Chronik | Oberösterreich
02.07.2017

"Ungebetene Gäste" als Festivalthema mit Esprit

Zeitgenössisches Festival von Europa-Format nützt Stadtgeschichte als perfekte Bühne.

Soll jetzt die Kunst kommen oder dort bleiben, wo der Pfeffer wächst? Die Frage, die den Marchtrenkern im Vorfeld des diesjährigen"Festivals der Regionen" gestellt worden war, ist beantwortet. 200 Künstler aus 26 Ländern haben sich des Festivalthemas "Ungebetene Gäste" angenommen. 32 Kunst- und Kulturprojekte bereichern mit außergewöhnlichen Sichtweisen, schrägen Zugängen, humorvollen Metaphern, aber auch harten Ansagen die so aktuelle Thematik des Fremdseins, des Kommens und Gehens.

Bis zum nächsten Sonntag öffnet die 13.000 Einwohnerstadt Marchtrenk tausenden Besuchern seine Geschichte und so manche intime Geheimnisse seiner Bewohner. Mit der Festrede der Journalistin und Historikerin Sibylle Hamann und der Premiere des Stücks "Hymn to Love" der Polin Marta Gornicka bot gleich der freitägige Eröffnungstag beeindruckende Höhepunkte."Ungebetene Gäste sind eine Zumutung. Aber eine furchtbare Zumutung. Sie zwingen einen dazu, das eigene Haus mit fremden Augen zu sehen", lud Hamann zu konkreten Gedanken zum Festivalthema ein.

Dass hinter alltäglichen Nebensächlichkeiten oder Ärgernissen sehr individuelle Schicksale stecken können, beweisen Corina Forthuber und David Six. Für ihr "Museum der ungebetenen Geschenke" erbaten sie von den Marchtrenkern Geschenke, die keine Freude bereiteten. Im Containermuseum auf dem am Kirchenplatz eingerichteten Festivalgelände erzählen gespendete Objekte, vom kitschigen Seifenspender bis zum ausgestopften Marder, interessante und witzige sozialhistorische Geschichten.

An 15 Standorten quer durch die Stadt werden die unterschiedlichsten Projekte präsentiert. Sie konfrontieren die Bevölkerung mit ihrer Immigrantengeschichte.

Zuzugsort

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich der Durchzugsort zwischen Wels und Linz zur Zuzugsgemeinde. Vor allem die vertrieben Volksdeutschen siedelten sich hier an. Binnen weniger Jahre verdoppelte sich die Marchtrenker Einwohnerzahl. "Die Zuzügler hatten es nicht immer leicht und mussten auch mit Ablehnung fertig werden", schildert Festivalleiter Gottfried Hattinger den Bezug zum Thema.

In einem der zahlreichen kurzfristig eingerichteten Museen wird anhand von Schaustücken das Leben der Zuzügler dokumentiert. Ziegelpresse, Dressen des eigenen Fußballklubs oder ihr Geschirr vermitteln Zeitgeschichte.

Willi Dorner präsentiert beeindruckende Bilder eines "choreografischen Spaziergangs" zu den Zuwanderer-Siedlungen, das "Klingende Haus" mit nicht alltäglichen Tönen von Gebrauchgegenständen, die schnorrende Wanderuni oder das "Running Light" von Miriam Hamann am Wasserturm sind nur einige Blitzlichter aus dem interessanten Kulturangebot.www.fdr.at