Chronik | Oberösterreich
31.12.2017

Salome, Geliebte des Salzburger Erzbischofs, flüchtete nach Wels

Ein Besuch in Ovilava, der Hauptstadt der römischen Provinz Norikum.

Ausgangspunkt unseres Spaziergangs ist die Alte Burg. Der winterlich ruhige Burggarten verrät heute nicht viel über die wechselvolle Geschichte. Die Freundschaft zur Welser Adelsfamilie der Pollheimer hat Kaiser Maximilian des Öfteren an diesen Ort in Wels geführt. Er hat die schon ab dem 12. Jahrhundert im Besitz der Habsburger befindliche Burg ausgebaut und ist hier auch am 12. Jänner 1519 gestorben. Heute befindet sich das Stadtmuseum in den historischen Räumlichkeiten.

Ein Durchgang führt auf kurzem Weg zum mittelalterlichen Stadtplatz. Über ein markant bemaltes Eckhaus, dem sogennanten Hoffmannschen Freihaus, erzählt die Fremdenführerin Inge Hörmandinger: "Hier wohnte Salome Alt mehrere Jahre mit ihren sechzehn Kindern. Sie war die Geliebte des Salzburger Fürsterzbischofs Wolf Dietrich. Dieser wurde von den verfeindeten Bayern gefangen genommen, Salome musste Salzburg verlassen und flüchtete nach Wels." Ein bewegtes Schicksal hinter historischen Mauern. Wenige Meter weiter – dem Hauptplatz nach Westen folgend – findet sich das interessante Zeugnis einer anderen Liaison. Auf der Fassade des Hauses Stadtplatz 18 ist das steinerne Grabmedaillon mit den lebensgroßen Köpfen eines römischen Ehepaares eingemauert. Der Geschäftsinhaber Albert Neugebauer kennt das Einmalige daran: "Der Mann trägt eine römische Toga, Frisur und Schmuck der Frau zeugen jedoch von deren keltischer Abstammung. Ein frühes Bespiel einer interkulturellen Verbindung." Gleich gegenüber lädt die Stadtpfarrkirche mit den einmaligen gotischen Fenstern zu einer besinnlichen Rast ein. Sie stammt aus dem neunten Jahrhundert und ist damit eine der ältesten Kirchen Österreichs. Hier ist auch die Replik des einzig vollständig erhaltenen frühchristlichen Grabsteins Österreichs zu bewundern. Wenige Schritte weiter findet sich allerdings ein noch viel älteres Bauwerk. Lange vor der Zeit als Minoritenkloster soll hier in römischer Zeit der Sitz des Statthalters gewesen sein. Und es war die Arbeitsstätte des "späteren" Heiligen Florian als dessen Kanzleidirektor. Jetzt dient das Gebäude als Römermuseum mit vielen historischen Funden. Weiter geht es zum gut erhaltenen Ledererturm. Hier begann das Reich der Ledermacher, die geruchsbedingt nur außerhalb der mittelalterlichen Stadt ihr Gewerbe ausüben durften. Der weitere Weg führt außerhalb der historischen Stadtmauer vorbei an einem römischen Meilenstein und weiter am idyllischen Mühlbach entlang. Ein Wasserrad weist darauf hin, dass dieses von der Traun abgeleitete Gewässer einst viele Mühlen angetrieben hat. Mit diesem Element hat auch das folgende Renaissancegebäude zu tun: Im Wasserturm wurde über Jahrhunderte Wasser mittels eines Hebewerks zu einem Hochbehälter transportiert. Dann versorgte es über Rohrleitungen Bürgerhäuser und Stadtbrunnen. So endet die spannende Zeitreise wieder an ihrem Ausgangspunkt.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur