Mit Sprüchen wie „Linz ist ein bisschen rassistisch“ und zweideutigen Bildern polarisiert das Video.

© Linz Tourismus Forafilm

Chronik Oberösterreich
08/12/2021

Umstrittenes Linzer Werbevideo: "Nicht Politik, sondern Zielgruppe zählt“

Vor einer Woche veröffentlichte Linz Tourismus ein neues Video. Der Stadt gefällt es nicht. Am Mittwoch wurde diskutiert.

Es scheidet die Geister: die einen lieben es, die anderen hassen es – das neue Imagevideo des Linz Tourismus. Selbstironisch wird darin über die eigene Stadt hergezogen. Während es international viral geht, sind die Politiker vor Ort von dem Video jedoch alles andere als begeistert (der KURIER berichtete), weshalb die Linzer Universität Mittwochabend zur Podiumsdiskussion lud. Beteiligte sowie Experten legten dabei ihre Sicht der Dinge dar.

Die Motivation der Videomacher Sinisa Vidovic und Dinko Draganovic (Forafilm) sei gewesen, „etwas Mutiges, etwas Anderes zu machen“. Sie wollten mit Selbstironie, Charme und Humor zeigen, „dass wir cooler sind als ein normaler Imagefilm“. Mit dieser Reichweite hätten sie jedoch nicht gerechnet: Mit Donnerstagnachmittag verzeichnete es auf Youtube 299.719 Klicks.

Vor gut einer Woche, am 4. August, wurde das Video von Linz Tourismus veröffentlicht – in Absprache mit dem Aufsichtsrat.

Seither hat es auf der Internetplattform Youtube 299.719 Klicks (Stand Donnerstagnachmittag) erreicht. Im Minutentakt werden es mehr.

2.54 Minuten lang ist das Image-Video des Linz-Tourismus, das derzeit die Geister scheidet.

Bereits am ersten Tag sagte Tourismusdirektor Georg Steiner, es hebe ab „wie eine Rakete“. Am Mittwoch hob er hervor, dass die Rückmeldungen in den sozialen Medien überwiegend positiv seien.

Reden ist Gold

Peter Binder, der in Vertretung von Bürgermeister Klaus Luger (beide SPÖ) debattierte, machte hingegen andere Erfahrungen. Die Stadt sei mit vielen negativen Kommentaren konfrontiert. Das Video sei gut gemacht, doch am Schluss blieben Klischees über, die nicht originär auf Linz zurückzuführen seien und auch die positive Auflösung nach all den – ironisch gemeinten – negativen Schlagworten gelinge nicht. „Über die Verhältnismäßigkeit hätte man reden sollen“, wandte Binder ein. Der Film passe nicht zum Image, das man für Linz erarbeiten wolle. Es wäre fair gewesen, zuerst mit der Stadt das Gespräch zu suchen.

Denn seit eineinhalb Jahren arbeitet die Stadt – unter anderem mit dem Linz Tourismus – an einem gemeinsamen City-Branding-Prozess. Wie Bürgermeister Luger gleich nach Erscheinung anklingen ließ, passe das neue Video da so gar nicht dazu.

Emotional

„Es war ein Turbo für das Video, dass der Bürgermeister so einsteigt“, sagte Steiner, der das Video letztendlich in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat veröffentlichen ließ. Es gehe nicht darum, die Stadt touristisch hinzudesignen sondern in Wert zu setzen. Er stehe zu dem Film, sagt Steiner.

Für Marketing-Professor Christoph Teller ist es irrelevant, ob der Politik das Video gefällt. „Der Zielgruppe muss es gefallen.“ Freilich werde der „Nationalpatriotismus ein bisserl verletzt“; die Art und Weise wie das Video funktioniert, bediene sich des Humors und der Satire. So erreiche man Emotionen und eine Zielgruppe, die sonst nicht so involviert sei. Provokation habe immer etwas bewirkt, warf Kuratorin Maren Richter ein.

Ob die Zielgruppe – laut Steiner „alle Neugierigen“ – erreichen wird, werde sich erst in den Buchungen der kommenden Monate zeigen, sagte die Linzer-City-Ring-Managerin Ursula Fürstlberger-Matthey. Wobei Teller zu bedenken gab, dass die Menschen nicht allein wegen eines Videos in die Stadt kommen. Dazu bedürfe es eines wohlabgestimmten Maßnahmensets, von dem das Video nur ein Teil sei.

Printsujets folgen

Kira Schinko, Geschäftsführerin des Designstudios OrtnerSchinko, brach eine Lanze für die Diversität in der Werbung, forderte die Politik auf, der Kreativwirtschaft Raum zu lassen, und prognostizierte einen Erfolg – immerhin spreche jeder über das Video –, während es für den Markenexperten Thomas Börgel nicht zum Markenkern der Stadt passt. Schinko wünschte sich von Luger zum Video das Bekenntnis: „Ok, es ist nicht mein Humor, aber es ist auch Linz“.

Vidovic kündigte an, dass dem Video nun Printsujets folgen werden, die auch eine positive Auflösung in Form eines Textes hätten.

„Die Aufmerksamkeit ist da. Jetzt heißt es nicht stehen bleiben, sondern zeigen, was Linz wirklich zu bieten hat“, sagte Konsumentenforscher Claus Ebster kürzlich in einem KURIER-Interview.

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