© Franz Konrad Stadler

Chronik Oberösterreich
10/05/2020

Wolf im Innviertel überfahren

Eine Untersuchung soll klären, woher das Tier kam. Vermutlich habe es nach eigenem Revier gesucht.

von Petra Stacher

Überrascht von seinem Fund dürfte wohl ein Landwirt aus Münzkirchen im Innviertel sein: Ausgerechnet in seinem Feld fand er Freitagabend einen toten Wolf. Nach aktuellen Erkenntnissen dürfte dieser von einem Kraftfahrzeug angefahren worden sein. Eine genaue Untersuchung soll nun Details klären.

„Der Landwirt verständigte die Jägerschaft im Ort mit der Meldung, dass voraussichtlich ein Hund angefahren wurde und auf seinem Feld liegt“, erzählt Franz Konrad Stadler, Bezirksjägermeister von Schärding, die Vorkommnisse. „Der Ortsjäger war nach der Besichtigung aber schnell davon überzeugt, dass es sich bei dem Tier um keinen Schäferhund, sondern um einen Wolf handelt.“

Etwa 50 Kilogramm wiege das Individuum. Alt war das Tier nicht: Schätzungen zu Folge sei es erst ein Jahr alt gewesen. „Wahrscheinlich hat er sich ein eigenes Revier gesucht“, vermutet Stadler im KURIER-Gespräch. Dass ein Wolf in der Region ist, habe man bis dato nicht gespürt.

Im Nachhinein dürfte aber das Wild den Jägern indirekt bereits kleine Hinweise gesendet haben: „Die Jagdleiter haben uns darauf hingewiesen, dass das Rehwild in letzter Zeit besonders erhellt, also scheu war“, sagt Stadler – nun wisse man warum.

Lenker gesucht

Von wo der Wolf genau gekommen ist, sei jedoch noch unklar. Direkt am Fundort wurde deshalb eine DNA-Probe genommen. In weiterer Folge wurde der Kadaver der Veterinärmedizinischen Universität in Wien übergeben.

Diese solle laut Stadler unter anderem klären, woran der Wolf – der bereits ein bis eineinhalb Tage dort gelegen sei – genau gestorben ist. „Wir vermuten einen Pkw oder Lkw“, sagt Stadler. Am besten sei es, wenn sich der Lenker einfach melden würde: Das Tier ist zwischen Donnerstag und Samstag nahe der Ortschaft Ludham angefahren worden. Wann die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, wisse man noch nicht.

Der tote Wolf wäre der erste im Innviertel gewesen, so Stadler. Die Diskussionen rund um Wolfsabschüsse, die seit Monaten geführt werden (der KURIER berichtete), sei deshalb in der Region noch nicht wirklich zur Debatte gestanden. „Grundsätzlich halte ich es für wichtig, dass Richtlinien geschaffen werden, damit wir gemeinsam leben können“, sagt Stadler.

Erneut Wolfsverdacht

Laut WWF gäbe es derzeit 30 bis 35 Wölfe in ganz Österreich. Die Zahl beruht unter anderem auf Sichtungen und Wildkameras. Nachgewiesen wurden zuletzt drei Rudel – alle davon in Niederösterreich.

Aber auch in Oberösterreich wurden seit Juni vermehrt Wölfe gesichtet, und zwar ganze 27 Mal. Zudem gibt es bis dato sechs bestätigte Wolfsrisse, heißt es aus dem Büro von Agrarlandesrat Maximilian Hiegelsberger (ÖVP). Insgesamt acht Tiere kamen dabei zu Tode. Alle Risse wurden jedoch im Süden des Landes verzeichnet.

Besonders betroffen von Wolfsrissen ist seit geraumer Zeit Osttirol: Erst am Montag kam eine Meldung über einen neuerlichen Verdachtsfall aus dem Gemeindegebiet Innervillgraten im Bezirk Lienz. Von einer Schafsherde, die etwa 60 Tiere umfasst, werden zwei Schafe vermisst, zwei wurden schwer verletzt und wiederum zwei sind tot.

Ob es sich wirklich um Wolfsrisse handelt, soll eine DNA-Analyse klären. Zur Sicherheit wurde die verbliebene Herde von der Alm abgetrieben. Erst Ende August, Anfang September wurde bei mehreren Schafsrissen in der Umgebung die DNA eines männlichen Wolfs aus der italienischen Population nachgewiesen.

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