Chronik | Oberösterreich
24.06.2018

„Sie war ein Sonnenschein“

Trauer um Brigitte Turecek, die einem Kopftumor erlegen ist.

Karl Turecek ist gebrochen. 15 Kilogramm hat der Linzer Journalist a.D. (71) abgenommen, als er und seine Frau im September 2017 erfahren haben, dass sie an Kopftumor erkrankt ist. Neun Monate später, am 9. Juni 2918, ist Brigitte im 69. Lebensjahr verstorben.

Am 13. September waren die beiden laufen gewesen. „Brigitte sagte, ich bin schwindlig. Ich antwortete ihr, schau’ doch auf unser Geburtsdatum, jeder Dritte ist in unserem Alter schwindlig. Das Hausarzt sagte, lassen wir ein Kopfröntgen machten. Es wurden Metastasen im Gehirn festgestellt. Ein Kopftumor der allerschlimmsten und tödlich sten Sorte.“ Er sass so tief, dass er inoperabel war.

Im Rollstuhl

Im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern erhielt sie 30 Bestrahlungen und machte Chemotherapien, die sie gut wegsteckte. Im Jänner machten sich dennoch Ausfälle bemerkbar, sie konnte sich nicht mehr alles merken, die Stabilität ließ in dramatischer Weise nach. Karl betreute sie so gut er konnte. Er hob sie vom Bett in den Rollstuhl und vom Rollstuhl in den Leibstuhl. „Wir haben geglaubt, dass wir zu jenem einen Prozentsatz von einer Million gehört, wo die Überlebenszeit etwas länger dauert. Aber das Schicksal war unerbittlich. Brigitte hat das Ausrinnen ihres Lebens so erdulden müssen, wie es gekommen ist. Sie konnte zum Schluß nicht einmal den kleinen Finger heben.“ Karl kommen die Tränen.

Ganz zum Schluß war Karl mit ihrer Pflege überfordert. „Sie hatte durch das Cortison offene Arme und Beine. Wir mussten ins Spital.“ Die letzte Woche verbrachte sie auf der Palliativstation der Elisabethinen. Am Montag wurde sie eingeliefert, am Samstag ist sie gestorben.

Dabei waren Brigittes Eltern mehr oder weniger pumperlgesund. Ihre Mutter wurde 90 und hat nach einem Monat im Altersheim Leonding entschieden, es freut sie nicht mehr. Sie legte sich zur Seite und starb. Brigitte erfuhr hingegen schon als Fünfjährige, was Krankheit heisst. Sie hatte eine schwere Gehirnhautentzündung, das Eiter trat über ihren Oberarm aus. Es blieb eine große Narbe. „Sie wurde damals mit Cortison und Penicillin zugeschüttet. Womöglich war das eine Ursache für den Kopftumor, denn kein Mensch weiss, woher er kommt.“ Sie hatte nach der Gehirnhautentzündung lediglich Grippe und eine Mandelerkrankung. „Ich weiss nicht, ob sie in den 37 Jahren, die sie bei den Oberösterreichischen Nachrichten gearbeitet hat, 14 Tage Krankenstand zusammengebracht hat.“ Sie war eine große, starke, stattliche und schöne Erscheinung. Zehn Jahre war sie in Pension. Karl ging in Altersteilzeit, damit die beiden die späten Jahren gemeinsam genießen konnten.

Tochter in Dresden

Karl und Brigitte haben eine Tochter, die seit 20 Jahren in Dresden verheiratet ist. Sie hatte in Linz Betriebswirtschaft studiert und lernte bei ihrem Arbeitgeber Porsche Austria einen deutschen Rallyefahrer kennen, der ein Fahrzentrum bei Dresden leitet. Die beiden haben Zwillinge im Alter von 21 Jahren: Lukas und Selina.

„Das bedeutet für mich, dass ich völlig alleine bin, denn in meinem Alter hat man kaum mehr Verwandte.“ Sein älterer Bruder ist vor drei Jahren 86-jährig verstorben. Karl hat noch eine 63-jährige Stiefschwester, „denn meine Mutter ist verstorben, als ich fünf war“. Die Stiefschwestern kümmert sich um ihn.

Als Karl und Brigitte geheiratet haben, war er 19 und sie 17. „Ich musste noch die Unterschrift der Eltern einholen.“ Am 21. Juli hätten sie ihren 51. Hochzeitstag gefeiert. „Wir mussten heiraten, weil die Tochter unterwegs war. Damals wäre es in Leonding undenkbar gewesen, nicht zu heiraten. Die Großeltern haben sich dann um die Tochter umg’schaut, weil wir dazu gar nicht in der Lage waren. Wir hatten gar nichts. Sie bekam eine Lehrlingsentschädigung und ich habe damals bei den Oberösterreichischen Nachrichten auch keine Reichtümer verdient. Das Geld reichte bis zum 15,, 20. des Monats, dann mussten wir halt Nudeln essen. Wir hatten eine sehr schwere Zeit. Durch Intervention ihres Vaters haben wir in einem Gemeindebau eine Mansardenwohnung bekommen. Brigitte musste die Hausmeisterin machen. Wir sind aus dem Nichts gekommen, das war auch mit ein Grund, warum die Ehe 50 Jahre gehalten hat. Brigitte war ein Sonnenschein. Ihr ganzes Eheleben hat sie immer nur vom Karl gesprochen. Der Karl, der Karl, der Karl.Der pathetische Begriff wunderbare Frau ist bei ihr voll zugetroffen.“