Bürgermeister Andreas Rabl

© Hermann Wakolbinger

Chronik Oberösterreich
09/27/2020

„Wels bietet der Digital-Uni auch Campuslösung an“

Bürgermeister Andreas Rabl will die neue Digital-Universität nach Wels bringen, um damit österreichweit der Hotspot der Technik zu werden.

von Josef Ertl

Andreas Rabl (48, FPÖ) ist seit 2015 Bürgermeister der Stadt Wels, die mit 62.500 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Oberösterreichs ist.

KURIER: Wels bewirbt sich als Standort für die neue Digital-Universität. Glauben Sie, dass Sie mit den angebotenen 10.000 Quadratmetern für die Uni, ein Studentenheim und ein Start-up- und Forschungszentrum tatsächlich eine Chance gegen Linz haben?

Andreas Rabl: Diese drei Grundstücke sind erweiterbar. Wir können weitere Grundstücke erwerben, um Campuslösungen zu schaffen. Wir haben Platz ohne Ende, innerhalb oder außerhalb des Stadtzentrums. Je nach dem, was man will.

Eine Campuslösung hat vermutlich bessere Chancen einer Realisierung.

Das glaube ich auch. Diese Erweiterungslösungen gibt es. Wenn es eine Campuslösung braucht, werden wir mit den Grundeigentümern reden. Eine realistische Chance haben wir aber nur dann, wenn es einen fairen Ablauf gibt. Bei der Gründung der Linzer Medizinfakultät hat es eine Kommission gegeben, in der sechs Professoren vertreten waren, weiters ein Vertreter des Bundes, des Landes, der Stadt Linz und ein Vertreter der Kepleruniversität. Wenn die neue Gründungskommission wieder so zusammengesetzt ist, haben wir keine realistische Chance. Denn weder die Stadt Linz noch die Kepleruniversität werden für Wels votieren. Mein dringender Appell ist, dass auch Wels einen Sitz in der Gründungskommission hat. Damit wir darlegen können, was wir bieten und man vergleichen kann, was Linz anbietet. Wir wollen Fair Play.

Bei der Medizinfakultät zahlen alle Gemeinden des Landes mit. Das kann man argumentieren, weil die Absolventen als Ärzte in die kleinen und großen Gemeinden kommen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass sie für die Digital-Uni zahlen.

Laut Aussage des Landeshauptmanns gibt es eine gemeinsame Arbeitsgruppe des Landes mit dem Wissenschaftsministerium. Da ist Wels nicht dabei?

Nein. Es geht mir primär nicht darum, wo wir drinnensitzen, sondern darum, dass wir Zugänge haben. Wir wollen die gleichen Zugänge haben wie Linz. Wir reden ständig über Regionalisierung und Dezentralisierung, über umweltbewusstes Handeln im Verkehr und kaum bietet sich eine Stadt an mit Grundstücksmöglichkeiten 100 Meter vom Bahnhof entfernt, dann wird sofort abgeblockt.

Fühlt sich Wels generell gegenüber Linz benachteiligt?

Ja, wir sind in den vergangenen Jahren zur Seite gedrückt worden.

Woran machen Sie das fest?

Es gab die Achse Pühringer-Dobusch, die sehr viel für Linz gemacht hat. Das betrifft nicht nur die Kultur mit dem Musiktheater, sondern auch den Ausbau der Universität und die Zuweisungen von Geldern. Linz hat wesentlich mehr bekommen als Wels, auch wenn man die Bevölkerungsanzahl und die Finanzkraft berücksichtigt.

Linz beklagt sich aber, dass es vom Land benachteiligt wird.

Das stimmt, wenn man Linz mit anderen Kleingemeinden vergleicht. Es stimmt aber nicht, wenn man Linz mit Wels vergleicht. Wir fühlen uns zur Seite geschoben.

Ich darf Sie mit der Meinung eines Welser Beobachters konfrontieren, der meint, dass Sie in den ersten drei, vier Jahren viel in Wels reformiert haben, aber im vergangenen Jahr sei eine gewisse Stagnation eingetreten.

Diese Kritik ist nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man neu in ein Haus kommt, dann ist am Anfang der Reformbedarf am größten. Ein Beispiel ist die Magistratsreform, die jetzt umgesetzt ist. Sie wird weiter abgearbeitet, zum Beispiel in der Umsetzung von elektronischen Akten. Die Reformen werden im Hintergrund weiter umgesetzt, aber im Stillen, weshalb sie der Bürger nicht mehr so merkt.

Das Budget der Stadt hatte im Vorjahr einen Überschuss von 18 Millionen Euro. Wir haben die Schulden auf 14 Millionen reduziert, bei 40 Millionen Rücklagen. Das zeigt schon, was die Reformen alles bewirkt haben. Wir investieren weiter in die Sanierung und das in Ordnung-Bringen der Stadt. Das Haus ist wieder ordentlich bestellt.

Wels war von 50 Jahren als Einkaufs- und als Messestadt bekannt. Welche Vision verfolgen Sie, wohin soll sich Wels entwickeln?

Wir haben in der Stadt einen sehr starken Fokus auf Technik. Wir haben hier Unternehmen, die am Weltmarkt führend sind, von Fronius bis TGW und Trodat. Mit der technischen Fachhochschule haben wir ein weiteres Asset. Die meisten technischen Abgänger in ganz Österreich kommen von unserer Fachhochschule. In diesem Bereich muss unser Schwerpunkt bleiben, wir haben hier schon Voraussetzungen geschaffen. Das Welios, das den Kindern den Zugang zur Technik erleichtern soll, ist ein weiterer Schritt.

Digitalisierung findet jetzt schon in Wels statt. Die Mechatronik und die Robotik sind bereits jetzt Studiengänge an der Fachhochschule. Wir haben in Wels bereits jetzt mehr Digitalisierung als in Linz. Wir wollen Wels einen ganz starken technischen Schwerpunkt geben und sagen, wir sind der Technik-Cluster in Österreich.

Ihre FPÖ hat den hohen Anteil an Zuwanderern in Wels stets kritisiert. Laut aktuellem Integrationsbericht der Bundesregierung liegt der Anteil der Schüler mit nicht-deutscher Muttersprache in den Pflicht schulen bei rund 70 Prozent. Erschwerend kommt dazu, dass der Anteil der Volksschulen, an denen die Schüler einen sehr hohen Förderbedarf haben, bei 82 Prozent liegt. Das ist der höchste Prozentsatz in Österreich. Was haben Sie in ihren fünf Jahren als Bürgermeister gemacht, um die Integration voranzubringen?

Die 70 Prozent bedeuten nur, dass die Schüler eine andere Sprache als Muttersprache haben. Das sagt noch nichts über die Deutschkenntnisse der Kinder aus. Wir haben in dem Bereich, wo wir als Stadt tätig sein können, also im vorschulischen Bereich, massiv die Sprachförderung in den Vordergrund gerückt. Verbunden mit dem Wertekatalog, indem wir den europäischen Wertekanon festgeschrieben haben.

Zur Sprachförderung haben wir die Kinder in Kleinstgruppen mit zwei, drei Kindern zusammengefasst und wir haben dafür 40 Sprachpädagogen im Einsatz. Wir schaffen es, dass die Kinder nach zwei, drei Jahren im Kindergarten ausreichend Deutsch für die Schule sprechen. Das gelingt nicht, wenn das Kind nur ein Jahr im Kindergarten ist. Deshalb plädiere ich für ein zweites, verpflichtendes Kindergartenjahr. Und für ein drittes für alle, die nicht ausreichend Deutsch sprechen. Damit man mit dem Kind entsprechend arbeiten kann.

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