Viele Tätowierer arbeiten illegal

Tätowierer Linz
Foto: honorarfrei/Pixelatelier.at Tätowierer Linz

Bereits ein Viertel der 16- bis 30-Jährigen trägt Tattoos – Die gesellschaftliche Akzeptanz steigt.

"In letzter Zeit sind in meinem Umkreis sieben illegale Tätowierer gestraft worden." Siegfried Scheuchl (56) ist Sprecher der Tätowierer in der oberösterreichischen Wirtschaftskammer. Österreichweit verfügen 602 Tätowierer über einen aktiven Gewerbeschein, 108 davon arbeiten in Oberösterreich. Die Zahl der illegalen Tätowierer ist allerdings sehr hoch. Die meisten kommen aus Ungarn und Tschechien. "Wer erwischt wird, zahlt eine Geldbuße und sticht dann wieder munter weiter", weiß Scheuchl aus Erfahrung. Wie hoch die Zahl der Illegalen ist, ist unbekannt.

Gesundheitsrisiko

Illegale Studios fügen den Tätowierern mit Gewerbeschein einen finanziellen Schaden zu. Zum Verdienst- und Steuerentgang kommt das Gesundheitsrisiko der Kunden durch schlechte Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen. Scheuchl: "Es müssen immer Einwegnadeln und Einweghandschuhe verwendet werden. Das ist bei Tätowierern ohne Gewerbeschein nicht garantiert. Es häufen sich daher die Fälle von Infektionskrankheiten, wie HIV oder Hepatitis. Dringen Bakterien an der Stelle des Tattoos in den Körper, kann es dort auch zu Rötungen, Schwellungen, Wundinfektionen oder Juckreiz kommen. Außerdem gibt es keine Hinweise für die Tattoo-Pflege."

Vorsicht ist auch bei den Farben geboten. "Wer sich tätowieren lässt, soll im Studio eine Information über die Zusammensetzung und den Farbenerwerb des Betreibers verlangen. Farben mit schädlichem Nickelzusatz können verschiedene allergische Reaktionen hervorrufen. Manche Farben, vorwiegend aus dem Internet, beinhalten krebserregende Stoffe. Da illegale Tätowierer meist im Internet die Farbe bestellen, können sie keine Infos über ihre Produkte vorweisen", so Scheuchl.

Die Tattoo-Akzeptanz steigt permanent. Das bestätigt eine IMAS-Studie von April/Mai 2016. Demnach sind in Österreich bereits circa 25 Prozent der 16- bis 30-Jährigen tätowiert. "Zur Zeit kommen von der Frisörin über den Doktor bis hin zum Rechtsanwalt alle zu mir ins Studio. Als ich 1985 in Linz Österreichs erstes offizielles Tattoo-Studio eröffnet habe, sind Tätowierte meistens noch als Banditen eingestuft worden", sagt Scheuchl.

Besonderer Status

Igor Eberhard forscht am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien zum Thema Tätowierungen. Es gebe viele Gründe dafür, denn ein Tattoo auf der Haut sei ein tief gehendes menschliches Bedürfnis, erklärt der Anthropologe. "Oftmals ist es ein Zeichen für die Verbindung mit etwas Göttlichem oder ein Hinweis dafür, dass Jugendliche bereit sind, erwachsen zu werden. Außerdem kann damit das Erreichen eines besonderen Status zum Ausdruck gebracht werden."

Tattoos hat es bereits in der Jungsteinzeit gegeben. Die Gletschermumie "Ötzi" ist ein Beispiel dafür. "Forscher haben festgestellt, dass er mehrfach tätowiert war." Allerdings primär aus medizinischen Gründen. Im Laufe der Zeit wurde vor allem das Protestpotenzial von Tattoos bedeutend. "Es kann durch die Stellenwahl und das Motiv zum Ausdruck gebracht werden. Die Grenzen verschieben sich jedoch immer mehr, da die Zeichnungen in Richtung Mainstream gehen. Mit Tätowierungen auf Händen oder am Hals fällt man jedoch heute noch immer auf."

Zeichen des Protests

Ein historisches Beispiel für Protest stammt aus der Sowjetzeit. In der UdSSR haben sich Strafgefangene ein Hakenkreuz einritzen lassen. "Das war in diesen Zeiten der absolute Affront. Tattoos sind ein sehr klares Bekenntnis zu einer Gruppe, weil sie sich kaum entfernen lassen." Heute entstehen Motive oft in Verbindung mit Grafikern.

(kurier) Erstellt am
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