Chronik | Oberösterreich
24.12.2011

Trend zur Zentralisierung hält an

Der Speckgürtel rund um Linz wird in den nächsten 25 Jahren weiterwachsen. Die Randregionen werden noch stärker verlieren.

Der Zentralisierungsprozess, der seit Jahren in Oberösterreich im Gange ist, wird auch die nächsten Jahrzehnte anhalten. Das zeigen die Berechnungen der Statistiker des Landes (siehe Grafiken).Die Randregionen  im Mühlviertel, der Sauwald im Bezirk Schärding, der nördliche  Teil des Bezirkes Grieskirchen und die alpinen Regionen im Inneren Salzkammergut und im Pyhrn/Priel-Gebiet werden weiterhin  Verlierer sein.  Dagegen werden die Umlandbezirke der Städte Linz, Wels und Steyr eine starke Zuwanderung verzeichnen.  Ihre Bevölkerung wird in den nächsten 25 Jahren um mehr als 15 Prozent steigen. „Die Menschen wandern Richtung Arbeitsplatz.  Sie siedeln sich um die Städte an, denn dort sind die Baugründe noch erschwinglich“, sagt  Michael  Schöfecker, der die  Bevölkerungsbewegungen studiert. Der Speckgürtel rund um Linz weitet sich immer mehr aus.

Altersproblem

Zu den Gewinnern werden auch die Gemeinden entlang der S 10 gehören, die in Bau ist und die Freistadt vierspurig mit Linz verbindet. „Der Bau macht sich jetzt schon in Bevölkerungszuwächsen bemerkbar“, so Schöfecker. „Das Um und Auf ist die Verkehrserschließung. Der Straßenbau ist ganz entscheidend. Denn dann  kommen die Betriebsansiedelungen und damit die Bewohner.

Der Hauptgrund für die Abwanderung in den Randregionen ist das Wegziehen der Jungen. Das verstärkt die demografisch Alterung, denn die älteren Menschen bleiben zurück.  Es ist eine Spirale nach unten im Gang. In einzelnen Gemeinden müssen wegen der mangelnden Schülerzahl  Schulen  geschlossen werden, die Schüler  sind gezwungen, in Nachbargemeinden zu pendeln.   Das verführt die   Heranwachsenden zusätzlich, den Heimatort zu verlassen. „Wenn man die Schulen zusperren würde, gibt es noch mehr Landflucht Richtung Stadt“, so Schöfecker.  Dazu kommt das Pflegeproblem. „Die zurückgebliebenen Älteren müssen versorgt werden.  Wer wird sich  um sie kümmern?“

Staus werden zunehmen

Mit der Zentralisierung Oberösterreichs wächst auch das Verkehrsproblem. Heute pendeln täglich bereits rund 100.000 Arbeitende nach Linz ein. Staus gehören zum Alltag. Sie werden sich noch verschärfen. Denn die Autobahnen und Straßen sind gut ausgebaut, die Arbeitnehmer nehmen Anfahrtswege von bis 45 Minuten in Kauf. Das sind Strecken von rund 50 Kilometern rund um Linz. Das Pendeln erklärt auch, warum beispielsweise die Arbeitslosigkeit im Bezirk Rohrbach sehr niedrig ist, obwohl es vergleichsweise wenig Betriebe gibt. Wird der Linzer Westring tatsächlich gebaut, wird das Einpendeln der Mühlviertler nach Linz leichter und der Abwanderungsprozess im Bezirk Rohrbach könnte gebremst werden.Ist die Abwanderung aus den peripheren Regionen ein unumkehrbarer Prozess? Schöfecker meint, dass dies kein vergeblicher Kampf sein muss. Denn immer wieder gelinge es, Betriebe in Randgebieten anzusiedeln. Als Beispiel nennt er die Firma Greiner Bio One, die in Rainbach bei Freistadt einen neuen Standort mit 300 Beschäftigten eröffnet hat.

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