Elfriede Moser ist Landesforstdirektorin

© hermann wakolbinger

Chronik | Oberösterreich
07/14/2019

„Wir müssen 100 Jahre vorausdenken“

Die Fichte fällt der Klimaerwärmung zum Opfer, der Wald ist in der Krise. Er ist aber ganz zentral zur Reduzierung von CO2, erklärt Landesforstdirektorin Elfriede Moser im Interview.

Elfriede Moser (50) ist seit 2015 Landesforstdirektorin. Zuvor leitete sie die Bezirksforstinspektion Perg. Sie stammt aus Grein, maturierte in Amstetten und studierte Forst- und Holzwirtschaft an der Universität für Bodenkultur.

KURIER: Was ist in unseren Wäldern los?

Elfriede Moser: Die Lage ist geprägt von der Schadholzsituation. Die Hälfte der Waldfläche sind Fichten. Die Fichte kommt wegen steigender Temperaturen und der geringeren Niederschläge in Bedrängnis. Wir haben jahrzehntelang einen sehr guten Zustand des Waldes gehabt. In den vergangenen drei Jahren ist es aber zu einer Massenvermehrung der Borkenkäfer gekommen.

Wie viel der Landesfläche ist von Wald bedeckt?

Wir haben ca. 500.000 Hektar Wald. Das sind 42 Prozent der Landesfläche.

Wie viel davon ist geschädigt?

Die Forstwirtschaft hat hundertjährige Produktionszeiträume und eine nachhaltige, jährliche Holznutzung. Wir haben in normalen Jahren rund 2,5 Millionen Festmeter Einschlag. Das ist im Vorjahr aufgrund des Schadholzes auf 3,5 Mio. angestiegen.

Die Klimaerwärmung ist seit mehreren Jahrzehnten im Gang. Warum tritt die Schädigung der Fichte so plötzlich auf?

Wir hatten mit 2017 und 2018 zwei sehr trockene Sommer. Heuer war der April sehr warm. Der erste Flug des Borkenkäfers findet im April statt.

Kann man die Schadflächen beziffern?

Da wir sehr viele Kleinstflächen haben, lässt es sich schwer sagen. Aber es sind einige tausend Hektar.

Kurzfristig muss man die geschädigten Bäume herausschneiden. Was kann man mittel- bis langfristig tun?

Die Fichte war eine Allroundbaumart. Sie ist überall gewachsen. Auf dem Mühlviertler Granit genauso wie am Kalk. Wir haben sehr gute Bewirtschaftungskonzepte gehabt und die Fichte hat für die Waldbesitzer gute Erträge geliefert, sodass die Motivation, sie zu bewirtschaften, sehr groß war. Die Fichte eignet sich vom Zellstoff bis zum Bauholz. Daraus abgeleitet hat sich auch eine starke Holzindustrie in Oberösterreich. Wir haben die doppelte Menge an Verarbeitungskapazität vom Normalholzeinschlag. Es gibt rund 250 kleinere Sägewerke und einige große. Mit Nettingsdorf und Laakirchen haben wir auch zwei Papierfabriken.

Wir müssen uns Gedanken über die alternativen Baumarten machen. Der Fichte am ähnlichsten ist die Tanne. Nadelholzalternativen sind auch noch die Lerche und die Douglasie. Darüber hinaus brauchen wir Laubmischwälder. Die Eiche ist kein Bauholz, aber für die tieferen Lagen eine alternative Baumart, die als Möbelholz dient. Wir können die Anforderungen der Wirtschaft mit dem Laubholz nicht erfüllen. Auch nicht die Buche. Wir müssen neben den ökologischen Funktionen auch die Nutzfunktion erfüllen.

Sind die alternativen Baumarten in der Lage, mit der Klimaerwärmung umzugehen?

Die Eiche ist wärmeliebend und kommt besser damit zurecht. Die Tanne ist ein Tiefwurzler und kann das Wasser aus tieferen Bodenhorizonten erschließen. Die Douglasie kommt aus einer Gegend, wo sie im Sommer sehr wenig Niederschläge hat, und sie kommt mit den geringsten Niederschlägen zurecht. Die Tanne, die Lerche und die Douglasie kann man auch für die Bauwirtschaft verwenden.

Sie versuchen, den Wald klimafest zu machen.

Ja, weil wir 100 Jahre voraus denken müssen.

In 100 Jahren soll es laut Forschern noch einmal um zwei bis vier Grad wärmer werden. Die eben genannten Bäume halten das alles aus?

Die Baumarten sind dann andere. Wir könnten dann sagen, wir nehmen die Bäume, die in Europas Süden wachsen. Aber wir haben die Frostgefährdung im Winter.

Vor zehn Tagen haben Forscher der ETH Zürich festgestellt, wenn man die bewaldete Fläche auf der Erde um 1,7 Milliarden Hektar erweitert, dann könnte man damit zwei Drittel des Kohlendioxids binden. Es wäre doch sinnvoll, wenn Oberösterreich seine Waldgebiete ausweitet.

Dann müsste man landwirtschaftliche Flächen aufforsten. Für die Produktion von einem Kubikmeter Holz spaltet der Baum 950 Gramm aus der Luft auf und speichert es in Form von Kohlenstoff im Holz ab.

Der Wald hat zwar jetzt ein Problem, aber er ist auch Teil der Lösung. Er senkt das im Wald selbst. Es ist auch im Waldboden gespeichert. Dazu kommt die Speicherwirkung durch die Holzverwendung, zum Beispiel durch die Verwendung von Holz als Dachkonstruktion oder als Holzhaus. Da ist dauerhaft gebunden. Die dritte Speicherwirkung ist die Einrechnung der Substitution, weil damit andere Stoffe wie Ziegel oder Beton ersetzt werden.

Bei der Energiebewertung ist Holz zumindest neutral. Denn wenn man Erdöl zum Heizen verwendet, wird zusätzlich in die Luft geblasen.

Das bedeutet als Konsequenz Aufforstung, Waldbewirtschaftung, Holzverwendung und Holzbau. Holz ist ein ökologischer und nachhaltiger Rohstoff. Jeder kann seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem er beispielsweise mit Hackgut oder Pellets heizt.

Klimaschutz heißt, dass jeder einzelne etwas tun muss, damit wir unsere Klimaziele erreichen. Jeder sollte ein umweltfreundliches Leben führen. Autofahren belastet beispielsweise die Luft. Auch Müllvermeidung gehört dazu.

Es gibt Gegenden, wo die landwirtschaftliche Bewirtschaftung bereits sehr schwierig ist. Da könnte man sagen, aus Sicht der -Bekämpfung könnte man diese Gebiete zuwachsen lassen.

Man muss abwägen. Die Nahrungsmittelproduktion hat ebenfalls eine CO2-Wirkung. Die kurzen Transportwege sind ein Vorteil.

Wenn man die Frage stellt, was der Einzelne für die Klimaschutz tun kann, dann kann die Verwendung von Holz empfehlen, aber auch die Bevorzugung und das Essen von regionalen Produkten. Wir brauchen die Böden auch für die landwirtschaftliche Versorgung.

Welchen Appell richten Sie aus Waldsicht an die Gesellschaft?

Wir sind grundsätzlich Forstwirte. Für uns ist die Verbindung von Ökonomie und Ökologie wichtig. Wir können die Waldbestände am besten durch Nutzung schützen. So muss beispielsweise der Schutzwald bewirtschaftet werden, damit sein Schutz gegen Erosion, Erdrutsche, Muren, Steinschlag etc. aufrecht erhalten werden kann. Die Bewirtschaftung erfolgt am besten durch den Waldeigentümer, damit er auch entsprechende Holzerlöse erzielen kann. Keine staatliche Forstaufsicht könnte leisten, was der Waldeigentümer selbst leistet. Die Waldgesinnung ist eine sehr hohe.