuerInnen nicht AkademikerInnen sind, sagt das nichts über die Wettbewerbsfähigkeit aus. Aber wir müssen bei den Ausbildungen noch aufholen.

Inwieweit gibt es eine Durchdringung aller Bereiche in der Digitalisierung? Ein Punkt, der uns in der internationalen Bewertung hebeln soll, ist die bessere Koordinierung von Forschung und Wirtschaft.

In der Vergangenheit wurde der Slogan geprägt, Oberösterreich soll in die Champions League. Inzwischen hört man wenig davon.

Die Champions League war eine Begrifflichkeit, die marketinggetrieben war. Wir wollen zu den führenden Regionen Europas aufschließen und nicht im Mittelfeld bleiben. Es ist nicht das Entscheidende, wie man das nennt. Ein Platz im Mittelfeld ist mittelfristig nicht der Platz für Oberösterreich. Wir wollen zu den Innovation-Leadern aufschließen, wir wollen zu den führenden Industrieregionen gehören, wir wollen in diesem Ranking nach oben klettern. Und zwar nicht um zwei oder fünf Plätze, sondern jedes Mal um zehn oder fünfzehn Plätze, damit man auch wirklich Fortschritte sieht.

Wie kann man den Linzer Flughafen attraktiver machen? Abgesehen von den Charterflügen im Sommer wird er immer nur ein Zubringerflughafen sein können.

Genau so ist es. Wir sind in einer Sandwichposition zwischen Wien und München. Die Linie nach Frankfurt ist ein Zubringer.

Andererseits muss man sich ansehen, was regionale Flughäfen wie Salzburg besser machen. Wie können wir noch Möglichkeiten nutzen für den Incoming-Tourismus? Das sollte man genau analysieren und in diese Richtung sollte man ihn hinentwickeln. Betriebswirtschaftlich läuft der Flughafen gut, er liefert gute Ergebnisse. Als Verkehrsdienstleister und als Verkehrsinfrastruktur ist er ausbaufähig.

Sie werden für die Landesbeteiligungen zuständig sein. Nun will die Linz AG Ihren 10,3-Prozent-Anteil an der Energie AG verkaufen. Wie werden Sie dem begegnen?

Abwartend. Es ist prinzipiell eine Entscheidung der Linz AG, was sie mit ihrer Beteiligung zu tun gedenkt.

Es wird auch eine Bewertungsfrage sein. Hier gibt es Spielräume.

Der Markt wird das beantworten. Die Aktionärsvereinbarung sieht ein gewisses Prozedere vor, auch was die Aufgriffsrechte des Landes betrifft. Aber dort sind wir noch lange nicht. Wir schauen einmal, was die Linzer wirklich machen.

Gibt es noch eine Chance, dass sie in der Energie AG bleiben?

Ich glaube, dass es ernst gemeint ist, dass sie sich von der Beteiligung trennen wollen.

Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen Stadt und Land? Bürgermeister Klaus Luger hat auch andeutet, aus dem Musiktheater aussteigen zu wollen.

Ich habe den Eindruck, dass Thomas Stelzer und Klaus Luger eine gute Dialogebene haben, eine bessere als sie zwischen Pühringer und Luger war. Ich glaube, dass ein abgestimmtes Vorgehen in Zukunft möglich ist.

Wird das Land im Fall des Verkaufs sich den Anteil behalten oder wird sie ihn weiterverkaufen?

Weder weiß ich, ob wir überhaupt aufgreifen, noch weiß ich , was wir im Fall des Aufgriffs damit machen. Natürlich denken wir in Szenarien, aber das entscheide ich nicht allein. E s ist zu früh, darüber zu spekulieren.

Sie sind für die Forschung und damit auch für die Universität zuständig. Wie erfolgreich laufen die Bemühungen, die Kepler Universität attraktiver zu machen?

Hier haben wir noch einen weiten Weg vor uns. Wir brauchen eine deutliche Steigerung der Absolventen in den technischen Fächern. Das will der Rektor auch. Die Idee des Linz Institute of Technology (LIT) ist ein wichtiges Modell. Wir stehen am Anfang. Derzeit ist es nicht so, wie wir uns das alle miteinander wünschen.

Sie verfolgen weitergehende Vorstellungen?

Die Universität muss ihr Profil schärfen und sichtbar machen. Hier bin ich mit Rektor Lukas einig.

In welche Richtung?

In den Fächern, die im LIT gebündelt sind und welche Exzellenz in Linz da ist. Das ist derzeit kaum sichtbar. Wir müssen dafür sorgen, dass es weniger Drop- outs gibt und dass die Angebote genutzt werden. Dafür muss sich die Johannes Kepler Universität insgesamt attraktiver präsentieren können. Es wäre ein Reisenvorteil, wenn wir Exzellenz in der Forschung hätten, damit wir international für Studenten attraktiv werden. Alle internationalen Universitäten haben Studenten und Forscher aus aller Herren Länder. Und in weiterer Folge Investoren aus aller Herren Länder.

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