Chronik | Oberösterreich
23.09.2017

Verdächtigem könnten zwei Verfahren blühen

Doppelmord in Linz-Urfahr: Ankläger warten auf Gutachten.

Nach dem Doppelmord an dem betagten Ehepaar Siegfried (87) und Hildegard S. (85) Ende Juni in Linz-Urfahr ist die Anklagebehörde weiter auf Warteposition. Wie der KURIER erfuhr, könnte die Staatsanwaltschaft im Hintergrund gleich zwei Prozesse gegen den tatverdächtigen Tunesier Mohamed H. ins Auge fassen. Dem geständigen 54-Jährigen, der das ihm gut bekannte Paar getötet haben soll, könnten die Anklage wegen Doppelmordes und davon abgekoppelt ein Terror-Prozess blühen.

Wie die Polizei und Innenminister Wolfgang Sobotka einige Tage nach der Tat kundtaten, soll H. über soziale Medien die Nähe der Terrormiliz IS gesucht haben. Auch dem IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi soll er über das Internet gehuldigt haben.

Der in Untersuchungshaft sitzende Tatverdächtige behauptet gegenüber seinem Pflichtverteidiger weiter, aus aufgestautem Zorn auf seine Opfer losgegangen zu sein. Sein Mandant habe nicht damit gerechnet, dass ihm 20 Jahre Haft oder gar die lebenslange Einweisung in eine Anstalt drohen, berichtet der Linzer Anwalt. "Einen Zusammenhang mit dem IS streitet er aber weiterhin konsequent ab", sagt der Jurist. Die Möglichkeit einer zweigeteilten Anklage, sei ihm gegenüber erwähnt worden, "fixe Entscheidungen sind mir aber nicht bekannt", meint der Anwalt.

Psycho-Gutachten

Philip Christl, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Linz, will eine Verfahrensteilung weder bestätigen noch ausschließen. "Für weitere Entscheidungen fehlen die Gutachten", erklärt er. Bis Mitte Oktober wird das psychologische Gutachten der Linzer Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner erwartet.

Auch der Bericht des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sei noch ausständig, betont Christl. "Wenn es zwischen den Abschlüssen der beiden Gutachten große Zeitabstände gibt, ist eine Verfahrensteilung durchaus möglich", meint der Ankläger.

Klar im Zentrum stehe für die Staatsanwaltschaft der Doppelmord. "Direkte Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund haben wir bislang nicht", führt Christl weiter aus.