Offenes Ohr beim Tag der Arbeitslosen in Linz: Wirtschaftslandesrat Michael Strugl.

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Chronik | Oberösterreich
04/30/2014

„Herr Landesrat, mich nimmt keiner mehr“

Politiker standen Jobsuchenden beim „Speed-Dating“ Rede und Antwort

Es hat schon etwas Komisches, wenn Oberösterreichs schwarzer Wirtschaftslandesrat vor einem ÖGB-Transparent steht, als mache er Werbung für die Gewerkschaft. Beim Tag der Arbeitslosen am Mittwoch auf dem Luther-Platz in Linz, den der ÖGB gemeinsam mit Volkshilfe, Sozialplattform und kirchennahen Initiativen organisiert, ist Michael Strugl dennoch nicht auf verlorenem Posten.

Im Gegenteil: Zahlreiche Passanten und Jobsuchende nutzen die Gelegenheit für ein Blitzgespräch mit dem ÖVP-Politiker, der Anzug und Krawatte gegen Jeans und einen leichten Pulli getauscht hat. „Herr Landesrat, mich nimmt keine Firma mehr, da kann ich noch so viele Kurse machen“, klagt ein Herr Mitte 50 sein Leid. Einen Job kann ihm Strugl nicht anbieten, Aufmerksamkeit und guten Rat sehr wohl.

Zuhören

Genau darum ging es bei den „Speed-Datings“, für die sich neben Strugl auch Soziallandesrätin Gertraud Jahn , EU-Abgeordneter Josef Weidenholzer (beide SPÖ), Oberösterreichs Arbeiterkammer-Präsident Johann Kalliauer, Landtagsabgeordnete, Linzer Stadtpolitiker und AMS-Landesgeschäftsführerin Birgit Gerstorfer zur Verfügung stellten. „Ich bin vor allem zum Zuhören hier und ich glaube, dass ich einiges zum Nachdenken für meine tägliche Arbeit mitnehmen kann“, meint die Chefin des Arbeitsmarktservice.

In Oberösterreich waren Ende März mehr als 37.000 Menschen arbeitslos gemeldet, fast elf Prozent mehr als noch im Vorjahr. „Die Jungen haben keinen Job und die alten keinen mehr“, lautet der Befund von Günter Lahr. Der Obmann des Vereins AhA – Arbeitslose helfen Arbeitslosen wurde Ende der 1990er selbst arbeitslos, jetzt ist er in Pension. „Wenn man mit 45 oder 50 den Job verliert, dann wird es verdammt schwer. Das kann auch eine Beziehung zerstören, weil man plötzlich von seinem Partner abhängig ist.“ Deshalb zeige AhA arbeitslosen Menschen durch Erfahrungsaustausch neue Perspektiven auf und stärke ihr Selbstwertgefühl. Auch Fortbildung, zum Beispiel Computerkurse für ältere Personen, bietet der Verein an.
Ums Sichtbarmachen von Arbeitslosigkeit geht es Alois Wiesmayer, der schon länger keinen Job hat. „Arbeitslose brauchen ein Sprachrohr.“ Die gute Nachricht für ihn: Im ÖGB-Landesvorstand soll schon bald ein Sitz für einen Arbeitslosenvertreter eingerichtet werden.

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