Chronik | Oberösterreich
19.12.2018

Welserin verbrachte 71 Tage in türkischen Gefängnissen

Kindergartenhelferin dürfte aus Österreich in der Türkei diffamiert worden sein und wurde deshalb inhaftiert.

„Es ist sehr gefährlich. Ich rate davon ab, in die Türkei zu reisen.“ Diesen Ratschlag gibt die 48-jährige Hülya Yilmaz derzeit türkischstämmigen Österreichern, die Pläne schmieden, in das Land zu fliegen. Die dreifache, krebskranke Mutter erzählt von unhaltbaren rechtlichen Zuständen, die sie dort erfahren habe. Weil sie als Terroristin diffamiert worden sein soll, musste sie in Izmir 71 Tage unter – wie sie sagt – widrigsten Umständen in Haft verbringen. Mitte November durfte sie plötzlich und überraschend die Heimreise antreten.

Im August war die in Wels lebende Kindergartenhelferin in die Türkei gereist, um dort ihre schwerkranke Mutter im Spital zu betreuen. Drei Wochen lang half sie bei der Pflege mit. Als sie am 8. September den Rückflug antreten wollte, wurde sie am Flughafen verhaftet. Ihre drei Töchter durften ungehindert heimfliegen. Ihr wurde vorgeworfen, eine PKK-Aktivistin und Terroristin zu sein. Deshalb wurde Yilmaz in U-Haft gesteckt.

„Die Polizisten waren stolz und glücklich. Für sie war ich eine gefährliche Terroristin“, schilderte die Welserin, die in Österreich für Frauen- und Menschenrechte und auch gegen den türkischen  Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan demonstriert hat.

Drei Tage vor ihrer Heimreise habe es aus Wels die telefonische Anschuldigung bei den türkischen Behörden gegen sie gegeben, erklärten ihr die Polizisten. „Sie haben mich gefragt, ob ich PKK-Obfrau in Österreich bin und wollte von mir Namen erfahren“, erinnerte sich Yilmaz in einer Pressekonferenz mit den Welser Grünen und Extremismusexperte Thomas Rammerstorfer. Alle Vorwürfe seien völlig unbegründet und unbeweisbar gewesen, erklärte die 48-Jährige.

Harte HaftVor allem die 68-tägige Schubhaft sei für sie sehr hart gewesen. Es habe an sauberer Bettwäsche gefehlt, an Warmwasser und Medikamenten. Sie habe gegen die ungerechte Behandlung gekämpft und  zudem einen sehr engagierten Anwalt gehabt, erklärte Yilmaz.

Enttäuscht ist sie auch von heimischen Behörden, weil von der Botschaft niemand mit ihr Kontakt aufgenommen habe. Für Rammerstorfer ist zudem „widerwärtig“, dass Yilmaz nach ihrer Heimkehr in Wels über Auftrag der Staatsanwaltschaft vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) einvernommen wurde. Gegen sie wurde ein Verfahren wegen  Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung eingeleitet.

Über Yilmaz wurde in der Türkei ein einjähriges Einreiseverbot verhängt.  Unter den derzeitigen Umständen habe sie aber ohnehin nicht vor, in die Türkei zurückzukehren, versicherte sie.