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Chronik Oberösterreich
11/15/2020

Wenn die Schultore am Tag der offenen Tür zu bleiben

Über die mögliche neue Schule informieren sich Kinder und Eltern Corona-bedingt hauptsächlich virtuell und übers Telefon

von Claudia Stelzel-Pröll

Zum ersten Mal durch die noch unbekannten Gänge schlendern, mit älteren Schülerinnen und Schülern ins Gespräch kommen, Experimente sehen und vielleicht sogar den Direktor oder die Direktorin kennenlernen – der Tag der offenen Tür an weiterführenden Schulen ist für alle, die wechseln, ein Highlight im Wintersemester. Aber heuer ist alles anders: Solange die Corona-Schulampel in Orange leuchtet, ist schulfremden Personen der Zutritt verwehrt.

Der Tag der offenen Tür muss also nach aktuellem Stand in gewohnter Form pausieren. Infos gibt es jetzt auf anderen Wegen, etwa virtuell oder in telefonischen Gesprächen.

Kurze Videos

„Ich führe derzeit viele Telefonate, informiere Eltern eben auf diesem Wege über unsere Schule“, erklärt Klaus Bachler, Direktor des Privatgymnasiums Kollegium Aloisianum in Linz. Ab Dezember gibt es auf der Homepage kurze Videos, in denen sich die Fachschaften vorstellen. „Außerdem verfassen unsere Erstklässlerinnen und Erstklässler gerade persönliche Briefe für alle bis dato angemeldeten Kinder. Darin schildern sie ihre ersten Erfahrungen an der Schule“, so Bachler. Der beste Zeitpunkt für die Anmeldung sei jetzt, „denn im Jänner starten wir schon mit unseren Aufnahmenachmittagen.“

Seit Freitag gibt es auf der Homepage des Akademischen Gymnasiums Linz einen virtuellen Rundgang mit Drohnenflug durchs Schulgebäude, einem Grußwort des Direktors und der Präsentation einzelner Fachschaften. „Ich bin stolz auf das, was unsere Schulgemeinschaft auf die Beine gestellt hat“, freut sich Direktor Wolfgang Zechmeister. Es handle sich um ein Gemeinschaftsprojekt von Schülerinnen und Schülern und dem Lehrkörper. „Alle waren mit großem Eifer auch in ihrer Freizeit dabei, unsere Schule virtuell bestmöglich zu präsentieren.“ Zechmeister selber führe derzeit – gegen Voranmeldung im Sekretariat – Videogespräche mit interessierten Eltern und Kindern. Im neuen Jahr folgen dann die Kennenlerngespräche.

„Ja, auch wir werden unseren Tag der offenen Tür absagen. Das tut mir persönlich leid, ich denke aber nicht, dass es dramatische Auswirkungen auf die Kinder haben wird“, sagt Michael Schneider, Direktor des BRG Hamerling in Linz. Das Wichtigste sei, dass die Familie sich gut informiere und zur Entscheidung stehe. „Man kann auch dann, wenn man einen Tag der offenen Tür besucht hat, eine Entscheidung treffen, die sich nachträglich als falsch herausstellt.“

Weiter optimistisch gibt sich der Direktor des Gymnasiums Braunau, Sebastian Plank: „Wir hoffen und planen für den Fall, dass wir im Jänner einen echten Tag der offenen Tür veranstalten dürfen. Das wäre natürlich in abgeänderter Form. Nur wenige Schülerinnen und Schüler sowie Kolleginnen und Kollegen wären anwesend.“ Natürlich bereite man sich darauf vor, die Schule virtuell zu präsentieren, „aber ich erachte den direkten Kontakt als sehr wichtig. Ich denke sehr wohl, dass den Kindern etwas fehlen würde“, sagt Plank.

Genau so sieht das auch Bertram Geigl, Direktor der HTL Wels: „Persönlich finde ich, dass so ein Tag der offenen Tür sehr wichtig ist. Aber so wie die Lage derzeit ist, könnte es schwierig werden.“ Trotzdem bereite man sich auf einzelne Führungen mit Anmeldung und Terminzuweisung vor, alles natürlich nur, wenn die Ampel nicht Orange leuchtet. „Andernfalls werden wir eine virtuelle Präsentation auf unsere Homepage stellen. Und es wird auch die Möglichkeit geben, live mit Schülerinnen und Schülern sowie dem Lehrpersonal zu chatten“, verspricht Geigl.

"Freunde sind wichtig bei der Schulauswahl"

„Dem Reality-Check vor Ort messe ich nicht allzu große Bedeutung bei. Jede Schule präsentiert sich am Tag der offenen Tür von ihrer besten Seite und es gibt keine Garantie dafür, dass der Schulalltag dann genauso stattfindet und für’s eigene Kind auch wirklich passt.“ Andreas Girzikovsky ist Leiter des schulpsychologischen Dienstes des Landes OÖ und somit selbst erfahrener Psychologe.

Eltern sollten auf jeden Fall die Möglichkeit nutzen, sich im Freundes- oder Bekanntenkreis über verschiedene Schulen zu informieren. Und die virtuellen Angebote vieler Bildungseinrichtungen würden ebenso einen guten Überblick über Schwerpunkte und Besonderheiten geben.
„Natürlich macht es Sinn, speziell bei Unsicherheit, gemeinsam mit Freunden eine Schule auszuwählen. Ein soziales Netzwerk ist sehr wichtig. Wenn man Freunde im Schulalltag hat, ist die Chance wesentlich höher, gut durch die Schule zu kommen“, so Girzikovsky.

Früher seien die Menschen auch nicht so mobil gewesen, oft wurde eine weiterführende Schule einfach von den Eltern ausgesucht, ohne die Kinder überhaupt einzubinden. „Das ist zum Glück heute anders. Deswegen sehe ich die aktuelle Situation auch entspannt. Alle Kinder werden eine passende Schule finden.“

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